CHINA AI2X BRIEFING

How AI is reshaping China’s Industries


Aus der Redaktion

In dieser Woche möchten wir zunächst allen Leserinnen und Lesern danken, die uns Feedback zu unserem China AI2X Briefing gegeben haben.

Wir haben zugehört. Um das Briefing noch prägnanter und nützlicher zu machen, haben wir das Layout leicht geändert.

Ab dieser Woche finden Sie zu Beginn einen „Fokus der Woche“, gefolgt von einer Rubrik mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten aus der Welt der verkörperten KI in China.

Wir haben außerdem einen komplett datenbasierten Abschnitt mit dem Titel „Zahlen der Woche“ hinzugefügt sowie einen neuen „Deep Dive“ zu einem aktuellen Thema.

Wie bisher finden Sie unabhängig recherchierte und vollständig von Menschen verfasste Berichte über den Einsatz von künstlicher Intelligenz in verschiedenen chinesischen Branchen, von der Automobil- und Fertigungsindustrie bis zu Elektronik, Healthcare und Energie.

Vielen Dank, dass Sie das China AI2X Briefing lesen. Bitte schreiben Sie uns, ob Ihnen das neue Format gefällt.

Henrik Bork
Gründer und Redaktionsleiter
China AI2X Briefing

Fokus der Woche

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Das KI-Rennen zwischen den USA und China wird jetzt auch im Weltall geführt

Erstmals hat ein großes Sprachmodell von Alibaba seine Inferenz-Aufgaben auf einem Satelliten-Cluster gelöst

Der chinesische KI- und Cloudkonzern Alibaba hat ein großes Modell im Weltraum getestet. „Qwen-3“ ist dafür auf ein Cluster mehrerer Satelliten hochgeladen worden. Anschliessend führte es im Orbit mehrere vollständige Inferenzaufgaben durch, berichteten chinesische Medien.

Das Experiment fand im November 2025 statt, wurde jedoch erst jetzt bekannt, als Experten das Thema während eines Symposiums über Weltraum-Computing der China Academy of Information and Communications Technology (CAICT) diskutierten.

Das satellitengestützte LLM ist Teil eines ehrgeizigen chinesischen Programms, das Sonnenenergie im Weltraum nutzen und damit Rechenzentren direkt im Orbit betreiben soll.

Guoxing Aerospace Technology (Adaspace), die Firma hinter dem Pilotprojekt, plant, bis 2035 insgesamt 2.400 Inferenzsatelliten in einen erdnahen Orbit zu bringen.

Warum ist das wichtig?

Der KI-Wettlauf zwischen den Vereinigten Staaten und China ist damit in den Weltraum expandiert. Eine SpaceX-Rakete hatte schon im vergangenen November den Satelliten Starcloud-1 mit Nvidia-GPU in den Orbit befördert. „Es ist naheliegend, solarbetriebene Rechenzentren im Weltraum zu bauen. Der kostengünstigste Ort für KI wird der Weltraum sein, und das wird schon in zwei Jahren, spätestens in drei, der Fall sein“, sagte SpaceX-Gründer Elon Musk auf dem jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos.

In China ist man derselben Meinung hat begonnen, ein ähnlich groß angelegte Projekte umzusetzen, um Gigawatt an Energie und Rechenleistung im Orbit zu bündeln. Für mehr Implikationen des neuen KI-Wettrennens im All clicken Sie bitte hier und lesen unser „Fokus der Woche“ der Woche::

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Nachrichten

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StepFun sammelt 700 Millionen US-Dollar ein

Das in Shanghai ansässige KI-Startup StepFun hat in einer Finanzierungsrunde mehr als fünf Milliarden RMB (rund 610 Millionen Euro) von Investoren eingeworben. So viel Geld hatte das Unternehmen noch nie auf einen Schlag erhalten.

StepFun unveiled its compact open-source foundation model Step 3.5 Flash on February 2.

