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CHINA AI2X BRIEFING

How AI is reshaping China’s Industries


Nachrichten

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Published on Sep. 18, 2026

KI + Fertigungsindustrie: Roboter bauen Roboter

UBTECH starts 10,000-unit robot factory that can build humanoid every 10 minutes. Photo: UBTECH

UBTech Robotics hat in Liuzhou eine neue Fabrik eröffnet, in der Roboter andere Roboter bauen. Das Werk im Autonomem Gebiet Guangxi nahm am 12. September 2026 den Betrieb auf, berichtete das Nachrichtenportal Zhongguo Xinwen Wang am selben Tag (auf Chinesisch).

Das Werk kann alle zehn Minuten einen Roboter fertigen, manche Berichte sprechen von einer Kapazität von mehr als 10.000 Einheiten im Jahr. Diese Zahlen beschreiben allerdings die geplante Maximalkapazität. Bis dort tatsächlich so viele Roboter entstehen, dürfte es noch eine Weile dauern.

Das Werk produziert vor allem die Humanoiden Walker S und Cruzr von UBTech. Vier Cruzr-Humanoide arbeiten in der Fertigungshalle des Werks selbst. Sie entladen Paletten, stapeln Waren und bringen Material an die Produktionslinie. An der Behauptung, dass hier Roboter Roboter bauen, ist also etwas dran.

Genauer gesagt helfen sie bei bestimmten Schritten der Produktion. In der Endmontage arbeiten dann aber kollaborative Roboterarme, motorisierte Handhabungshilfen, autonome Logistikfahrzeuge und um 360 Grad drehbare Arbeitsstationen zusammen. Ein digitales „intelligentes Gehirn“ plant den Ablauf der Produktion in der gesamten Fabrik.

Es sei das erste Werk in Guangxi, in dem Roboter in einem geschlossenen Kreislauf Roboter bauen, hieß es in dem Bericht. Gemeinsam mit Siemens hat UBTech einen digitalen Zwilling entwickelt. Er simuliert die gesamte Werkhalle am Computer, bevor dort irgendetwas aufgebaut wird.

Jeder Roboter erhält einen eigenen Identifikationscode, sobald seine Bauteile in die Produktion gehen. Das Drehmoment jeder Schraube wird in Echtzeit aufgezeichnet. Jeder einzelne Roboter braucht mehr als 2.000 Schrauben in mehr als 50 Ausführungen.

So beeindruckend das ist, Armeen von Robotern werden so bald nicht aus dem Fabriktor marschieren oder rollen. UBTech wächst sehr schnell, hat 2025 aber erst 1.079 Humanoide in voller Größe verkauft. Weltweit wurden bis Ende Juni 2026 insgesamt 19.100 humanoide Roboter ausgeliefert, ermittelte das Marktforschungsunternehmen TrendForce. UBTechs Planung ist also, vorsichtig ausgedrückt, sehr vorausschauend.

Skeptische Beobachter betonen, dass eine Fabrik mit einer Kapazität von 10.000 Einheiten Kosten verursacht, bevor die Aufträge eingehen. UBTech meldete für 2025 einen Umsatz von 2 Milliarden Yuan (rund 256 Millionen Euro), schrieb aber einen Nettoverlust von 700 Millionen Yuan (rund 90 Millionen Euro).

Die Wahl von Liuzhou im etwas abgelegenen Guangxi war kein Zufall. Liuzhou ist ein traditioneller Industriestandort mit viel Automobilindustrie, und die Stadtregierung steht neuerdings unter Druck, auch Hightech-Unternehmen anzusiedeln. In Liuzhou haben sich bereits 46 größere Unternehmen aus den Bereichen KI-Geräte und Robotik angesiedelt, sagten Vertreter der Stadt.

Das Werk werde von der industriellen Basis von Liuzhou profitieren, damit sich die Humanoiden an echten Arbeitsplätzen weiterentwickeln und trainieren ließen, sagte UBTech-Gründer Zhou Jian gegenüber Zhongguo Xinwen Wang.

