Nachrichten
______________
Published on Feb. 21, 2026
➤ Große Modelle: Chinesisches Neujahr bringt Rote Umschläge und neue KI-Modelle

Die Wochen vor dem chinesischen Neujahr waren eine Art Leistungsschau der heimischen KI-Branche. In rascher Folge sind eine ganze Reihe bedeutender Updates von großen KI-Modellen veröffentlicht worden.
ByteDance, der Mutterkonzern von TikTok, brachte Seedance 2.0 auf den Markt, ein Text-zu-Video-Modell, das aus vergleichsweise einfachen Eingaben in etwa 60 Sekunden eine Filmsequenz mit mehreren Szenen erzeugen kann. Die flüssigen Bewegungen und sehr authentische Beleuchtung erinnern an die Produktionen großer Filmstudios.
Das Modell ist von Shanghai bis Hollywood mit einer Mischung aus Begeisterung und Schock begrüsst worden. Feng Ji auf sich, Schöpfer eines erfolgreichen Videospiels kommentierte seinen Eindruck so: „Die Kindheitsphase KI-generierter Inhalte ist vorbei".
Zhipu AI, das im Januar 2026 an die Hongkonger Börse gegangen ist, veröffentlichte zur selben Zeit GLM-5, sein neuestes Flaggschiffmodell. Dieses neue Open-Source-Modell ist stark bei Programmieraufgaben und beim Engineering mit Agenten.
Es integriert DeepSeeks „Sparse Attention"-Architektur zur Senkung der Deployment-Kosten und hat einen asynchronen Algorithmus für Reinforcement-Learning, der kontinuierliches Lernen aus verschiedenen Interaktionen ermöglicht.
Tests zufolge soll es mit Anthropics Claude Opus 4.5 vergleichbar sein. Auf der Benchmarking-Plattform „Artificial Analysis“ übernahm GLM-5 schon wenige Stunden nach seinem Debüt den Spitzenplatz unter den Open-Source-Modellen ein. Die Aktien des Unternehmens stiegen.
„Wenn Claude Opus den Höhepunkt der Closed-Source-Modelle verkörpert, dann markiert die Einführung von GLM-5 zweifellos den ‚Opus-Moment' der heimischen Open-Source-Modelle", schrieb Tencent News (auf Chinesisch) .
Am Vorabend des chinesischen Neujahrs veröffentlichte Alibaba Qwen 3.5-Plus, ein neues Open-Source-Basismodell mit insgesamt 397 Milliarden Parametern, von denen jedoch nur 17 Milliarden aktiviert werden. Es erzielt damit aber immer noch eine Leistung, die das frühere Billionen-Parameter-Modell Qwen3-Max übertrifft.
In Benchmark-Tests übertraf Qwen 3.5-Plus sogar Gemini 3 Pro in mehreren Agenten- und Schlussfolgerungsbewertungen. Besonders bemerkenswert sind die Inferenzkosten von lediglich 0,8 Yuan pro einer Million Token, was etwa 0,1 Euro entspricht, einem Achtzehntel des Preises von Gemini 3 Pro.
Alibaba legte am 10. Februar noch einmal mit der Einführung von Qwen-Image 2.0 nach, einem Open-Source-Modell zur Bildgenerierung. Nebenbei: Die Qwen-Modellfamilie dient gerade als KI-Tool für das Internationale Olympische Komitee bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand.
Die vielen Veröffentlichungen von KI-Modellen zeugen von einem gesunden Wettbewerb um einen enorm großen Markt. China zählte Ende 2025 dem China Internet Network Information Center zufolge schon 602 Millionen Nutzer generativer KI, ein Plus von 141,7 Prozent innerhalb eines einzigen Jahres.
„Es war ein Frühlingsfest für chinesische Modelle noch vor dem eigentlichen Frühlingsfest", zitierte Bloomberg den Fondsmanager Bao Xiaodong. „Der Leistungsrückstand zwischen chinesischen und amerikanischen Sprachmodellen schwindet schnell."
Warum ist das wichtig?
Chinas führende KI-Unternehmen holen nicht mehr länger auf. Sie konkurrieren mit ihren amerikanischen Rivalen in Echtzeit. Zugleich sorgt die Kosteneffizienz der chinesischen KI-Modelle, die seit DeepSeeks überraschendem R1-Release kurz vor dem chinesischen Neujahr 2025 intensiv diskutiert wird, auch diesmal wieder für Schlagzeilen. Etwas zugespitzt kann man formulieren, dass chinesische KI immer besser und immer günstiger wird.
