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Published on Oct. 30, 2026
➤ KI + Automobil: Das KI-Auto mit einem neuen Gehirn

EV Brand AIVA (Artificial Intelligence Voyage Ahead) backed by Seres unveiled Aiva ME7 in Paris. Source: AIVA
„Bei der Verbindung von KI und Automobilen geht es nicht darum, dem Auto weitere Funktionen hinzuzufügen. Es ist eine Gehirntransplantation“, sagte Xiaomi-Gründer Lei Jun am 21. Oktober auf der World Intelligent Connected Vehicles Conference 2026 in Peking.
Jetzt behauptet seine Konkurrenz, schon die ersten dieser „Transplantationen“ ausgeführt zu haben. Am 23. Oktober stellte SAIC Roewe sein gemeinsam mit ByteDances Volcano Engine entwickeltes SUV „Roewe Jiayue 07“ vor. Er wird als weltweit erstes seriengefertigtes Auto beworben, das von Grund auf für KI ausgelegt ist.
Statt KI in ein bestehendes Fahrzeugkonzept einzubauen, nutzt es per Design mehr als 2.000 Softwareschnittstellen. Sie ermöglichen einem zentralen KI-Agenten, das gesamte Fahrzeug zu koordinieren, im Cockpit natürliche Sprachkommandos zu verstehen, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen und diese in konkreten Fahrmanövern umzusetzen.
Zwei Systeme übernehmen dabei zentrale Aufgaben. ByteDances Sprachassistent Doubao beherrscht zwölf chinesische Dialekte und 22 Fremdsprachen (wir sind nicht sicher, was beeindruckender ist). Momentas Weltmodell R7 unterstützt das assistierte Fahren und reagiert auf umgangssprachliche Anweisungen wie „Ich komme zu spät, fahr schneller“. Mit Einführungsrabatt kostet der Jiayue 07 ab 119.800 Yuan (ungefähr 16.000 Euro). Vor der Markteinführung lagen angeblich schon mehr als 51.000 Vorbestellungen vor.
AIVA geht mit dem „ME7“ noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen verkauft das Auto mit einem tragbaren Armband und einem KI-Agenten, der sich die Vorlieben und bisherigen Interaktionen des Nutzers merkt, auch außerhalb der rund zwei Stunden, die dieser täglich im Auto verbringt. „Wir können nicht einfach nur Autos bauen“, sagte ein Mitarbeiter dem chinesischen Technikmedium Wandian (auf Chinesisch).
➤ KI + Automobil: China Mobile stellt Autoherstellern eine gemeinsame KI-Plattform bereit
Der Aufbau eigener KI-Infrastruktur ist teuer und langwierig. Kleinere Autohersteller können ihn sich häufig nicht leisten. Am 23. Oktober stellte die von China Mobile geleitete nationale Pilotbasis für KI-Anwendungen in der Automobilindustrie auf der World Intelligent Connected Vehicles Conference nach eigenen Angaben die erste gemeinsame KI-Grundlagenplattform der Branche vor. Sie bündelt Rechenleistung, Daten und Modelle in einem gemeinsam nutzbaren Dienst. Die Plattform verwaltet 112,7 EFLOPS Rechenleistung, lässt den Herstellern die Kontrolle über ihre Kerndaten und stellt Werkzeuge für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Modellen bereit.Sechs KI-Agenten für Aufgaben von der Konstruktion über Produktionsplanung, Qualitätsprüfung und Wartung bis zur Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen sind bereits bei mehr als zehn staatlichen Autoherstellern im Einsatz.
Die Betreiber melden erste Produktivitätsgewinne. In Shanghai erstellt ein Agent die Prozessplanungsunterlagen für ein Fahrzeugmodell in vier Stunden statt fünf Tagen. In der Provinz Jilin stieg die Erkennungsquote bei der optischen Qualitätsprüfung auf mehr als 99,5 Prozent. Die Anpassung des Systems an eine Produktionslinie dauert nur noch eine statt vier Wochen.
Ein Manager eines Autoherstellers erklärte bei der Vorstellung, die Plattform „statte praktisch die gesamte Branche auf einen Schlag mit Rechenleistung, Daten und Modellen aus“. Die Hersteller müssten nicht jeder für sich in eigene Infrastruktur investieren und könnten sich stärker auf Produkte und Kerntechnologien konzentrieren.