Warum ist das wichtig?

Es handelt sich um die größte Finanzierungsrunde der vergangenen zwölf Monate für sämtliche chinesischen Unternehmen, die mit OpenAI oder Anthropic in den USA konkurrieren.

Die Gründe für diese hohe Bewertung, was sie über das Vertrauen der Investoren in Basismodelle aussagt, sowie die Strategie von StepFun finden Sie hier auf unserer Seite „Nachrichten“:

➤➤➤Zur Analyse

Industrieroboter mit KI und Muskelkraft

Die meisten Industrieroboter sind derzeit noch programmiert und eignen sich vorwiegend für klar definierte, wiederholbare Aufgaben. Intelligente Roboter mit verkörperter KI wiederum sind oft vergleichsweise schwach. Das Startup Galbot aus Peking will dies nun mit seinem neuen Modell Galbot S1 ändern.

Der Industrieroboter gehört zur Kategorie der „zweiarmigen mobilen Manipulatoren". Sein Oberkörper ähnelt einem Humanoiden, während der untere Teil aus einem robusten Metallgestell besteht.

Mit einer kontinuierlichen Traglast von 50 kg im Zweiarm-Betrieb ist er für eine signifikante Nutzlast ausgelegt. Außerdem arbeitet er autonom.

Warum ist das wichtig?

Unter Marktbeobachtern macht sich allmählich eine gewisse Ermüdung breit, was all die tanzenden Humanoiden angeht, während die Industrieroboter noch immer auf künstliche Intelligenz warten.

Der Galbot S1ermöglicht es, verkörperte KI an die Produktionslinien zu bringen. Erste Modelle sind bereits in einer Batteriefabrik von CATL im Einsatz.

Sprachmodell belegt medizinische Diagnosen mit Quellen

Baichuan Intelligent Technology, ein Startup mit Sitz in Peking, hat mit „Baichuan-M3 Plus“ ein neues medizinisches Sprachmodell vorgestellt.

Das Unternehmen, das im Jahr 2024 in einer Finanzierungsrunde umgerechnet 586 Millionen Euro erhalten hat, gibt an, dass diese „Plus-Version" verlässlicher als sein Vorgängermodell M3 sei.

Die Halluzinationsrate soll von 3,5 Prozent beim Vorgängermodell M3 auf 2,6 Prozent gesunken sein Damit soll sie angeblich unter der von OpenEvidence und über 30 Prozent unter der von GPT-5.2 liegen.

Zusätzlich führt das neue medizinische Sprachmodell ein „Evidence Anchoring" ein. Jede KI-generierte medizinische Schlussfolgerung wird dabei mit einer entsprechenden Passage in einer medizinischen Fachpublikation belegt.

Warum ist das wichtig?

Die medizinische KI ist ein Bereich, in dem die Angst vor Halluzinationen besonders groß ist, da Fehler auf Grundlage falscher oder erfundener Aussagen die Gesundheit oder sogar das Leben von Patienten gefährden können.

Ärzte und Krankenhäuser werden KI-Werkzeuge wohl erst dann flächendeckend einsetzen, wenn diese genauer und transparenter werden.

Moonshot fordert die KI-Giganten heraus

Moonshot AI, ein weiteres chinesisches Startup für große KI-Modelle, hat eine aktualisierte Version seines multimodalen Flaggschiff-Modells Kimi veröffentlicht.

Das Open-Source-Modell heisst Kimi K2.5, wurde mit 15 Billionen gemischten Text- und Bildtokens trainiert und kann Text, Bilder und Videos verarbeiten sowie agentische Arbeitsabläufe mit mehreren parallel arbeitenden Agenten ausführen, also einem „Agentenschwarm”.

Erste Tests sollen angeblich zeigen, dass Kimi K2.5 beim Programmieren GPT-5.2 und Gemini 3 Pro bei einigen Benchmarks schlägt, etwa beim „SWE Bench Multilingual“.

