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Published on Sep. 06, 2026
➤ Luftfahrt + KI: Chinas neues „Luft-Skateboard“

Urban, the world's first standing-posture manned flying vehicle. Photo: CoolFly
Es sieht aus, als habe sich jemand auf eine Drohne gestellt und sei damit abgehoben. Der Flugzeugbauer CoolFly aus Hangzhou bezeichnet sein neues Produkt Urban als das weltweit erste „bemannte Fluggerät im Stehen“. Man kann es auch als eVTOL einordnen, also ein Gerät für „Electric Vertical Take-Off and Landing“.
Es gibt auch eine Version, auf der man sitzen kann, namens Dream. Für beide hat die Firma ein eigenes Flugsteuerungssystem entwickelt, das sie NA80 nennt, berichtete das chinesische Tech-Portal Kuai Keji am 14. August 2026 (auf Chinesisch).
Der Pilot steht oder sitzt auf einer flachen, blütenförmigen Plattform, die einen Durchmesser von rund 3,5 Metern hat. Vier Kanalgebläse sind in blütenblattförmigen Segmenten am Rand eingebaut. Es gibt ein wabenförmiges Sicherheitsgitter als einzige Knautschzone. Nutzer dürfen höchstens 1,9 Meter groß und 90 Kilogramm schwer sein.
„Der Pilot bewegt sich vorwärts oder rückwärts, indem er einfach einen Steuerknüppel antippt“, sagte Li Wei, der Geschäftsführer von CoolFly. Gestartet werde ganz einfach per Knopfdruck. Dank der aufrechten Haltung habe man rundum freie Sicht, sagte Li, als er Urban und Dream Mitte August erstmals vorführte.
Der sich leicht und oft verlagernde Schwerpunkt ist das größte technische Problem bei dieser neuen Art zu fliegen. CoolFly antwortet darauf eigenen Angaben zufolge mit einem KI-gestützten System zur Schwerpunktermittlung. Sensoren registrieren jede Gewichtsverlagerung von Pilot und Maschine. Dann passen sie in Echtzeit den Schub der Rotoren an. Das Fliegen von Urban sei vom Gefühl her mit dem Fahren eines selbstbalancierenden Rollers zu vergleichen, sagten Unternehmenssprecher.
Die Flugsteuerung verfügt über zwei voneinander unabhängige Rechner, die sich gegenseitig kontrollieren. Fällt die erste Einheit aus, übernimmt innerhalb von Millisekunden die zweite. Für die Sicherheit des Piloten gibt es zusätzlich einen Fluganzug mit Airbag, einen Fallschirm für das gesamte Gerät und einen Lidar-Sensor für die Hinderniserkennung.
Der Hersteller hat bereits einen Versicherungspartner gefunden. Die Niederlassung der China Pacific Insurance in Shenzhen hat dafür eine Police für bemannte Stehflugzeuge im Angebot. Versichert sind Kaskoschäden, Haftpflicht gegenüber Dritten und Verletzungen des Piloten.
CoolFly will eigenen Angaben zufolge noch in diesem Jahr die Serienfertigung ins Auge fassen. Die ersten Zielkunden sind Unternehmen aus der Tourismusbranche, zum Beispiel Landschaftsparks und Flugcamps. Im „Grand Canal Steelworks Park“ in Hangzhou gibt es ein erstes Testgelände. Die Firma will ihre Fluggeräte auch im Ausland vermarkten, dort an Privatkäufer.
Chinas gerade erst entstehende Low-Altitude-Economy erreichte 2024 ein Volumen von 480,7 Milliarden Yuan, rund 62 Milliarden Euro. Bis 2035 könnte sie auf mehr als 3,5 Billionen Yuan, rund 450 Milliarden Euro, wachsen, schätzt iiMedia Research.
Warum ist das wichtig?
Ob Pendler in China diese „Luft-Skateboards“ irgendwann zur Arbeit fliegen dürfen, ist derzeit noch offen. Immerhin kann ein solches Fluggerät jetzt aber versichert, verkauft und an bestimmten Orten legal geflogen werden.
