Chinesische KI-Chips für Chinas Robotaxi-Flotte
Pony.ai nutzt jetzt GPUs von Moore Threads für die Simulation des autonomen Fahrens
Published on Feb. 21, 2026

Image: Pony.ai
Pony.ai, einer der drei führenden Robotaxi-Entwickler in China, wird erstmals chinesische KI-Rechentechnologie zur Schulung seiner Modelle einsetzen. Am 6. Februar 2026 hat das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit Moore Threads bekannt gegeben, einem in Shanghai ansässigen Chiphersteller, berichtete das chinesische Nachrichtenportal Gasgoo.
Die neue Partnerschaft ersetzt nicht Pony.ais langjährige Zusammenarbeit mit Nvidia, erweitert die Gruppe seiner strategischen Technologiepartner aber um einen chinesischen Anbieter und verringert so seine Abhängigkeit von den USA.
Der chinesische Anbieter autonomen Fahrens nutzt seit vielen Jahren die Nvidia DRIVE Orin SoC-Technologie (System-on-Chip). Seit 2022 produziert er in großen Serien Controller für das autonome Fahren, die auf Nvidias DRIVE Hyperion-Architektur aufbauen.
Pony.ai will die integrierten Rechenkarten von Moore Threads und dessen intelligenten KUAE-Rechencluster nutzen, um sein eigenes Weltmodell und seine vertikalen KI-Modelle in den Fahrzeugen zu trainieren. Die in China entwickelte Rechenleistung soll also für Simulationsaufgaben eingesetzt werden.
Diese strategische Partnerschaft mit Pony.ai markiert die erste tiefgreifende Kooperation zwischen heimisch entwickelter GPU-Rechenleistung mit vollem Funktionsumfang und führenden Algorithmen für das autonome Fahren.
Derzeit gibt es noch keinen Ersatz für Nvidia. Das neue Geschäft für Moore Threads ist dennoch ein Fortschritt für Chinas Bemühungen, ein eigenes Ökosystem aufzubauen, in dem KI-Entwickler, Chiphersteller und Automobilunternehmen aktiv eigene Synergien ausloten.
„Diese strategische Partnerschaft mit Pony.ai markiert die erste tiefgreifende Kooperation zwischen heimisch entwickelter GPU-Rechenleistung mit vollem Funktionsumfang und führenden Algorithmen für das autonome Fahren", wird Moore Threads CEO Zhang Jianzhong auf der Website des Wissenschafts- und Technologiebüros in Guangzhou zitiert.
Aus der Perspektive des KI-Wettlaufs zwischen den Vereinigten Staaten und China betrachtet, kann die Partnerschaft zwischen Pony.ai und Moore Threads als weiteres Beispiel für Chinas Streben nach heimischer Substitution verstanden werden. Washingtons Einfluss auf Chinas KI-Industrie mithilfe häufiger Export-Beschränkungen für Nvidia-Chips soll verringert werden.
Die Partnerschaft ist aber gleichzeitig auch ein Paradebeispiel für den Pragmatismus, mit dem China diese Modernisierung seiner eigenen Industrien verfolgt. Partnerschaften mit US-amerikanischen und anderen ausländischen Unternehmen bleiben intakt und willkommen.
Die Chinesen bleiben offen für Partnerschaften und Investitionen in ihrem Land, erwerben so technologisches Know-How und versuchen, Schritt für Schritt eigene, inländische Fähigkeiten aufzubauen.
Zhang Jianzhong, auch als James Zhang bekannt, der Gründer und CEO von Moore Threads, ist ein ehemaliger Vizepräsident und Geschäftsführer von Nvidia in China. Er baut jetzt genau die Art von Chips, die er früher für Nvidia verkauft hat. Pekings Wunsch, Washingtons Handels- und Technologiekriege zu kontern, hat ihn nun noch schneller zum Dollar-Milliardär gemacht, als es sonst möglich gewesen wäre.
Pony.ai ist ebenfalls ein sehr international orientiertes Unternehmen, das im Silicon Valley gegründet worden ist. Sein Gründer, Peng Jun, ein Experte für autonomes Fahren, hat früher bei Alphabet gearbeitet, bevor er zu Baidu wechselte und später sein jetziges Unternehmen gründete. Baidu ist heute einer der Investoren bei Pony.ai. Der KI-Wettlauf mit den USA generiert viel Unterstützung für seine Ambitionen in Peking.
Jenseits dieser globalen Rivalitäten hat diese neue Partnerschaft aber auch technologische und wirtschaftliche Bedeutung. Sie hat das Potenzial, die Verbreitung von Robotaxis und autonom fahrenden Pkws insgesamt zu beschleunigen.
Die GPUs von Moore Threads sollen Pony.ais Weltmodell mit verstärkendem Lernen noch besser machen. Es kann jetzt schon jede Woche zehn Milliarden Kilometer Testdaten generieren und dabei Hunderte von Hochrisiko-Szenarien oder "Edge Cases" simulieren, behauptet das Unternehmen.
Am Ende sind es immer die Daten aus der realen Welt, die bei der Entwicklung von autonomen Fahrfunktionen am wertvollsten sind. Keine Simulation kann Erfahrungen aus der Praxis ersetzen. In diesem Kontext spielen die Robotaxis von Pony.ai eine Schlüsselrolle.
Bis Ende vergangenen Jahres war diese Flotte auf 1.159 Fahrzeuge in mehreren chinesischen Städten angewachsen. Bis Ende dieses Jahres möchte Pony.ai schon rund 3.000 Fahrzeuge auf der Straße haben.
„Von der Partnerschaft mit Moore Threads wird erwartet, dass sie die Effizienz des Modelltrainings und die Systemleistung erheblich verbessert und zu einem starken Motor für die Beschleunigung dieser Expansion wird", kommentiert Gasgoo.
Gleichzeitig beschleunigt Pony.ai auch die Produktion von Robotaxis zusammen mit seinem Partner Toyota. Die Japaner sind als Investor an Pony.ai beteiligt.
Derzeit sind mehrere Faktoren zu beobachten, die in ihrer Summe erklären, warum Analysten sowohl den Robotaxis als auch dem autonomen Fahren insgesamt für die kommenden Jahren ein sehrschnelles Wachstum in der Volksrepublik vorhersagen: Fortschritte bei grossen KI-Modellen, die schnelle Elektrifizierung der gesamten Fahrzeugflotte in China und die Offenheit chinesischer Verbraucher für neue Technologien. Sie sind bereit, sich von einer Smartphone-APP aus so ein Robotaxi zu rufen.
Eine Prognose von UBS sagt 300.000 fahrerlose Taxis in China vier größten Städten bis zum Jahr 2030 voraus. Bis zum Ende der 30er Jahre könnten der Bank zufolge insgesamt vier Millionen Robotaxis in China unterwegs sein.