➤ Robotik: Eine Milliarde für Chinas jüngstes Unicorn im Bereich der verkörperten KI
Galaxea AI, ein erst im September 2023 gegründetes Pekinger Startup, hat im Februar 2026 eine B-Runde über eine Milliarde Yuan abgeschlossen.
Damit stieg das Gesamtvolumen der von Galaxea AI bis jetzt aufgenommenen Mittel auf knapp drei Milliarden Yuan oder etwa 370 Millionen Euro. Damit überschritt die Bewertung die Marke von zehn Milliarden Yuan, was der chinesischen „Einhorn-Hürde“ von 1,2 Milliarden Euro entspricht, berichtete das Technologieportal Leifeng Wang (auf Chinesisch).
Damit ist Galaxea AI das vierte chinesische Unternehmen im Bereich Embodied AI, das diesen Einhorn-Status erreicht, nach Unitree, Agibot und Galbot. Von diesen vier ist es mit Abstand das jüngste, da es die Schwelle in etwas mehr als zwei Jahren nach seiner Gründung überschritten hat.
Galaxea AI versteht sich nicht als traditioneller Roboterhersteller. Das Unternehmen positioniert sich stattdessen als „Plattformunternehmen der verkörperten KI" und will Full-Stack-Fähigkeiten aufbauen, die „Gehirn, Körper und Toolchain" integrieren.
Im August 2025 stellte die Firma ihr G0-Modell vor, dem im Januar 2026 ein aufgewertetes G0 Plus folgte, ein einsatzbereites Vision-Language-Action-Modell. Der rollende Roboter R1 Pro dient als Hardwareplattform für LingBot-VLA, ein Open-Source-Embodied-AI-Modell, das von Robbyant, dem Team für verkörperte KI bei der Ant Group, entwickelt worden ist.
Das Unternehmen gibt an, schon Tausende von Aufträgen von Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmenskunden weltweit erhalten zu haben.
Warum ist das wichtig?
Der rasche Aufstieg von Galaxea AI veranschaulicht, dass Investoren in China zunehmend Unternehmen bevorzugen, die sich als Plattformanbieter statt als reine Hardwareverkäufer positionieren. Das spiegelt dieselbe Logik wider, die softwarebasierte Geschäftsmodelle in früheren Technologiezyklen so wertvoll gemacht hat.
Die in rund zwei Jahren von Galaxea AI erreichte Bewertung von zehn Milliarden Yuan, einem Zeitraum, in dem viele andere Startups kaum eine Seed-Runde abschließen, signalisiert, dass der Markt gerade künftiges Wachstum in außerordentlichem Umfang einpreist.
➤ Fertigung: KI in Werkzeugmaschinen sorgt für spektakulären Börsengang
Han's CNC Technology ist am 6. Februar 2026 an der Hongkonger Börse notiert worden. Die Aktien brachten dem Unternehmen 4,83 Milliarden Hongkong-Dollar oder rund 590 Millionen Euro ein. Der Preis lag am oberen Ende der Angebotsspanne. Anders gesagt: Es ein sehr erfolgreicher IPO.
Die Notierung zog unter anderem zehn bekannte und strategische Investoren an, die gemeinsam 263 Millionen Euro zusagten, darunter Singapurs Staatsfonds GIC, der Vermögensverwalter Schroders und Victory Giant Technology, ein führender Hersteller von Leiterplatten. In den Tagen nach dem Börsendebüt stieg der Aktienkurs von Han's-CNC um mehr als 7 Prozent.
Das in Shenzhen ansässige Unternehmen ist vom Umsatz her Chinas größter Spezialanbieter von Produktionsanlagen für Leiterplatten. Es erreichte 2024 in China einen Marktanteil von 10,1 Prozent, geht aus seinem Prospekt hervor.
Das Kerngeschäft umfasst hochpräzise Bohr- und Bearbeitungsmaschinen für die Herstellung Printed Circuit Boards (PCBs), also jener mehrschichtigen elektronischen Substrate, die in nahezu jedem Computer gebraucht werden.
Der KI-Boom erweist sich gerade als großer Wachstumsmotor für Han's CNC. Mit der Verbreitung großer KI-Modelle und intelligenter Hardwareanwendungen ist auch die Nachfrage nach Hochleistungs-Servern und GPUs deutlich gestiegen, was wiederum das Auftragsvolumen für hochwertige, mehrlagige Leiterplatten ansteigen lässt, die Hochfrequenz- und Hochgeschwindigkeits-Signale verarbeiten können.
