AI to everything in China:
Aus der Redaktion
Dies war die Woche des chinesischen Frühlingsfests, auch bekannt als Chinesisches Neujahr, in der die meisten Menschen hier im Urlaub sind.
Es war aber auch die Woche, in der Internetsuche und E-Commerce, wie wir sie bislang kannten, etwas völlig Neuem gewichen sind.
Angelockt von kostenlosem Bubble Tea und anderen Geschenken ließen sich Verbraucherinnen und Verbraucher in ganz China einladen, agentische KI auf ihren Smartphones auszuprobieren.
Sie lernten, Sätze wie „Bring mir eine Tasse Bubble Tea“ zu sagen, etwa mit Alibabas KI-App Qwen. Diese führte dann alle erforderlichen Schritte von Anfang bis Ende aus, von der Suche nach dem nächstgelegenen Teeladen über die Bezahlung bis zur Lieferung, ohne dass die Nutzerin oder der Nutzer eine weitere App öffnen musste.
KI ist nicht mehr nur ein Feature von vielen. Vielmehr ist KI gerade zum neuen Betriebssystem für die Welt des E-Commerce geworden.
Im „Deep Dive“ am Ende dieser Ausgabe lesen Sie, wie dieser Wandel das weltweite Online-Shopping verändern wird, auch im B2B-Geschäft.
Sie können sich auch über weitere Entwicklungen informieren, von der Veröffentlichung leistungsstarker großer Modelle über spektakuläre Börsengänge KI-affiner Werkzeugmaschinenhersteller bis hin zur neuen Rolle von KI in der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Henrik Bork
Gründer und Redaktionsleiter
China AI2X Briefing
➤ Fokus der Woche
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Chinesische KI-Chips für Chinas Robotaxi-Flotte
Pony.ai nutzt jetzt GPUs von Moore Threads für die Simulation des autonomen Fahrens
Eines der heissesten Halbleiter-Startups Chinas hat sich mit einem der führenden Robotaxi-Unternehmen des Landes zusammengetan. Moore Threads, der chinesische GPU-Hersteller und „Nvidia-Verfolger", hat eine Partnerschaft mit Pony.ai bekannt gegeben, dem Entwickler autonomer Fahrlösungen.
Die neueste Generation der KI-Chips von Moore Threads, der MTT S5000, und sein intelligentes KUAE-Rechencluster samt integrierter Software sollen ab jetzt eingesetzt werden, um das Weltmodell von Pony.ai zu trainieren und die Skalierung seiner Robotaxi-Flotte mit autonomem Fahren auf „Level 4“ zu beschleunigen, gaben die beiden Unternehmen bekannt.
Warum ist das wichtig?
Die Zusammenarbeit markiert einen wichtigen Meilenstein für das automobile Ökosystem Chinas, in dem sich Autobauer und Mobilitätsanbieter zunehmend auf im Inland selbst produzierte Chips und Rechenplattformen stützen können.
Für mehr Details über die beteiligten Technologien und zur Frage, was solche chinesisch-chinesischen Partnerschaften für die Versuche der USA bedeuten, Chinas Fortschritte mit künstlicher Intelligenz zu bremsen, klicken Sie bitte hier für das vollständige “Fokus der Woche” dieser Woche.
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➤ Nachrichten
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LLM: Ein Chinesisches Neujahr voller Roter Umschläge und neuer KI-Modelle
Kurz vor dem Chinesischen Neujahr am 17. Februar 2026 sind gleich eine ganze Reihe neuer KI-Großmodelle veröffentlicht worden. Daraus wird gerade so etwas wie eine Tradition.
ByteDance veröffentlichte Seedance 2.0, ein Text-zu-Video-Modell, das in 60 Sekunden Filmsequenzen mit mehreren Szenen erzeugt. Die Qualität erinnert an die Produktionen großer Filmstudios.
Zhipu AI, seit Januar 2026 an der Hongkonger Börse notiert, stellte GLM-5 vor, sein neues Open-Source-Flaggschiffmodell, das nach Tests mit Anthropics Claude Opus 4.5 verglichen wird und auf der Benchmarking-Plattform Artificial Analysis den Spitzenplatz unter den Open-Source-Modellen belegt.
Am Vorabend des Neujahrs legte Alibaba mit Qwen 3.5-Plus nach, das in Benchmark-Tests sogar Gemini 3 Pro übertrifft und dies zu einem Bruchteil der Kosten.
Warum ist das wichtig?