Im Umgang mit Agenten soll es bei einzelnen Benchmarks sogar die neuesten Modelle Claude Opus 4.5 und GPT-5.2 übertreffen.

Warum ist das wichtig?

Analog zur weltweiten Faszination für agentische KI ist unter chinesischen KI-Unternehmen ein Wettlauf entbrannt. Sie wollen Agenten für alles von Programmierung über Texterstellung bis hin zur Videoproduktion auf den Markt bringen. Moonshot AI wird unter anderem von Alibaba unterstützt, das rund 36 Prozent der Anteile hält.

Alibaba präsentiert Chinas bislang größtes KI-Modell

Mit Qwen3-Max-Thinking hat Alibaba Cloud am 26. Januar 2026 sein neues Topangebot unter den Reasoning-Modellen veröffentlicht.

Chinesische Medien bezeichnen es als das Basismodell, das internationalen Spitzenmodellen derzeit am nächsten kommt.

Chinesische Fachmedien berichten, dass es in 19 Benchmark-Tests Spitzenwerte erzielt hat, darunter in den Bereichen komplexes Schlussfolgern, Faktenwissen und Agentenfähigkeiten. Die Gesamtleistung soll mit GPT-5.2, Claude Opus 4.5 und Gemini 3 Pro vergleichbar sein.

Mit mehr als einer Billion Parametern, 36 Billionen Pretraining-Tokens und einem Kontextfenster von 262.000 Tokens bezeichnet Alibaba es als „Chinas stärkstes KI-Modell“.

Es führt zudem zwei Innovationen ein: einen selbstständigen Aufruf von Suchmaschinen und eine dynamische Erweiterung von Rechenressourcen während der Inferenz.

Warum ist das wichtig?

Sollten sich die angekündigten Benchmark-Rekorde bestätigen, würde dieser „Ferrari" unter Chinas großen Modellen neuen Wettbewerbsdruck auf US-Rivalen wie Anthropic, Google und OpenAI erzeugen.

Zitat der Woche

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KI gilt als die nächste epochale technologische Transformation, vergleichbar mit den Veränderungen, die durch die Dampfmaschine, die Elektrizität und das Internet ausgelöst wurden.

Chinas Präsident Xi Jinping, Januar 2026

Zahlen der Woche

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602 Millionen

China hatte bis Ende 2025 insgesamt 1,125 Milliarden Internetnutzer, wobei die Nutzerzahl von generativer KI 602 Millionen erreichte.

Quelle: China Internet Network Information Center (CNNIC)

6,000

Die Zahl der in der KI-Branche tätigen Unternehmen in China überschritt im Jahr 2025 die Marke von 6.000.

Quelle: Ministry of Industry and Information Technology (MIIT)

1,2 Billionen

Erste Hochrechnungen für das ganze Jahr 2025 sagen voraus, dass Chinas KI-Industrie im Jahr 2025 einen Gesamtwert von 1,2 Billionen Yuan (rund 146 Milliarden Euro) erreicht hat.

Quelle: Ministry of Industry and Information Technology (MIIT)

850

Im Jahr 2025 gab es in China 850 Finanzierungsrunden für Startups in der KI-Industrie mit einem Gesamtwert von mehr als 69 Milliarden RMB (rund 8,5 Milliarden Euro).

Quelle: The Beijing News

KI-Forschung in Zahlen

Policy- und Regulierungsupdate

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Guangdong

Am 21. Januar 2026 veröffentlichte die Provinzregierung in Guangdong die „Policy Measures on Artificial Intelligence Empowering High-Quality Development of Transportation in Guangdong Province“.

Worum geht es

Politische Unterstützung für den Einsatz von KI im Verkehrssektor. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gütertransport mit unbemannten Fahrzeugen. Ein weiterer sind gemeinsame Plattformen für Eisenbahn und Logistikunternehmen.