Han's CNC hat sich im Zentrum dieses Wandels positioniert. Am Tag der Notierung berichtete das Finanzportal Xinlang Caijing (auf Chinesisch) , dass das Unternehmen KI-Server und Fahrzeugintelligenz als seine beiden vorrangigen Geschäftsbereiche nennt.
Das Unternehmen hat gemeinsame Forschungs- und Entwicklungslaboratorien mit nachgelagerten Kunden aufgebaut und bietet Unterstützung von der Prozessvalidierung bis hin zur Massenproduktion an. Es will ein weltweit führender Kerndienstleister bei Leiterplatten-Ausrüstungen werden.
Mit dem Erlös aus dem Börsengang sollen der beschleunigte Einstieg in KI-Lösungen der nächsten Generation und Projekte der fortgeschrittenen Fertigung finanziert werden.
Warum ist das wichtig?
Dieses gesteigerte Interesse der Investoren erklärt sich aus zwei gleichzeitigen Trends. Erstens verändert das explosive Wachstum großer KI-Modelle gerade die globale Elektronikindustrie.
KI erhöht nicht nur den Gesamtbedarf an Leiterplatten, sondern steigert auch deren Komplexität, aufgrund der spezifischen Anforderungen des KI-Computing. Dies wiederum führt zur raschen Einbettung von KI in die Fertigungsprozesse der Maschinen.
Zweitens verdeutlicht diese überzeichnete Notierung der Aktien von Han's CNC, dass die Kapitalmärkte jetzt über die Modell-Entwickler und Cloud-Anbieter hinausschauen, die am meisten Aufmerksamkeit bekommen. Investitionen in die Infrastruktur der KI und damit auch die Fertigung von Werkzeugmaschinen sind plötzlich sehr interessant.
Han's CNC operiert am Schnittpunkt von KI-Integration und Leiterplatten-Fertigung, die voraussichtlich rasch wachsen wird, während Automatisierung und KI Chinas Fabriken verändern. Der chinesische Kapitalmarkt belohnt nun „KI-Exposure“ entlang der gesamten Lieferkette, nicht nur bei den größten Technologieunternehmen.
➤ Automotive: „Nicht nur ein Auto, sondern ein verkörperter intelligenter Roboter"
Li Auto wird in Kürze etwas Neues auf den Markt bringen, möchte aber nicht, dass wir es Auto nennen. Zumindest nicht nur das. „Der neue Li Auto L9 ist nicht nur ein großartiges Auto, er ist ein Pionierwerk verkörperter intelligenter Roboter", schrieb CEO Li Xiang im Februar 2026 auf seinem Weibo-Kanal (auf Chinesisch).
Er möchte, dass sein neues SUV Li Auto L9 als mehr als nur ein Fahrzeug wahrgenommen wird und redet von einem Technologieansatz, der dem Automobil Augen, ein Gehirn, ein Herz, Nerven, Hände und Füße verleiht.
Er verbringe 70 Prozent seiner Zeit mit dem Fahrzeug selbst, erklärte Li. „Verkörperte Intelligenz“ müsse in ein solide Fahrzeug integriert werden, „um wirklich Mehrwert für die Nutzer zu schaffen".
Der neue L9 soll 559.800 Yuan kosten etwa 69.000 Euro. Das liegt deutlich über der Preisspanne von 409.800 bis 439.800 Yuan des aktuellen L9-Modells. Das neue Auto ist mit hauseigenen M100-Chips und „fortschrittlicher verkörperter KI" ausgestattet, so der CEO.
Das Unternehmen bezeichnet das Fahrzeug als „intelligenten Agenten mit proaktivem Service", der in der Lage sei, die Bedürfnisse seiner Insassen zu erkennen, zu verstehen und vorauszusehen.
„Jede Familie verdient in Zukunft einen solchen intelligenten Partner", sagte der CEO, präsentierte seinen neuen SUV also als eine Art humanoiden Begleiterroboter auf Rädern.
Die Li-Auto-Aktien stiegen nach der Ankündigung in Hongkong um 3,6 Prozent. Gerade noch rechtzeitig, könnte man hinzufügen, denn die Markteinführung kommt in einem schwierigen Moment für Li Auto.
Das Unternehmen lieferte 2025 insgesamt 406.343 Fahrzeuge aus, was einem Rückgang von mehr als 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Li Auto gehört damit zu den wenigen E-Auto-Startups in China, deren Absatz sinkt.