Weil China das Management seines Niedrighöhen-Luftraums noch aufbaut, werden Zulassungen erst schrittweise vergeben, unter anderem in relativ abgelegenen Test- und Touristenorten. Wenn jetzt die Infrastruktur aus Händlernetzen und Versicherungspolicen entsteht, dürfte das die Kommerzialisierung der Fluggeräte in China beschleunigen.
➤ Fertigung + KI: Humanoide arbeiten an CNC-Maschinen
Das Joint Venture Creativity (Changzhou) Robotics trainiert Roboter in Werkstätten mit CNC-Maschinen. Es handelt sich um Humanoide vom Typ AgiBot G2. Sie haben zwei Arme, bewegen sich aber auf Rädern. Sie sollen jetzt in echten Produktionsumgebungen dazulernen.
Changzhou ist eine Industriestadt mit rund fünf Millionen Einwohnern am Unterlauf des Jangtsekiang, ein Stückchen flussaufwärts von Shanghai. Creativity hat hier gerade erst den Betrieb aufgenommen.
Schon kurz darauf habe in seinen mit CNC-Maschinen ausgerüsteten Werkstätten eine Pilot- und Validierungsphase für das „weltweit erste Modell verkörperter Intelligenz für Werkzeugmaschinen“ begonnen, berichtete das Nachrichtenportal der Provinz Jiangsu, Zhongguo Jiangsu Wang, am 19. August 2026 (auf Chinesisch).
Werkzeugmaschinen sind ein schwieriger Arbeitsplatz für Roboter. Um eine CNC-Maschine be- und entladen zu können, muss ein Roboter jedes Werkstück äußerst präzise platzieren. Er muss dabei eng mit Spannvorrichtungen zusammenarbeiten und sich in Echtzeit mit dem Bearbeitungszyklus der Maschinen koordinieren. Das ist noch einmal deutlich anspruchsvoller als eine repetitive Aufgabe am Fließband.
Durch die Integration von Werkzeugmaschinen und künstlicher Intelligenz strebe man die Modernisierung der Fertigungsindustrie an, sagte Mao Yufeng, Präsident der China Machine Tool & Tool Builders’ Association.
Warum ist das wichtig?
Die Bedienung von Werkzeugmaschinen hat sich bis jetzt der vollständigen Automatisierung widersetzt, weil Werkstücke, Spannvorrichtungen und Zyklen von Auftrag zu Auftrag variieren. Creativity (Changzhou) Robotics will mit diesem Pilotversuch beweisen, dass Modelle der verkörperten Intelligenz auch mit dieser Vielfalt umgehen können.
➤ Elektronik + KI: Open-source-KI als Konkurrenz zu Anthropic und OpenAI
Auf den KI-Marktplätzen OpenRouter und OpenCode erregte Ende August ein anonymes Modell namens Ox Alpha viel Aufsehen. Obwohl anfangs niemand wusste, wer sein Hersteller war, verzeichnete es einen Rekord von 50 Billionen Token an kumuliertem Traffic. Innerhalb weniger Tage war das KI-Modell beliebter als DeepSeek.
Nach sechs Tagen, am 26. August 2026, erklärte das in Peking ansässige Unternehmen Zhipu AI, es handele sich um sein neues Modell GLM-5.3-Flash, berichtete das chinesische Finanzportal Huaerjie Jianwen am 27. August 2026 (auf Chinesisch).
Man könnte das als gelungenen Marketing-Coup abtun, doch ein Detail sorgte international für Schlagzeilen. Die gesamte Rechenlast sei von einem Cluster aus mehr als 100.000 in China produzierten KI-Chips getragen worden, schrieb Zhipu in seiner technischen Dokumentation.
