Das KI-Rennen zwischen den USA und China wird jetzt auch im Weltall geführt
Erstmals hat ein großes Sprachmodell von Alibaba seine Inferenz-Aufgaben auf einem Satelliten-Cluster gelöst
Published on Feb. 06, 2026

Das KI-Rennen im Weltall ist Teil der neuen Debatte um die Infrastruktur, die zum Betreiben von Rechenzentren nötig ist. Damit verschiebt sich zumindest ein Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit von den neuesten, großen Sprachmodellen (LLM) zu den Hardware-Fragen der KI-Skalierung, vor allem dem enormen Energie- und Kühlbedarf der Zentren.
Sowohl die USA als auch China haben begonnen, eine neue Art von Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen: sogenannte Rechensatelliten, die mit traditionellen Navigations-, Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten um geostationäre Positionen konkurrieren und den Orbit füllen.
Alibaba Cloud hat im vergangenen November sein Qwen-3-Modell auf mehrere Satelliten hochgeladen, erklärte ein leitender Vertreter des chinesischen „Star Compute Program“ auf einem Symposium, berichtete die Zeitung Nanfang Dushi Bao am 27. Januar 2026.
Es war neben den Versuchen in den USA einer der ersten Beispiele für den Einsatz eines generellen LLM im Weltraum. Dabei wurden Anfragen von einer Bodenstation an die auf einem Satelliten installierten GPU gesendet, Inferenzaufgaben gelöst und die Antworten schließlich zurück zur Erde übermittelt. Der gesamte Prozess dauerte chinesischen Medienberichten zufolge weniger als zwei Minuten.
Damit hat China nun ein ähnliches „KI-im-All“-Experiment durchgeführt wie Starcloud, das von Nvidia unterstützte Startup in den Vereinigten Staaten. Dort war bereits im vergangenen November ein Satellit mit H100-Hableitern an Bord einer SpaceX-Rakete ins All befördert worden.
Starcloud nutzte im Weltraum eine angepasste Version von Googles LLM Gemma, das in einer Open-Weight-Version veröffentlicht worden ist. Das chinesische, jetzt von Adaspace genutzte Qwen-3-LLM ist ebenfalls open-weight. Dass beide Experimente im selben Monat stattfanden verdeutlicht auch, wie intensiv der Wettlauf um KI-Fähigkeiten im Weltraum inzwischen geworden ist.
SpaceX-Gründer Elon Musk, der vor dem geplanten Börsengang seines Unternehmens, bei dem bis zu 25 Milliarden US-Dollar erlöst werden sollen, natürlich auch Investoren beeindrucken muss, präsentierte solche Pläne beim jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos als sei das alles eine ganz einfache Angelegenheit.
„Es ist naheliegend, solarbetriebene Rechenzentren im Weltraum zu bauen; der kostengünstigste Ort für KI wird der Weltraum sein, und das wird in zwei Jahren, spätestens in drei, der Fall sein“, sagte Musk.
Es ist naheliegend, solarbetriebene Rechenzentren im Weltraum zu bauen; der kostengünstigste Ort für KI wird der Weltraum sein, und das wird in zwei Jahren, spätestens in drei, der Fall sein.
Sowohl China als auch die USA planen, Solarkraftwerke und Rechenzentren im Orbit zu errichten. Der chinesische Raumfahrtkonzern China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) kündigte an, innerhalb der nächsten fünf Jahre eine „gigawattstarke digitale Weltrauminfrastruktur“ aufzubauen, berichtete der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV.
Kritiker warnen jedoch, dass es noch zahlreiche technische Hürden zu überwinden gibt. Die langfristigen Auswirkungen der radioaktiven Strahlung im Weltraum auf empfindliche Halbleiter seien noch unbekannt, sagen Experten. Auch die Frage, wie große Rechenzentren ohne Luft oder Wasser effektiv gekühlt werden können, stelle sich im Weltraum und sei noch ungelöst.
Dennoch sind sowohl China als auch die Vereinigten Staaten offenbar fest entschlossen, früh zu handeln, sozusagen erste „Pflöcke einzuschlagen“. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist der erdnahe Orbit zunehmend überfüllt, was die Komplexität und die Kosten solcher Programme für Nachzügler erhöht.
Zum anderen gilt die technologische und physische Vorherrschaft im Weltraum nicht nur als große wirtschaftliche Chance, sondern auch als strategische und militärische Notwendigkeit.
Peking hat die Integration weltraumgestützter Solarkraftwerke mit KI zu einem zentralen Bestandteil seines neuen Fünfjahresplans gemacht, der in den kommenden Wochen offiziell verabschiedet werden soll.
Adaspace, das im Mai vergangenen Jahres die erste Konstellation von zwölf Satelliten für sein Starcompute-Programm in Betrieb genommen hat, plant, allein in diesem Jahr zwei weitere Cluster von KI-Satelliten zu starten.
Das KI-Rennen hat sich dauerhaft auf den Weltraum ausgeweitet.