China zählte Ende 2025 schon 602 Millionen Nutzer generativer KI, mehr als 141,7 Prozent als im Jahr davor. „Der Leistungsrückstand zwischen chinesischen und amerikanischen Sprachmodellen schwindet schnell", sagte der Fondsmanager Bao Xiaodong gegenüber Bloomberg.
Chinas führende KI-Unternehmen holen nicht mehr einfach auf. Sie konkurrieren mit ihren amerikanischen Rivalen jetzt in Echtzeit.
➤➤➤Zur Analyse
Robotik: Eine Milliarde für Chinas jüngstes Unicorn im Bereich der verkörperten KI
Galaxea AI, ein erst im September 2023 gegründetes Pekinger Startup, hat im Februar 2026 eine B-Runde über eine Milliarde Yuan abgeschlossen. Damit hat das Unternehmen eine Bewertung von über zehn Milliarden Yuan (rund 1,2 Milliarden Euro) erreicht, ist also nun ein „Einhorn“.
Das Unternehmen positioniert sich nicht als traditioneller Roboterhersteller, sondern als „Plattformunternehmen der verkörperten KI" mit Full-Stack-Fähigkeiten in „Gehirn, Körper und Toolchain".
Warum ist das wichtig?
Der rasche Aufstieg zeigt, dass Investoren in China zunehmend Plattformanbieter gegenüber reinen Hardwareverkäufern bevorzugen. Künftiges Wachstum durch den KI-Boom wird schon jetzt in riesigem Umfang eingepreist.
Fertigung: KI in Werkzeugmaschinen ermöglicht spektakulären Börsengang
Han's CNC Technology ist am 6. Februar 2026 an der Hongkonger Börse notiert worden und nahm 4,83 Milliarden Hongkong-Dollar oder rund 590 Millionen Euro ein. Das war das obere Ende der Angebotsspanne, also ein sehr erfolgreicher IPO.
Unter den zehn strategischen Investoren finden sich GIC, Schroders und Victory Giant Technology. Der Aktienkurs des Werkzeugmaschinenbauers stieg um mehr als 7 Prozent.
Han´s CNC produzert hochpräzise Maschinen zur Herstellung von Leiterplatten, für die es aufgrund des KI-Booms eine stark wachsende Nachfrage gibt.
Der Börsengang zeigt, dass der Kapitalmarkt KI-Exposure nun entlang der gesamten Fertigungslieferkette bewertet, nicht nur bei den großen Technologieunternehmen.
Warum ist das wichtig?
Das explosive Wachstum großer KI-Modelle verändert die globale Elektronikindustrie. Während die Automatisierung chinesischer Fabriken in eine neue Runde geht, belohnt der Kapitalmarkt jetzt das KI-Exposure entlang der gesamten Lieferkette.
Automotive: „Nicht nur ein Auto, sondern ein verkörperter intelligenter Roboter"
Li Auto will nicht, dass man sein neues SUV L9 nur als Auto bezeichnet. Jedenfalls nicht nur das „Der neue Li Auto L9 ist nicht nur ein großartiges Auto, er ist ein Pionierwerk verkörperter intelligenter Roboter", schrieb CEO Li Xiang auf Weibo.
Zu einem Preis von 559.800 Yuan oder rund 69.000 Euro liegt der neue L9 deutlich über dem bisherigen Modell und ist mit hauseigenen M100-Chips und „fortschrittlicher verkörperter KI" ausgestattet, hieß es.
Die Ankündigung kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt: 2025 sank der Absatz des Unternehmens um mehr als 18 Prozent.
Warum ist das wichtig?
Das Rebranding Richtung KI ist aber kein reines Investorentheater. In China konvergieren gerade die Automobil- und Robotikbranche. Dieselben Weltmodelle, die ein Auto durch eine Stadt navigieren, können auch einen Humanoiden durch eine Fabrikhalle führen.
China Southern Power Grid implementiert KI
China Southern Power Grid, eines der beiden großen staatlichen Netzbetreiber des Landes, hat eine eigene „AI+“-Strategie vorgestellt und mit ihrer Umsetzung begonnen.
Gemeinsam mit Firmen wie Huawei, Baidu und SenseTime hat das Unternehmen einen intelligenten Computing-Cluster mit einer Gesamtkapazität von über 3.000P aufgebaut, berichteten chinesische Medien.
Der Netzbetreiber hat ein firmeneigenes Modellsystem mit dem Namen „MegaWatt“ entwickelt, das aus drei grundlegenden großen Modellen, 31 domänenspezifischen Modellen und mehr als 3.000 Anwendungsszenarien besteht. Das Sprachmodell des Unternehmens heißt „MegaWatt NLP 2.0“.
