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Published on Sep. 28, 2026
➤ KI + Elektronik: Alibaba präsentiert „China’s leistungsstärksten“ KI-Chip

Alibaba hat auf seiner jährlichen Apsara-Konferenz in Hangzhou Full-Stack-Ambitionen für KI-Infrastruktur anzukündigen.
Am 22. September 2026 präsentierte die Alibaba-Tochter T-Head den KI-Chip Zhenwu V900. Der KI-Beschleuniger hat eine dreifache Leistung im Vergleich zu seinem Vorgänger Zhenwu M890, berichtete das Technikportl Xin Dongxi (auf Chinesisch).
Der Chip bietet 216 Gigabyte Speicher und eine Bandbreite von 1,2 Terabyte pro Sekunde. Ein Cluster kann bis zu 500.000 Chips haben. Die Serienproduktion soll Anfang 2027 starten. Ein Nachfolger, der Zhenwu J900, ist schon wieder für 2028 geplant. Eddie Wu, der CEO, bezeichnete den V900 als den „leistungsstärksten KI-Chip“ Chinas.
Alibaba verkündete auch ehrgeizige Ziele, die über Chips hinausgehen. Das Unternehmen investiert auch in die zwei anderen Säulen der KI-Infrastruktur, also in die Entwicklung von KI-Modellen und KI-Clouds. Maschinen würden in der Zukunft fast alle Denkaufgaben übernehmen, die es gibt, sagte Wu.
„Wenn Token die Elektrizität der KI-Ära sind, dann sind Chips die Generatoren“, wurde Wu am 23. September in der Wirtschaftzeitung Huaxia Shibao zitiert (auf Chinesisch).
Das Qwen-Team von Alibaba plant auch, ein KI-Modell mit 5 bis 10 Billionen Parametern zu trainieren. Alibabas gegenwärtiges Top-Modell Qwen 3.8-Max hat 2,4 Billionen.
Die Cloud-Strategie sieht vor, dass Alibaba weltweit bis 2032 eine Rechenzentrumskapazität von 20 Gigawatt erreicht. Ein neuer Standort in den Niederlanden soll in diesem Oktober eröffnet werden, berichtete die South China Morning Post.
Alibaba plant, in den kommenden drei Jahren mehr als 53 Milliarden US-Dollar in KI zu investieren. Im August sammelte das Unternehmen durch eine Kapitalerhöhung 10,2 Milliarden US-Dollar ein.
Die hohen Ausgaben drücken auf den Gewinn, der im letzten Quartal um 75 Prozent sank. Ob Alibaba die neuen Chips in ausreichender Menge produzieren kann, ist noch unklar. US-Exportkontrollen erschweren dem Unternehmen die Fertigung bei TSMC.
Warum ist das wichtig?
Während Washington versucht, KI-Chips aus China mithilfe von Sanktionen und Boykotten fernzuhalten, entwickelt Alibaba einen kompletten heimischen Technologie-Stack für künstliche Intelligenz aus Modellen, Chips und Cloud.
➤ KI + Fertigung: Chinas Staatsunternehmen bilden eine „Nationalmannschaft“ für die Robotik
Chinas Staatsunternehmen machen Ernst in Sachen Robotik. Sie kaufen bei privaten Herstellern und investieren jetzt auch stark in die eigene Produktion von Robotern.
Die meisten dieser selbst entwickelten Maschinen sind Spezialroboter für gefährliche Arbeiten an Stromleitungen, in Tunneln und in Bergwerken. Auf den Beschaffungslisten der Staatsunternehmen stehen aber zunehmend auch Humanoide.
Viele Meter unter der Erde greift und positioniert ein Tübbing-Montageroboter des staatlichen Baukonzerns China Railway Constructions neuerdings die Betonsegmente hinter einer Tunnelbohrmaschine. Die Abweichung beträgt höchstens fünf Millimeter, berichtete die Branchenzeitung Zhongguo Gongye Bao am 24. September 2026 (auf Chinesisch).
State Grid hat sich einen Enteisungsroboter gebaut, der von einer Drohne auf eine Hochspannungsleitung gehoben werden kann. Er hangelt sich dann mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde an der Leitung entlang. Die rund 500 Meter zwischen zwei Masten kann er in rund zehn Minuten von Eis befreien, sagte Yuan Hong von „State Grid Intelligent Technology“.
Ein weiteres Staatsunternehmen, CSSC Chongqing Equipment, hat einen Humanoiden gebaut, der in den Innenräumen von Schiffen Isoliermaterial aufsprüht. Das ist Job, für den es immer schwerer wird, menschliche Arbeiter zu finden. Er läuft auf einem großen KI-Modell und liegt bei der Genauigkeit derzeit noch rund 10 Prozent hinter menschlichen Arbeitern, lernt aber schnell dazu. Für Arbeiten in engen Räumen seien humanoide Roboter am besten geeignet, erklärte der Hersteller.
Im August dieses Jahres hatte die staatliche Norinco Group bereits formell ein „Roboter-Innovationskonsortium“ zentraler Staatsunternehmen mit mehr als 100 Mitgliedern gegründet. Private Robotikhersteller hätten die Technik, aber keine Anwendungsszenarien, hieß es in dem Bericht. Das ändere sich sich gerade durch den Einstieg der Staatsbetriebe.
„Das Besondere an der Führungsrolle der zentralen Staatsunternehmen ist nicht, dass sie die stärksten individuellen Technologien besitzen, sondern dass sie über Chinas größten Pool an realen Anwendungsszenarien für Roboter verfügen“, sagte Bai Wenxi, stellvertretender Vorsitzender der China Enterprise Capital Alliance.