„Die Lokalregierung braucht ein Vorzeigeprojekt für die industrielle Modernisierung. UBTech braucht eine Produktionsbasis und Zugang zu realen Anwendungsszenarien. Beide Seiten bekommen, was sie brauchen“, schrieb die Robotik-Kolumne Zhineng Jiqiren Yanjiu auf dem Portal OFweek (auf Chinesisch).

Der Standort liegt außerdem nahe an den Märkten der ASEAN-Staaten jenseits der chinesischen Südgrenze. Zhou setzt ganz offensichtlich auf das Wachstum und die Skalierung, die UBTech braucht, um mit diesem Projekt wirtschaftlich tragfähig zu werden.

Trotzdem wird der Sprung von gut 1.000 auf 10.000 Einheiten pro Jahr eine echte Herausforderung. „UBTech geht eine große Wette ein“, überschrieb Zhineng Jiqiren Yanjiu seine Analyse. „UBTech erkauft sich mithilfe dieser Größe Zeit“, schrieb der Autor. Immerhin hat UBTech von Januar bis Juni 2026 bereits 921 große Humanoide verkauft.

Warum ist das wichtig?

Skeptiker verweisen auf die geringe Zahl der bisher gebauten Roboter und auf die anhaltenden Verluste von UBTech. Das neue Werk zeigt aber, dass die Produktion von Humanoiden gerade zu einem ernsthaften industriellen Prozess wird.

Der Fall belegt auch, wie selbstbewusst chinesische Unternehmer auf eine Zukunft voller verkörperter KI setzen und welche Risiken sie eingehen, um ihre Claims abzustecken.

KI + Elektronik: Chinas führender Anbieter von Chipdesign-Software setzt auf KI

Empyrean Technology, Chinas führender Hersteller von Software zur Automatisierung des Chipdesigns (Electronic Design Automation, EDA), stellt von „KI-gestützten Werkzeugen“ auf „KI-autonomes Design“ um.
Das sagte Vorstandschef Liu Weiping auf der International Integrated Circuit Innovation Expo in Shenzhen, wie das Branchenportal ijiwei am 9. September 2026 berichtete.

Empyreans Werkzeug Andes FPD erzeuge inzwischen automatisch Layouts für Displaypanels und verkürze so eine Arbeit von vier Wochen auf eine Woche, sagte Liu.

Ingenieure legen Ziele und Anforderungen fest, die KI führt aus, und Menschen treffen die Entscheidungen. Künftig könnten sich die Preise nach der Nutzung von KI-Agenten richten, sagte Liu.

Die jüngsten politischen Schritte der chinesischen Regierung weisen in dieselbe Richtung. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie veröffentlichte am 11. September einen Aktionsplan „KI + Software“. Er fordert eine tiefere Integration von KI in Industriesoftware, auch in EDA, berichtete die Zeitung Yazhou Ribao am 13. September 2026.

KI + Gesundheit: BAIC Foton stellt KI-Radiologen im Bus vor

Der Bushersteller BAIC Foton hat einen medizinischen Bus gebaut, der KI-Diagnostik in entfernte Regionen des Landes rollen lässt. Der chinesische Nutzfahrzeughersteller hat diese erste mobile KI-Klinik gerade auf der Messe „China International Fair for Trade in Services“ in Peking vorgestellt, berichtete die Zeitung Jingji Cankao Bao am 11. September 2026.

Im Inneren bietet der Bus 30 Quadratmeter Platz für KI-gestützte Medizintechnik, darunter Geräte für das Screening des Augenhintergrunds, für EKGs und Ultraschalluntersuchungen sowie einen KI-Agenten für digitales Röntgen, berichtete das Nachrichtenportal Fengmian Xinwen am 12. September 2026.

Der KI-Agent für Röntgenaufnahmen wurde mit einem Datensatz mit vier Millionen Fällen trainiert. Er erledigt alles von der Bildaufnahme bis zur Diagnose und bringt so praktisch einen Radiologen an Bord.

Der Bus ist mit schneebedeckten Bergen und Yaks bemalt und trägt den Slogan „Pekings Hilfe für Qinghai“. Er gehört zum Partnerschaftsprogramm, mit dem die chinesische Hauptstadt den abgelegenen Bezirk Yushu in Qinghai unterstützt, sagte ein Mitarbeiter gegenüber dem Nachrichtenportal.