Warum ist das wichtig?
Die Strategie von Southern Power Grid zeigt, wie das von Peking vorgegebene „AI+“-Mandat für zentrale Staatsunternehmen in konkrete Investitionen in Infrastruktur und operative Anwendungen umgesetzt wird.
KI und Akupunktur: China modernisiert die Traditionelle Medizin

Ein Team aus Tianjin entwickelt ein handschuhähnliches Gerät, das durch Hirnwellen gesteuert Akupressur-Punkte stimuliert. Damit soll Patienten nach einem Schlaganfall eine schnellere Erholung ermöglicht werden.
Dazu laufen gerade in mehreren großen Krankenhäusern klinische Studien. Die chinesische Regierung hat frühere Versionen des Geräts bereits an Bord der Shenzhou-Raumschiffe erprobt.
Warum ist das wichtig?
Mit rund 700.000 Praktikern und mehr als einer Milliarde Behandlungen pro Jahr ist die TCM ein großer und wachsender Markt. Große KI-Modelle können dabei helfen, das weit verstreute Wissen dieser Jahrtausende alten Medizin zu ordnen und zugänglicher zu machen.
Für mehr Details und Analysen zu all diesen Nachrichten der Woche, klicken Sie bitte hier für die ausführliche, kostenlose Webversion des China AI2X Briefings:
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➤ Zitat der Woche
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Chinas Vorteil im Bereich der künstlichen Intelligenz liegt nicht nur darin, einen vollständigen technologischen Kreislauf aufzubauen, sondern auch in seiner Fähigkeit, chinesische Lösungen „in die Welt hinauszutragen“.
➤ Zahlen der Woche
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63,3 Milliarden
Anzahl der Token pro Minute, die ByteDance am Tag der chinesischen Frühlingsfest-Gala zu Spitzenzeiten mit seiner KI-App Doubao verarbeitet hat.
Quelle: Xin JIngbao
5 Milliarden
So oft wurde der Satz „Qwen, hilf mir“ in den elf Tagen vor dem chinesischen Neujahrsfest an Alibabas KI-App gesendet.
Quelle: Xinlang Keji
4,5 Milliarden Yuan
Werbeausgaben der chinesischen Technologiekonzerne Alibaba, Baidu, ByteDance und Tencent für ihre KI-Anwendungen während der Feiertage zum chinesischen Neujahr 2026.
Quelle: Zhongguo Xinwen Wang
320%
Wachstum des Aktienkurses von Zhipu.ai, dem Entwickler des KI-Modells GLM-5, zwischen seinem Börsengang in Hongkong am 8. Januar und dem 13. Februar 2026.
Quelle: Bloomberg
KI-Apps in Zahlen

➤ Policy- und Regulierungsupdate
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● Zentralregierung: NDRC
Am 10. Februar 2026 haben acht zentrale Regierungsbehörden unter der Federführung der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission die "Implementation Opinions on Accelerating the Promotion and Application of Artificial Intelligence in the Bidding and Tendering Field" veröffentlicht.
Worum geht es
Peking setzt Künstliche Intelligenz gezielt als Instrument im Kampf gegen Preisabsprachen und Korruption in der öffentlichen Beschaffung ein.
Das Dokument definiert 20 vorrangige Anwendungsszenarien, in denen KI Unregelmäßigkeiten identifizieren und die Arbeit von Vergabegremien überwachen soll.
Bis Ende 2026 sollen in ausgewählten Provinzen und Städten die wichtigsten Szenarien vollständig abgedeckt sein, bis Ende 2027 ist eine landesweite Umsetzung vorgesehen.
Da die Korruption in China jedoch systemisch und tief im System verankert ist, rechnet kein unabhängiger Beobachter mit einem grundlegenden Wandel. KI kann eine freie Presse und eine unabhängige, leistungsfähige Justiz nicht ersetzen. Das individuelle Risiko für korrupte Beamte ist durch diese Maßnahmen aber leicht gestiegen.
● Zentralregierung: Staatsrats
Am 11. Februar 2026 leitete Ministerpräsident Li Qiang eine Studien- und Arbeitssitzung des Staatsrats zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und rief zu einer umfassenden Offensive entlang Innovation, industrieller Wertschöpfung und Anwendungen in der Realwirtschaft auf.