Für Chinas staatliche Telekommunikationskonzerne ist das ein neues Geschäft. Sie verkaufen nicht mehr nur Rechenleistung, sondern branchenspezifische KI-Agenten .
➤ KI + Elektronik: Chips entwickeln Chips. Empyrean lässt KI-Agenten rund um die Uhr arbeiten
Beim Chipdesign bremsen der Mangel an Fachkräften und die Unbeliebtheit von Überstunden die Entwicklung. Empyrean Technology, Chinas führender heimischer Anbieter von Software für die Automatisierung von Chipdesign (EDA), will das ändern.
Auf seiner Anwenderkonferenz HUG 2026 stellte das Unternehmen KI-Agentenplattformen der Reihe .aix vor. Sie basieren auf großen, quelloffenen KI-Modellen aus China. Jedem EDA-Werkzeug wird ein KI-Assistent zur Seite gestellt. Dadurch, schrieb das Technikmedium Kuai Keji, „werden herkömmliche Werkzeuge zu intelligenten Experten, die rund um die Uhr arbeiten, sodass die Entwicklung von Chips nicht mehr vom Arbeitsrhythmus der Menschen unterbrochen wird“.
Empyrean setzt für den Entwurf auf KI, nutzt dann aber bewährte Prüfverfahren für die abschließende Freigabe. Die Agenten erstellen und überarbeiten Schaltungen, während die bestehenden Prüfsysteme die Ergebnisse verifizieren.
Bei analogen Schaltungen dauern die Optimierung von Parametern und das Layout, die früher Wochen oder Monate beanspruchten, inzwischen angeblich weniger als einen Tag. Die Zahl der Entwurfsschleifen soll um 60 Prozent sinken. Der Entwurf von Bildpunkten für Anzeigetafeln, für den ein Fachmann zuvor eine Woche benötigte, gelingt den Herstellerangaben zufolge jetzt an einem Tag.
In einem Prozessorprojekt wurden Arbeiten, für die sonst Dutzende Ingenieure zwei bis drei Monate gebraucht hätten, innerhalb weniger Tage erledigt. Empyrean will chinesischen Herstellern analoger Chips damit helfen, mit ihrer Produktpalette zu ausländischen Wettbewerbern aufzuschließen. (Natürlich könnten die ähnliche Tricks lernen.)
In derselben Woche veröffentlichte Cadence eigene KI-Modelle für den Chipentwurf, die Unternehmen in ihrer eigenen IT-Umgebung betreiben können. China signalisiert also gerade, dass es an dem internationalen Wettbewerb um KI-Agenten für EDA teilzunehmen gedenkt.
➤ KI + Gesundheitswesen: Ein digitaler Zwilling für jeden Arzt

Source: Tairex
Manche versuchen, einen allwissenden KI-Arzt zu entwickeln. Das aus dem Institut für KI-Industrieforschung der Tsinghua-Universität hervorgegangene Unternehmen Tairex dagegen entwickelt digitale Zwillinge einzelner Ärzte.
Diese KI-Agenten lernen die diagnostische Denkweise ihrer menschlichen Vorbilder. Am 21. Oktober 2026 stellte Tairex auch ein System für die fachübergreifende Zusammenarbeit von Ärzten und KI-Agenten vor. Es basiert auf der Technologie „Agent Hospital“, über die die Fachzeitschrift Nature bereits im Laufe des Jahres berichtet hatte.
Die 54 KI-Ärzte für 27 medizinische Fachgebiete trainieren zunächst an simulierten Patienten in einem virtuellen Krankenhaus. Im MedQA-Test müssen sie mehr als 96 Prozent aller Fragen korrekt beantworten. Anschließend unterstützen sie echte Ärzte und lernen nach und nach deren Diagnoseverhalten.
Fast 200 Ärzte aus 47 Abteilungen von neun Pilotkliniken verfügen bereits über eigene KI-Zwillinge. Die Einrichtungen reichen von städtischen Spitzenkrankenhäusern bis zu Gesundheitszentren in westlichen Grenzregionen.
Bei schwierigen Fällen tauschen sich die spezialisierten KI-Agenten in Echtzeit miteinander aus. In einem Beispiel warnte ein KI-Agent für Lungenheilkunde, dass ein vom Endokrinologie-Agenten vorgeschlagenes Medikament einen Asthmapatienten gefährden könnte.