Warum ist das wichtig?
Li Auto kommt mit diesem Rebranding eines „Wir setzen voll auf KI“ vergleichsweise spät. XPeng und Geely haben diesen Schritt schon viel früher vollzogen. Den Schwenk jedoch allein als schnelles Aufspringen auf den KI-Zug zu sehen, um Investoren zu beeindrucken, wäre falsch.
Es ist in China vielmehr eine genuine Konvergenz zwischen der Automobil- und der Robotikbranche zu beobachten. Dahinter steckt eine technische Realität. Dieselben Weltmodelle, die ein Fahrzeug lehren, sich autonom durch eine Stadt zu navigieren, können auch einen Humanoiden befähigen, in einer Fabrikhalle nützlich zu sein.
➤ China Southern Power Grid implementiert KI
China Southern Power Grid, eines der beiden großen staatlichen Netzbetreiber des Landes, hat eine eigene „AI+“-Strategie vorgestellt und mit ihrer Umsetzung begonnen.
Gemeinsam mit Firmen wie Huawei, Baidu und SenseTime hat das Unternehmen einen intelligenten Computing-Cluster mit einer Gesamtkapazität von über 3.000P aufgebaut, berichtete die Wirtschaftszeitung Meiri Jingji Xinwen (auf Chinesisch).
Der Netzbetreiber hat ein firmeneigenes Modellsystem mit dem Namen „MegaWatt“ entwickelt, das aus drei grundlegenden großen Modellen, 31 domänenspezifischen Modellen und mehr als 3.000 Anwendungsszenarien besteht. Das Sprachmodell des Unternehmens heißt „MegaWatt NLP 2.0“.
Warum ist das wichtig?
Die Strategie von Southern Power Grid zeigt, wie das von Peking vorgegebene „AI+“-Mandat für zentrale Staatsunternehmen in konkrete Investitionen in Infrastruktur und operative Anwendungen umgesetzt wird.
Für ausländische Technologie- und Energieunternehmen ist dies auch ein Hinweis darauf, dass sich Chinas gewaltiger Energiesektor zu einem bedeutenden und dynamisch wachsenden Markt für KI-Anwendungen entwickelt.
➤ KI und Akupunktur: China modernisiert die Traditionelle Medizin

Ein Team aus Forschern und Ingenieuren in Tianjin experimentiert mit einer Kombination aus KI, Gehirn-Computer-Schnittstellen (Brain Computer Interface oder BCI) und tragbaren Endgeräten. Das erklärte Ziel ist dabei, Patienten nach einem Schlaganfall bei der Erholung von Hemiplegie zu unterstützen.
Zhou Peng vom Haihe Laboratory entwickelt in Zusammenarbeit mit mehreren Krankenhäusern und der Tianzong Yimai Technology Company ein handschuhähnliches Gerät, das durch Hirnwellen gesteuert wird und Akupressur-Punkte stimuliert. Die Entwickler bezeichnen es als „BCI-Schnittstelle der Traditionellen Chinesischen Medizin", berichtet Cailianshe (auf Chinesisch) .
Klinische Studien in mehreren großen Krankenhäusern laufen gerade und werden entscheidend dafür sein, Kritiker zu überzeugen, die die wissenschaftlichen Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) anzweifeln.
Die chinesische Regierung gehört nicht zu diesen Kritikern. Sie hat sogar schon Experimente mit früheren Versionen des Geräts an Bord des Shenzhou-Raumschiffs ermöglicht.
Warum ist das wichtig?
Die TCM erlebt in China gerade einen Boom. Rund 700.000 TCM-Praktiker behandeln im Land jährlich mehr als eine Milliarde Patienten, wie der Economist kürzlich berichtete. Dies ist auch ein großer und wachsender Markt für westliche Medizintechnikhersteller.
Große KI-Modelle können ab jetzt dazu beitragen, bewährtes Wissen über bestimmte Behandlungsmethoden, die die westliche Medizin ergänzen, besser zu ordnen und zu verbreiten. Sie könnten aber auch mithelfen, weniger nützliche Anwendungen auszusortieren.
Der ganzheitliche Ansatz der TCM, etwa der Einsatz von Nahrung als Heilmittel, von Akupunktur und Atemtechniken, gründet auf Tausenden von Jahren praktischer Erfahrung in der Behandlung von Patienten. Dieses medizinische Wissen ist jedoch weit verstreut und könnte von einer intelligenten Aufbereitung profitieren.