Warum ist das wichtig?

Untersuchungen auf dem Niveau der besten Krankenhäuser waren für Patienten in Chinas abgelegenen Landkreisen bisher unerreichbar. Dieser Bus mit klinisch validierten KI-Agenten und 5G-Anbindung soll das ändern.

Vertreter der Nationalen Gesundheitskommission waren bei der Vorstellung dabei. Das zeigt die politische Bedeutung des Projekts. Für BAIC Foton, einen Nutzfahrzeughersteller, ist der Bus der Test eines neuen Geschäftsmodells, das Mobilität mit KI verknüpft.

KI + Energie: Shanghai setzt auf KI, um die „künstliche Sonne“ zu simulieren

UniForce AI, ein Start-up aus Shanghai, hat knapp 50 Millionen Yuan (rund 6,4 Millionen Euro) an Investitionen eingesammelt. Die Angel-plus-Runde führten der Shanghai Future Industry Fund und die Science and Technology Innovation Investment Group der Stadt an, berichtete das Finanzportal Touzhong Wang.

Das Unternehmen ist auf KI für das Engineering spezialisiert. Sein erstes Anwendungsfeld ist die Kernfusion. Herkömmliche Plasmasimulationen dauern Stunden oder Tage. UniForce AI trainiert neuronale Operatoren und Diffusionsmodelle, die direkt vorhersagen, wie sich physikalische Felder entwickeln. Die Modelle seien zehn- bis hundertmal schneller, behauptet das Unternehmen.

Warum ist das wichtig?

Die Shanghai State-owned Capital Investment hat seit 2024 mehr als eine Milliarde Yuan (rund 128 Millionen Euro) in die Lieferkette der Kernfusion investiert und dabei knapp 10 Milliarden Yuan (rund 1,3 Milliarden Euro) an externem Kapital angezogen.

Sollten sich die Modelle in der Fusionsforschung bewähren, will UniForce AI in die Bereiche Öl und Gas, Kernkraft, Elektronik sowie Luft- und Raumfahrt expandieren. Da wächst also gerade ein interessantes Unternehmen heran, das Chinas High-Tech-Fertigung mit KI unterstützen will.

KI + Mobilität: AI kann den Fahrdienst CaoCao buchen

CaoCao, die vom Autohersteller Geely unterstützte Fahrdienstplattform, lässt Fahrgäste in Peking, Hangzhou und Suzhou jetzt auch über Doubao buchen, die KI-App von ByteDance.

Nutzer geben ihr Ziel per Text oder Sprache ein. Doubao plant dann automatisch die Route, bietet verfügbare Fahrzeuge und Preise an und wickelt am Ende auch die Bezahlung innerhalb der App ab, berichtete das Wirtschaftsmedium Yicai am 10. September 2026.

Der Assistent spricht sogar Empfehlungen aus, wenn Nutzer nach Routen, Restaurants oder Unterhaltungsangeboten fragen. Wer einen Rollstuhl oder eingeschränkte Mobilität erwähnt, bekommt einen barrierefreien Fahrdienst angeboten. Das letztgenannte Angebot wird gerade in Teilen von Suzhou und Hangzhou erprobt.

CaoCao Launched AI Ride-Hailing Service in Beijing, Hangzhou and Suzhou with Doubao. Photo: Caocao Inc.

Warum ist das wichtig?

Der Dienst bringt CaoCao neue Aufträge über KI-Kanäle und macht das Unternehmen so weniger abhängig von den herkömmlichen Fahrdienst-Aggregatoren.

CaoCao dürfte sich künftig auch an andere „KI-Super-Eingangstore“ anbinden, über die dann weitere Aufträge kommen, erwarten Analysten.

Unser Must Read dieser Woche handelt ebenfalls davon, wie KI-gestützte Apps zu neuen „Entry Points“ für den Online-Einkauf werden und wie sich Chinas Super-Apps teilweise noch immer dagegen wehren.