KI als Verkehrsleitzentrale am Himmel
Künstliche Intelligenz soll Chinas Drohnenflüge regeln
Published on Jan. 15, 2026

Für einen Himmel voller Drohnen wird KI zur Steuerung des Luftverkehrs benötigt. Fachleute in China vergleichen die Aufgabe damit, mit Hilfe von Large Models „Ampeln am Himmel“ zu bauen.
Während Chinas eVTOLs und seine gesamte „Low-Altitude-Economy“ zum Abheben bereit stehen, gibt es einen dringenden Bedarf nach einem System für „unbemanntes Verkehrsmanagement“ (UTM).
KI wird benötigt, um die Flugsicherheit der Millionen von Fracht- und Passagierdrohnen zu gewährleisten, die früher oder später am Himmel über China unterwegs sein werden.
Ohne KI gibt es keinen intelligenten, vernetzten Himmel, und ohne verkörperte KI können Fluggeräte nicht wirklich intelligent sein.
„Ohne KI gibt es keinen intelligenten, vernetzten Himmel, und ohne verkörperte KI können Fluggeräte nicht wirklich intelligent sein“, sagte Zhang Ju’en, ein Experte von der the Chinese Society of Aeronautics and Astronautics (CSAA), kürzlich bei einem Forum zum Thema „AI + Low Altitude Economy“ in Hangzhou.
„Mithilfe von KI wird für die Low-Altitude-Economy eine neue Phase der Entwicklung beginnen“, sagte er. In China hat sich darüber inzwischen ein breiter Konsens gebildet.
Während noch diskutiert wird, wie genau KI zur Steuerung des Drohnenverkehrs eingesetzt werden soll, bleibt es nicht bei der Debatte allein. Die ersten Pilotprojekte werden gerade entwickelt.
Die Stadt Shenzhen und mehrere Unternehmen, darunter DJI und Huawei, haben gemeinsam ein System entwickelt, das „Flotten von Tausenden von Drohnen in Echtzeit koordinieren, mehr als 100.000 Datenpunkte pro Sekunde verarbeiten, Kollisionsgefahren mit Zentimetergenauigkeit verhindern sowie eine dynamische Routenplanung ermöglichen“ sollen, berichtete die Zeitung Pengpai Xinwen (The Paper) am 29. Dezember 2025. (auf Chinesisch).
Es ist ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Technologieführerschaft in den Bereichen künstliche Intelligenz (Huawei entwickelt sowohl KI-Modelle als auch KI-Chips), Drohnen (DJI ist der weltweit größte Hersteller) auf eine vorausschauende, in Systemen denkende Behördenplanung trifft.
Die Stadt Shenzhen war eine der ersten lokalen Behörden in China gewesen, die eigene Regulierungen für die KI-Industrie verabschiedet hatte, namentlich die „Measures for Building Shenzhen into a Pioneering City for Artificial Intelligence“.
Im Bezirk Longgang in Shenzhen arbeiten die Behörden mit dem Unternehmen Amap derzeit daran, eine „digitale, raumzeitliche Datenplattform aufzubauen, die mithilfe von KI tägliche, domänenübergreifende Datenaktualisierungen ermöglicht und mehr als zehn Datenkategorien, darunter Kommunikation, Navigation, Luftraumüberwachung und Meteorologie, integriert“, berichtete das Wirtschaftsblatt Diyi Caijing.
Das Unternehmen, auch bekannt als Gaode Map, stellt dafür seine selbst entwickelten KI-Modelle „Yunjing“ und „Yunrui“ als „Gehirn“ dieses Pilotprojekts zur Verfügung.
„Yunjing nutzt Computer-Visions-Technologien, um die physische Welt in Echtzeit zu rekonstruieren und dynamisch zu erfassen, während Yunrui Algorithmen der räumlichen Intelligenz einsetzt, um komplexe Umgebungsinformationen zu analysieren“, heißt es in dem Bericht.
Ziel sei es, „Flugrouten dynamisch zu optimieren, und zwar mithilfe von Airspace-Grid-Computing und Sicherheitswarnungen im Millisekundenbereich, um so Zehntausende von Flügen pro Tag leiten zu können“, erklärte die Zeitung.