Der Privatsektor, dessen Bedeutung für Wettbewerb und Innovation den staatlichen Planern bekannt ist, wird in die Roadmaps integriert. Deep Robotics, etwa, ein Privatunternehmen aus Hangzhou, hat von State Grid einen Auftrag im Wert von einer Milliarde Yuan (rund 123 Millionen Euro) über die Lieferung von Inspektionsrobotern in den kommenden fünf Jahren erhalten. Deep Robotics hält derzeit einen Marktanteil von rund 85 Prozent bei diesen Spezialrobotern.
Warum ist das wichtig?
Die Frage, wer all die Roboter kaufen soll, hing wie eine düstere Wolke über Chinas Robotikindustrie. Der Einstieg der staatlichen Riesen beantwortet sie. Die jährlichen Beschaffungen der chinesischen Staatsunternehmen dürften sich auf Hunderte Milliarden Yuan (zweistellige Millardenbeträge in Euro) belaufen. Das wird auch dem privaten Robotiksektor des Landes Auftrieb geben. Auf den Beschaffungslisten von State Grid und PetroChina stehen bereits Unitree, AgiBot und Fourier.
➤ KI + Energie: Das Rechenzentrum, das Token „so billig wie Kartoffeln“ machen will
Envision, ein chinesischer Ökostromkonzern und Hersteller von Windurbinen, betreibt KI-Rechenzentren direkt mit Windkraft. Das bislang größte Projekt dieser Art hat jetzt seine Server hochgefahren und wirbt mit außergewöhnlich billigen Token.
Envisons „Galaxy Campus“ in Ulanqab in der Inneren Mongolei hat im August seinen Betrieb aufgenommen, berichtete das Wirtschaftsportal Guandian am 19. September 2026 (auf Chinesisch). Die Anlage hat eine Größe von etwa 20 Fußballfeldern.
Das Volumen an KI-Inferenz oder -Training, das hier mit billigem Ökostrom ermöglicht wird, ist beachtlich. Im Galaxy Campus können eine Million Chips parallel betrieben werden. Das ergibt eine Rechenleistung in der Größenordnung von einer Million Petaflops. Damit sei dies das alleinstehende KI-Rechenzentrum mit der weltweit höchsten Kapazität beim Token-Ouput, sagt Envision.
Zu mehr als 80 Prozent wird dieses neue Rechenzentrum mit erneuerbare Energie aus den Windrädern betrieben. Es ist das erste „Flagship-Projekt“ der Envison-Inititiative „Mission Gobi“. Der Konzern will bis 2030 weltweit fünf Gigawatt grüne Rechenzentrums-Kapazität in Wüsten- und Trockenregionen der Erde aufbauen.
Ulanqab wird in Chinas Medien als „Hauptstadt der Windkraft“ bezeichnet. Der Strom für Rechenzentren kostet dort 50 Prozent weniger als in der Region rund um die chinesische Hauptstadt Peking. Die Rechenleistung sogar mehr als 60 Prozent weniger, ist amtlichen Statistiken zu entnehmen.
Envison-Gründer Zhang Lei will Token „so billig wie Kartoffeln“ machen, berichtete Guandian. Ob dieses Ziel erreicht werde, hänge aber auch von der tatsächlichen Nachfrage und den langfristigen Unterhaltskosten ab.
Warum ist das wichtig?
Chinas staatliche KI-Strategie zielt darauf ab, leistungsfähige KI allgegenwärtig zu machen. Billige Token sind die Grundlage dafür. Aus Pekings Sicht ist das mindestens so wichtig wie ein Sieg im globalen Wettlauf um die besten KI-Modelle.
In unserem Deep Dive dieser Woche werfen wir einen Blick auf europäische Unternehmen wie Siemens oder ABB, die Energietechnik für diese Projekte verkaufen.
➤ KI + Gesundheit: KI findet Speiseröhrenkrebs in Routine-CT-Scans
Alibabas Damo Academy hat „DAMO EAGLE“ vorgestellt. Dieses KI-Modell erkennt Speiseröhrenkrebs allein anhand von routinemäßig durchgeführten CT-Aufnahmen des Brustkorbs, berichtete das Finanzportal Cailianshe am 24. September 2026 (auf Chinesisch).
Das Modell ist gemeinsam mit dem Sichuan Cancer Hospital und dem Sun Yat-sen University Cancer Center entwickelt worden. Es braucht weder Intubation noch Kontrastmittel.
Die Speiseröhre ist ein Hohlorgan, das auf CT-Aufnahmen leicht kollabiert. Dabei entstehen sogenannte Bewegungsartefakte, weshalb das Erkennen von frühen Läsionen „eine historisch als unmöglich geltende Aufgabe“ war, schreiben die Forscher in Nature Medicine.
EAGLE wurde an 6.813 Patienten trainiert und an 12 Zentren in drei Ländern mit 80.612 Patienten validiert. In externen Testkohorten soll es eine Spezifität von 98,5 Prozent erreicht haben, und zwar bei einer Sensitivität von 90 Prozent für Krebs und 52,5 Prozent für Krebsvorstufen, hieß es. Es ist Alibabas viertes Krebs-Screening-Modell nach Bauchspeicheldrüse, Magen und Darm.
Die Zahlen in dieser Veröffentlichung müssen erst noch durch den Einsatz in der Praxis belegt werden. Falsch-positive Befunde und die Leistung über verschiedene CT-Hersteller hinweg sind noch praktische Hürden.

Warum ist das wichtig?
Auf China entfällt etwa die Hälfte aller Fälle von Speiseröhrenkrebs und der Todesfälle weltweit. Bei den meisten Patienten wird dieser Krebs zu spät diagnostiziert. Ein KI-Modell, das das Screening zum Nebenprodukt von Aufnahmen macht, die Krankenhäuser ohnehin schon anfertigen, drückt die Kosten für die Früherkennung gegen null.