Worum geht es
Die Sitzung signalisiert, dass die Förderung von KI nun direkt auf der Tagesordnung des chinesischen Kabinetts steht. Li Qiang forderte „Durchbrüche“ entlang der gesamten technologischen Wertschöpfungskette, eine großflächige kommerzielle Nutzung, die engere Verzahnung von Daten, Rechenkapazitäten und Stromversorgung sowie eine Weiterentwicklung der KI-Regulierung durch modernisierte Gesetze, Standards und ethische Leitlinien.
Kurz gesagt sendet China das Signal, den Einsatz von KI in diesem Jahr landesweit noch weiter zu beschleunigen.
● Zentralregierung: SASAC
Am 10. Februar 2026 hat die Staatskommission für die Aufsicht über Staatsvermögen (SASAC) eine Sitzung zur Vertiefung der Sonderinitiative „AI+" für die zentral geführten Staatsunternehmen abgehalten.
Worum geht es
Die zentral verwalteten Staatsunternehmen wurden angewiesen, ihre Investitionen in Rechenkapazitäten deutlich auszuweiten und die verzahnte Entwicklung von „Rechenleistung plus Stromversorgung" voranzutreiben.
Zudem sollen sie den Einsatz großer KI-Modelle intensivieren und hochwertige vertikale Anwendungsfälle identifizieren, die mit ihrem jeweiligen Kerngeschäft verknüpft sind.
Im Kern bedeutet dies, dass die chinesische Parteiführung und Regierung ihren direkten Einfluss auf die großen Staatsbetriebe (SOEs für State-Owned Enterprises) nutzen wollen, um den Einsatz von KI über alle Sektoren hinweg deutlich zu beschleunigen.
Das ist ein wichtiges Signal, denn obwohl ein großer Teil der chinesischen Wirtschaft aus Privatunternehmen besteht, orientieren sich diese stark an den SOEs. Dasselbe gilt für Investoren.
● Shenzhen
Am 12. Februar 2026 hat das städtische Amt für Industrie und Informationstechnologie der Stadt Shenzhen den „Aktionsplan AI+ Fortschrittliche Fertigung 2026 bis 2027 " veröffentlicht.
Bis 2027 will sich Shenzhen zu einem „nationalen Pilotstandort für KI-Anwendungen in der fortgeschrittenen Fertigung“ entwickeln, dafür einhundert Anwendungsszenarien umsetzen und einhundert vertikale Branchenmodelle einführen.
Der Plan umfasst unter anderem Pilotprogramme für integrierte, Cloudbasierte Systeme für das vernetzte Fahren sowie eine breite KI-gestützte Transformation entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette.
● Shanghai
Am 3. Februar 2026 hat Bürgermeister Gong Zheng in seinem Regierungsarbeitsbericht zugesagt, im Rahmen der laufenden „AI Plus"-Initiative im Jahr 2026 mehr als 50 fortgeschrittene intelligente Fabriken zu schaffen.
Darüber hinaus will Shanghai die Recheninfrastruktur stärken und den breiten Einsatz von KI-Agenten sowie der nächsten Generation intelligenter Endgeräte in Schlüsselbranchen vorantreiben.
➤ Deep Dive
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Eine Milliardenschlacht um die "Super-Gateways" der Künstlichen Intelligenz
Alibaba und andere Tech-Giganten führen Konsumenten ins Zeitalter der agentischen KI
Chinesische Tech-Konzerne haben gerade umgerechnet 550 Millionen Euro für Bubble Tea und andere Werbegeschenke ausgegeben, um für ihre KI-Apps zu werben. Chinas Medien nennen es den „AI-Krieg zum Frühlingsfest 2026“.
Alibaba, ByteDance, Tencent und Baidu kämpfen dabei um mehr als nur um Klicks oder Traffic. Sie wollen die Nutzer an KI-Agenten und deren Workflows gewöhnen. Alles soll in der Zukunft damit bestellt werden, von Getränken und Lebensmitteln bis zu Flugtickets und Hotelbuchungen.
Warum das wichtig ist
Die Unternehmen wollen sich in dieser neuen Ära der künstlichen Intelligenz als „Super-Gateways“ im Internet etablieren. Damit verlagert sich der Wettbewerb von reinen Parameterduellen um das beste Sprachmodell hin zu der Frage, wer KI am effizientesten monetarisieren kann.
Für eine Analyse dieser Strategie im Wettbewerb um Nutzer sowie der Einbindung von KI in neue Geschäftsmodelle jenseits von Chatbot-Abonnements klicken Sie hier auf:



