Nachrichten
______________
Published on Aug. 18, 2026
➤ Energie: China testet ein Unterwasser-Rechenzentrum mit Offshore-Windstrom

Photo credit: HiCloud
Zehn Kilometer vor der Küste in der Nähe von Shanghai fahren chinesische Ingenieure das weltweit erste Unterwasser-Rechenzentrum hoch, das mit Offshore-Windstrom betrieben wird.
Die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung und Rechenzentren hat den Stromverbrauch im Netz von Shanghais Sonderzone Lingang in den ersten fünf Monaten 2026 um fast 30 Prozent erhöht, was die Suche nach solchen innovativen Wegen antreibt, die Kühlkosten von Rechenzentren zu senken, berichtete das Wirtschaftsmagazin Caixin.
Unter der Wasseroberfläche beherbergt eine versenkte zylindrische Kabine ein Hochleistungsrechenzentrum, direkt neben mehr als 50 Offshore-Windrädern, die den Strom liefern. Die Anlage, gebaut von Shenzhen HiCloud Data Center Technology, wird auf natürliche Weise vom Meerwasser gekühlt. Sie verbraucht kaum Süßwasser und erreicht dem Bericht zufolge eine Power Usage Effectiveness (PUE) von 1,15.
Das Design des Unterwasser-Rechenzentrums löst auch ein Problem eines früheren Pilotprojekts. 2020 benötigte ein vollständig versenktes Modell in der Provinz Hainan teure Spezialschiffe für die routinemäßige Wartung, und die Betriebskosten explodierten. Die Shanghaier Anlage hält ihre Stromtechnik auf einer Plattform über Wasser und lässt nur die 1.950 Tonnen schwere Serverkabine unter Wasser, was die Wartungskosten stark senkt.
Warum ist das wichtig?
Das Unterwasser-Rechenzentrum ist Teil einer Strategie, die Peking „Synergie von Rechenleistung und Stromversorgung“ nennt, auf Chinesisch suandian xietong. 2026 fand der Begriff erstmals Eingang in Chinas Regierungsarbeitsbericht und wurde in die Leitlinien des 15. Fünfjahresplans aufgenommen. Er bedeutet, leistungsstarke Recheninfrastruktur eng mit grünem Strom aus Wind und Sonne zu verknüpfen und beides intelligent aufeinander abzustimmen, erklärt die Nationale Energiebehörde. Chinas Industriepolitik koppelt den Ausbau von KI-Kapazitäten gezielt an den Ausbau erneuerbarer Energien.
➤ Automobil: Cadillac bringt Momentas Weltmodell in die Serie
Am 12. August hat Cadillac, die Marke des Joint Ventures SAIC-GM, seinen neuen XT5 PHEV als erstes Serienmodell mit Momentas serienreifem Weltmodell R7 vorgestellt, berichtete das chinesische Autoportal Gasgoo am 14. August 2026.
Momenta ist ein chinesischer Entwickler von Fahrassistenzsystemen mit Sitz in Suzhou, zu dessen Investoren Mercedes-Benz gehört.
In dem neuen Modell verbinde eine innovative Elektronikarchitektur Wahrnehmung, Entscheidung und Ausführung, sodass das Fahrzeug die Fahrabsichten des Weltmodells präziser umsetzen könne, schrieb Gasgoo.
Herkömmliche Fahrassistenzsysteme konzentrierten sich vor allem darauf, die Straße und die Hindernisse unmittelbar voraus zu erkennen, so Cadillac. Das Weltmodell R7 könne „die Welt nicht nur ‚sehen‘, sondern auch ‚verstehen‘“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens, die das Nachrichtenportal Sina am 12. August 2026 veröffentlichte (auf Chinesisch).