„Hardwareeffizienz und Kosten pro Token“ hätten „ein mit gängigen Nvidia-GPUs vergleichbares Niveau erreicht“, behauptete das chinesische Start-up. Die Zulieferer für seine IT-Hardware nannte Zhipu nicht namentlich. Die chinesischen KI-Chips könnten von Huawei, Moore Threads oder Hygon stammen, spekulierte das chinesische Tech-Medium LatePost.
GLM-5.3-Flash hat 320 Milliarden Parameter. Davon sind 18 Milliarden aktiv. Zhipu hat die Gewichte des Modells veröffentlicht. Das chinesische KI-Unternehmen bietet die Nutzung des Modells für 0,15 US-Dollar (rund 0,13 Euro) pro Million Input-Token und 0,50 US-Dollar (rund 0,43 Euro) pro Million Output-Token an. Damit ist es ungefähr so günstig wie DeepSeek.
Warum ist das wichtig?
Sollten sich die Angaben über die ausschließliche Verwendung chinesischer Halbleiter bestätigen, so wäre erstmals ein populäres KI-Modell im großen Maßstab ohne amerikanische Hardware ausgekommen. Seine Rechenleistung ließe sich zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen exportieren. Nvidia und auch die großen amerikanischen Modellentwickler hätten ein Problem.
➤ Gesundheit + KI: Medizinische KI als Profitquelle
iFlytek Healthcare, oft als erstes börsennotiertes Unternehmen für medizinische Sprachmodelle in China bezeichnet, hat für das erste Halbjahr 2026 ein sehr gesundes Umsatzwachstum bekannt gegeben. Der Umsatz wuchs um 49,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 446 Millionen Yuan, rund 57 Millionen Euro. Das sei ein neuer Fünf-Jahres-Rekord, berichtete das chinesische Branchenportal Weike Wang (Ofweek) am 28. August 2026 (auf Chinesisch).
Auch die Bruttomarge sei auf beachtliche 52,9 Prozent gestiegen, hieß es. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg nach Veröffentlichung dieser Zahlen vorübergehend um mehr als 22 Prozent.
Zuvor hatte iFlytek Healthcare seine Präsenz in Krankenhäusern in ganz China ausgebaut. Sein KI-gestütztes Diagnosesystem deckt inzwischen mehr als 77.000 Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung in der Volksrepublik ab. Das Unternehmen soll einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent halten.
In mehr als 700 großen Krankenhäusern, etwa im Peking Union Medical College Hospital, liege die Nutzungsrate der KI bei der Anfertigung von Patientenakten inzwischen bei 91 Prozent, hieß es in dem Bericht.
Die Zentralregierung in Peking unterstützt die Ausbreitung der künstlichen Intelligenz im Gesundheitssektor. Die National Healthcare Security Administration erlaubt es Krankenversicherungen Anfang des Jahres, für KI-gestützte Diagnosen zu zahlen. Sie wurde in den landesweiten Versicherungskatalog aufgenommen. In diesem Ausmaß sei dies weltweit ein Novum, berichtete das Finanzportal Gelonghui am 21. August 2026 (auf Chinesisch).
Gesundheits-KI verschiebe sich von einer „Technologie-Geschichte“ hin zum Nachweis der Kommerzialisierung durch „finanzielle Kennzahlen“, schrieb das Finanzportal. Der chinesische Markt dafür wächst schnell. Changjiang Securities erwartet bis zum Ende dieses Jahres ein Marktvolumen für Gesundheits-KI in der Volksrepublik von mehr als 40 Milliarden Yuan, rund 5 Milliarden Euro. Bis 2030 seien 200 Milliarden Yuan, rund 26 Milliarden Euro, möglich.

Warum ist das wichtig?
China hat sein nationales Krankenversicherungssystem als Kostenträger für KI-Produkte freigegeben. Die jüngsten Zahlen von iFlytek Healthcare sind der erste Beleg dafür, dass so nennenswerte Umsätze für Dienstleister möglich sind. Sollte Changjiang Securities mit seiner Prognose recht behalten, wäre der junge Markt für Gesundheits-KI in China bis 2030 fünfmal so groß wie heute.