Sowohl künstliche Intelligenz als auch die Low-Altitude-Economy sind von der Zentralregierung in Peking für den nächsten Fünfjahresplan als strategische Schwerpunkte für Chinas Wirtschaft definiert worden. Der Plan soll auf der bevorstehenden Tagung des Nationalen Volkskongresses in Peking offiziell verabschiedet werden.
Nun stellt sich heraus, dass beide Zukunftstechnologien konvergieren müssen, um die Vision von Flugtaxen über Chinas Metropolen Wirklichkeit werden zu lassen. Lokale Regierungen wie die in Shenzhen konkurrieren darum, hochrangige industriepolitische Initiativen wie die von den Planungsbehörden in Peking angekündigte „AI+“-Strategie zu nutzen, um ihre lokale Wirtschaft zu entwickeln.
Sowohl staatliche als auch private Unternehmen in China entwickeln derzeit eVTOL (Fluggeräte für „electric Vertical Take-Off and Landing“). Firmen wie EHang, XPeng, AeroHT und andere konkurrieren derzeit um erste kommerzielle Lizenzen.
Die Low-Altitude-Economy, die da gerade entsteht, grob definiert als der Betrieb bemannter oder unbemannter Luftfahrzeuge in Höhen von bis zu etwa 1.000 Metern, zieht schon enorme Investitionen an. Viele Beobachter gehen davon aus, dass sie jetzt bald endgültig „abheben“ wird.
China verfügt über „rund 1.400 Hersteller von Technologien für den Low-Altitude-Flugverkehr. Es werden in unserem Land derzeit fast 30 Drohnen der 10‑Tonnen‑Klasse und knapp 70 Typen von eVTOL entwickelt“, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua Caijing kürzlich.
Derzeit gibt es aber zwei Engpässe für die weitere Entwicklung dieser potenziellen „Billionen‑Yuan‑Industrie“. Der erste ist die Reichweite heutiger Batterien, die Flugzeiten meist noch auf etwa zwei Stunden beschränkt.
Der zweite Engpass ist die noch fehlende physische Infrastruktur für Starts und Landungen sowie vor allem eine landesweite Struktur für das sichere Management des neu entstehenden Niedrigflugraums.
Die Tsinghua-Universität hat vor ein paar Wochen eine Diskussionsrunde veranstaltet, auf der Unternehmer, Wissenschaftler und Beamte gemeinsam darüber gesprochen haben, wie diese Herausforderung gelöst werden könnte. Das Forum trug den Titel „AI-Empowered Development of the Low-Altitude Economy“.
Wu Xuemin, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens „Beidou Fuxi Information Technology Co.“, schlug auf diesem Forum in Hangzhou die Entwicklung eines „landesweit einheitlichen, raumzeitlichen Standards“ vor.
Mit Hilfe von KI und dem chinesischen Beidou-Satellitennetz könne dann ein „dreidimensionales Ampelsystem für den Tiefflugverkehr“ aufgebaut werden, sagte Wu.
Mehrere Experten plädierten in ihren Reden auf der Tagung dafür, die KI nicht nur als Hilfsmittel oder eine Art „Add-on“ für die Low-Altitude-Economy zu betrachten, sondern als „Betriebssystem“ für die neue Mobilität in China zu sehen.
„Mit der wachsenden Zahl von Drohnen am Himmel wird ein effektives unbemanntes Verkehrsmanagement (UTM) zu einer zentralen Herausforderung“, zitierte das Finanzblatt 21jingji Professor Li Lishuai von der City University of Hong Kong.
„Dies reicht von der langfristigen Planung der Luftverkehrsnetze über die detaillierte Ausgestaltung einzelner Routen bis hin zu Echtzeit-Anpassungen entlang der dynamischen Nachfrage. All diese komplexen Entscheidungen sind in hohem Maße auf die Unterstützung von KI-Algorithmen angewiesen“, sagte Li.
Während die Diskussion voranschreitet, wie der neue Luftraum am besten reguliert werden soll, positionieren sich Unternehmen als Anbieter von Dienstleistungen verschiedenster Art. Dass die Tsinghua-Universität dieses Forum in Hangzhou ausrichtete, war kein Zufall.