Cadillac nennt einige Situationen, die es dabei im Sinn hat, den morgendlichen Berufsverkehr, das Einparken, Gegenverkehr auf engen Straßen und das Rückwärtsfahren auf einer zuvor gefahrenen Strecke. Es verspricht auch einen besseren Umgang mit Überraschungen, etwa mit einem Lieferfahrer, der aus dem Nichts auftaucht, oder mit einer Autotür, die sich plötzlich öffnet.
Warum ist das wichtig?
Mit dieser Kooperation drängen Cadillac und Momenta auf den chinesischen Markt für Luxus-SUVs mit leistungsstarken Fahrassistenzsystemen. Der wird zurzeit von Huawei und Tesla dominiert.
In seiner Ankündigung nennt Cadillac selbst Huaweis „Qiankun ADS“ und Teslas „FSD“ und erklärt, sein aufgewerteter Super Cruise werde sich in diese Spitzengruppe einreihen. So entstehe eine neue „Ära der Drei Reiche“, eine Anspielung auf den Dreikampf um die Macht im China des dritten Jahrhunderts.
Für deutsche Autofirmen wie BMW, die ebenfalls mit Momenta arbeiten, wird dieser Cadillac XT5 ein interessanter Praxistest dafür, ob Weltmodelle wirklich besser fahren als andere KI-Systeme.
➤ Elektronik: Cambricon optimiert seine Chips für Chinas fünf führende KI-Modelle
Der chinesische KI-Chipdesigner Cambricon hat seine Prozessoren für die Inferenz von fünf großen heimischen Sprachmodellen angepasst, sagte Vorstandschef und Generalmanager Chen Tianshi, wie das Technikportal IT Zhijia (IT Home) am 13. August 2026 berichtete (auf Chinesisch).
Die fünf sind GLM von Zhipu AI, DeepSeek von DeepSeek, Qwen von Alibaba, Kimi von Moonshot und MiniMax von MiniMax.
Chen sagte außerdem, eine Prozessor-Mikroarchitektur der sechsten Generation samt Befehlssatz sei in Entwicklung, optimiert vor allem für Training und Inferenz großer Modelle. Ziel sei es, Programmierflexibilität, Leistung, Energieeffizienz und Flächeneffizienz der Chips zu verbessern.
Cambricons Umsatz ist im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 108 Prozent auf knapp sechs Milliarden Yuan gestiegen (rund 750 Millionen Euro). Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn kletterte um 123 Prozent auf 2,3 Milliarden Yuan (rund 290 Millionen Euro).
Warum ist das wichtig?
Washington verhindert den Export fortgeschrittener KI-Chips nach China, und Anthropic schließt chinesische Entwickler von der Nutzung seiner Modelle aus. Chinas Antwort ist die „lokale Substitution“, der Versuch, sich von amerikanischer KI-Hardware und -Software unabhängiger zu machen. Die Integration chinesischer Chips mit chinesischen KI-Modellen hilft dabei.
➤ Robotik: AgiBot überholt Unitree als weltgrößter Anbieter humanoider Roboter
Das Shanghaier Unternehmen AgiBot hat seinen chinesischen Rivalen Unitree Robotics überholt und ist im ersten Halbjahr 2026 zum weltweit größten Anbieter humanoider Roboter aufgestiegen, berichtete CCTV Finance, der Wirtschaftskanal des Staatssenders CCTV, am 11. August 2026 unter Berufung auf einen Bericht des Marktforschungsunternehmens Smart Analytics Global (auf Chinesisch).
AgiBot hat zwischen Januar und Juni rund 8.400 humanoide Roboter ausgeliefert. Damit kam es auf 44 Prozent des Weltmarkts, so die neuen Daten. Die Auslieferungen stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 562 Prozent.
Unitree aus Hangzhou, bislang die Nummer eins, fiel mit rund 5.900 Einheiten und einem Anteil von 31 Prozent auf den zweiten Platz zurück.
AgiBots Auslieferungen wuchsen dank seines vielseitigen Portfolios aus humanoiden Modellen der A-Serie in voller Größe, kompakten Einheiten der X-Serie und Radrobotern der G-Serie, schreiben die Analysten.