Sichuan

Die Behörden in Sichuan haben künstliche Intelligenz in einer am 19. Januar 2026 veröffentlichten „Notice on Key Directions for New Industrial Tracks in Sichuan Province“ zu einem von 25 Schwerpunktfeldern mit besonderem Förderbedarf ernannt.

Worum geht es

Als einer von mehreren Bereichen wie auch Biotechnologie, die Low-Altitude-Economy oder intelligent vernetztes Fahren kann künstliche Intelligenz – ebenso wie ausländische Unternehmen, die in diesem Segment tätig sind – mit stärkerer Unterstützung durch die Lokalregierung rechnen.

Zhejiang

Das Ministerium für Wirtschaft und Informationstechnologie in der Provinz Zhejiang in Ostchina hat am 9. Januar 2026 einen Entwurf seines neuen „15th Five-Year Plan for the Digital Economy and Digital Infrastructure“ veröffentlicht.

Worum geht es

Zhejiang, schon jetzt Heimat von KI‑Start-ups wie DeepSeek und Großunternehmen wie Alibaba, plant den Aufbau von drei „digitalen Industrie-Clustern“ mit starkem KI‑Schwerpunkt. Die Provinz will ihre bisherigen Erfolge nutzen, um mehr noch Investitionen und Fachkräfte anzuziehen und Chinas internen KI‑Wettlauf gegen Shenzhen und Peking zu gewinnen.

Beijing

Am 5. Januar 2026 veröffentlichte Peking den „Action Plan for Building a Beijing Artificial Intelligence Innovation Hub“, der das Ziel formuliert, KI‑bezogene Branchen und Dienstleistungen innerhalb von zwei Jahren auf ein Marktvolumen von über 1 Billion RMB auszubauen.

Worum es geht

Die chinesische Hauptstadt hat sich entschieden, sich als „global AI innovation hub“ zu positionieren und legt in diesem Plan einen klaren Fahrplan für den Aufbau von Computing‑Clustern, das Skalieren von Einhorn‑Start-ups und weitere Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels vor.

In Zukunft im Blick behalten

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am 28. Januar 2026, dass China erwägt, drei seiner größten Technologiekonzerne zum Kauf von Nvidias H200‑Chips zuzulassen, und berief sich dabei auf namentlich nicht genannte Quellen.

Warum das wichtig ist

Obwohl die offizielle Entscheidung noch aussteht, deuten erste Signale darauf hin, dass Peking eine bedingte Genehmigung für den Import der zuvor von Washington eine Weile lang für China gebannten KI‑Chips erteilen könnte. Denkbar sind Obergrenzen für die Gesamtimportmenge oder Vorgaben, Käufe bei Nvidia mit Aufträgen an inländische Chipproduzenten zu verknüpfen.

Deep Dive

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Bitte hört mit dem albernen Tanzen auf, liebe Humanoide!

AI-generated image

Selbst viele chinesische Beobachter, so technikbegeistert sie auch sein mögen, haben genug von tanzenden, Flip-Flops springenden humanoiden Robotern auf allen Kanälen

„Wir brauchen keine Million tanzender humanoider Roboter!“, lautete kürzlich eine typische Schlagzeile in China.

Während der Hype um Humanoide als Entertainer in vollem Gange ist, hat in Chinas Fabriken allerdings eine leise Revolution begonnen.

Humanoide tauchen neuerdings an den Produktionslinien der Batteriefabriken von CATL auf, wo sie komplexe und gefährliche Aufgaben übernehmen.

Andere zweibeinige Roboter helfen beim Zusammenbau von Elektrofahrzeugen oder Waschmaschinen. Ihre Zahl ist noch gering, wird aber wohl von nun an exponentiell wachsen.

Für die vollständige Analyse dieser ersten Phase einer Validierung von Humanoiden als industrielle Werkzeuge klicken Sie bitte hier für unseren vollständigen Deep Dive.

➤➤➤Deep Dive

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