Die Stadt am Westsee unweit von Shanghai, wo der Cloud-Anbieter Alibaba, DeepSeek und Hunderte weiterer Softwarefirmen ihre Stammsitze haben, gilt in China als landesweiter Hotspot für Software-Entwicklung.
Während Shenzhen versucht, die großen Hardware-Lieferketten seiner Fertigungsindustrrie zu nutzen, um sich einen vorderen Platz bei der Kommerzialisierung des Drohnenverkehrs zu sichern, setzt Hangzhou eher auf seine KI-Entwickler.
Auf der „Global Digital Trade Expo“ in Hangzhou im vergangenen September hat das Unternehmen „Genenkosy Intelligent Security Technology (Hangzhou) Co.“ eigenen Angaben zufolge „Chinas erstes vertikales KI-Modell für die Sicherheit in der Low-Altitude-Economy“ vorgestellt.
„Durch den Einsatz von KI-asssistiertem Deep Learning kann es Drohnen-Dynamiken in Echtzeit analysieren, Flugbahnen vorhersagen und anomale Verhaltensweisen in Hunderttausenden von Aufzeichnungen von Flugdaten pro Tag identifizieren“, berichtete Xinhua Caijing über das neue KI-Modell.
Start-ups mit guten Ideen in diesem Bereich haben in China kein Problem, Wachstumskapital zu finden. Die staatliche „Hangzhou Industrial Investment Group“ hat einen „Low-Altitude-Industriefonds“ aufgesetzt und will ihn als Katalysator genutzt, um auch private und strategische Investoren anzulocken.
Der Fonds selbst verfügt über ein Volumen von drei Milliarden Yuan (rund 430 Millionen US‑Dollar), dürfte aber vermutlich ein Vielfaches dieses Betrags aus privaten Kapitalquellen mobilisieren.
Bislang werden 200 Projekte in vier Schwerpunktbereichen finanziert: intelligente Niedrigflug-Fertigung, Niedrigflug-Bildgebung, Niedrigflug-Logistik und Niedrigflug-Daten.
„Als staatliche Kapitalgeber müssen wir die Geduld aufbringen, das Wachstum einer Branche langfristig zu begleiten“, zitierte Xinhua Caijing einen Sprecher des Fonds. „Anstatt kurzfristige Gewinne zu verfolgen, folgen wir eher der Logik, Szenarien einer besseren Infrastruktur-Nutzung zu ermöglichen und diese Szenarien wiederum in die Industrie zurückwirken zu lassen“. So wolle man helfen, die Low-Altitude-Ökonomie aus ihrer Frühphase in ein „Billionen‑Yuan‑Ökosystem“ zu verwandeln.
„Geduld“ und langfristige Unterstützung staatlich gelenkter Initiativen bei der Entwicklung einer Zukunftsindustrie entsprechen nicht unbedingt dem, was man sonst so von Investoren erwartet. In China ist dies aber so.
Zu den bisher unterstützten 200 Projekten zählen Unternehmen wie „Volant Aerotech“ und „Drone Yee“ (Zhuoyi Intelligent). Es sind also nicht nur einzelne eVTOL-Entwickler mit spektakulären Prototypen, die in China auf eine gute Startfinanzierungen hoffen dürfen.
Vielmehr bauen öffentliche und private Investoren in der Volksrepublik gerade Stück für Stück eine vollständige Industrie-Infrastruktur auf, ein komplettes Ökosystem mit „führenden Plattformen aus Herstellern von Fluggeräten und dazugehörigen Zulieferern von Komponenten“, heißt es in dem Bericht.
Aus diesen Gründen zweifelt kaum noch jemand daran, dass für die Low-Altitude-Economy in China nun bald eine Phase rasanten Wachstums beginnen wird. Genau das wird mithilfe von KI nun noch einmal beschleunigt.
Einer Prognose der Civil Aviation Administration of China (CAAC) zufolge soll Chinas Low-Altitude-Economy bis 2025 ein Marktvolumen von 1,5 Billionen Renminbi erreichen und bis 2035 auf 3,5 Billionen Renminbi anwachsen, also auf etwa 215 bis 500 Milliarden US‑Dollar.