Unitrees Auslieferungen humanoider Roboter konzentrieren sich weiterhin auf das Flaggschiffmodell G1, und ein erheblicher Teil davon geht in Bildung, Forschung und Vorführungen.
Beide Unternehmen bereiten derzeit einen Börsengang vor. Unitree steht kurz vor einem Listing am Shanghaier STAR Market, das „weithin als Gradmesser für den aufstrebenden Humanoiden-Sektor Festlandchinas gesehen“ werde, schrieb die South China Morning Post.
AgiBot strebt einen Börsengang in Hongkong an. Der Hype um Unitrees Börsengang, und wie Gründer Wang Xingxing das Unternehmen aufgebaut hat, ist das Thema des Must Read dieser Woche.
Warum ist das wichtig?
Der Abstand zwischen den beiden Rivalen ist klein, und beide Verkaufszahlen sind noch relativ niedrig. Rund 8.400 gegen 5.900 Einheiten in sechs Monaten sind kein riesiger Unterschied. Die Wachstumskurven deuten aber darauf hin, dass es für beide Unternehmen große Chancen gibt.
Die weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter sind im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 272 Prozent auf rund 19.100 Einheiten gestiegen. Chinesische Hersteller lieferten mehr als 97 Prozent davon, so die von CCTV zitierte Studie.
Industrielle und kommerzielle Anwendungen machten mehr als 70 Prozent der Auslieferungen aus, nach rund 50 Prozent ein Jahr zuvor. Fabrikautomatisierer und Logistikbetreiber werden zu den wichtigsten Käufern.
➤ Gesundheit: Drohnen mit KI liefern Kühlketten-Medikamente

Die Zweite Universitätsklinik der Zhejiang-Universität in Hangzhou setzt KI ein, um die Temperatur von Medikamenten zu kontrollieren, die per Drohne ausgeliefert werden. Das System mit dem Namen „KI-Temperaturkontrolle + Drohnen-Medikamentenlieferung“ ist die Anwendung aus einem gemeinsamen Labors, das die Klinik mit Huawei gegründet hat, und erste Testergebnisse liegen vor, berichtete das chinesische Nachrichtenportal Caiwen am 14. August 2026 (auf Chinesisch).
Diese neue Cold Chain für temperaturempfindliche Medikamente ist für Lieferungen zwischen größeren Krankenhäusern und kleineren Kliniken gedacht, oder um Schulen zu versorgen, die gerade dringend ein Spezialmedikament für Schüler oder Lehrer brauchen.
„Die Drohnen sind mit KI-gesteuerten Kühlboxen ausgestattet, die Spezialmedikamente wie Insulin konstant bei 4 bis 5 Grad Celsius halten“, schreibt der Zhejiang-Kanal des Nachrichtenportals Zhongguo Xinwen Wang am 14. August 2026 (auf Chinesisch).
Der Testbetrieb, der erste seiner Art in China, nutzt 14 öffentliche Start- und Landeplätze für Drohnen in Hangzhou sowie eine Reihe „Mikro-Lager“ mit Temperaturkontrolle.
Innerhalb des Hangzhouer Stadtgebiets vergehen zwischen der Online-Anfrage eines Patienten und der Landung der Drohne höchstens 30 Minuten, hieß es in den Berichten. Die ganze Zeit über sorgt KI dafür, dass die Temperatur des Medikaments konstant bleibt.
Warum ist das wichtig?
Die Drohnen mit KI könnten die Verteilung von Medikamenten in Chinas Gesundheitssystem verändern. Kliniken müssten nicht mehr jede Medikamentenkategorie an jedem Standort für die Grundversorgung lagern. Kleinere Einrichtungen blieben von den Kosten für das Lagern und den Verfall selten gebrauchter Medikamente verschont. Ein regionsweites Netz mit schneller Reaktion und lückenloser Rückverfolgbarkeit würde Einrichtungen auf jeder Ebene versorgen.
