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CHINA AI2X BRIEFING

How AI is reshaping China’s Industries


Fokus der Woche

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Ein Geldregen für die physische KI in China

Die junge Robotiktochter des Autobauers XPeng profitiert von dem Vertrauen in die Zukunft humanoider Roboter. Die Erzrivalen Alibaba und Tencent investierten Seite an Seite.

Published on Sep. 06, 2026

Xpeng showcased its IRON humanoid robot at Hannover Messe 2026.

Chinas junge Robotikindustrie hat gerade einen gewaltigen Vertrauensvorschuss erhalten. Die Humanoiden-Sparte des E-Autobauers XPeng hat in ihrer ersten Finanzierungsrunde mehr als 900 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Bewertung der Unternehmenstochter liegt jetzt bei mehr als 6,3 Milliarden US-Dollar.

Etwas Vergleichbares hatte der chinesische Sektor der verkörperten Intelligenz bisher noch nicht gesehen, berichtete das chinesische Tech-Portal Huxiu (auf Chinesisch).

Angeführt wurde die Runde von IDG Capital. Gaorong Ventures beteiligte sich ebenfalls. Tencent und Alibaba stiegen als strategische Investoren ein.
Vor allem die Beteiligung von Tencent und Alibaba ließ Marktbeobachter in China aufhorchen. Es kommt selten vor, dass diese beiden Internetriesen zur selben Zeit dasselbe Start-up unterstützen. Sie sind erbitterte Konkurrenten im Cloud-Business, bei großen KI-Modellen, beim autonomen Fahren und auch bei vielen kommerziellen Diensten im chinesischen Alltag.

Diesmal investierten Alibaba und Tencent jeweils 100 Millionen US-Dollar. Beide hatten sich zuvor ebenfalls an Unitree Robotics beteiligt, dessen Börsengang das Thema unseres „Must Read“ vor zwei Wochen war. Die Investmentfirma IDG Capital steuerte 300 Millionen US-Dollar und ihr Konkurrent Gaorong Ventures weitere 100 Millionen bei.

Neben diesen externen Geldgebern sagte XPeng selbst 200 Millionen US-Dollar zu. Top-Manager des Unternehmens, darunter Firmengründer He Xiaopeng, legten 100 Millionen US-Dollar aus eigener Tasche dazu. Die XPeng-Gruppe behält die Kontrolle über ihren Robotik-Ableger, der international unter dem Namen Dogotix firmiert.

XPeng bezeichnet sich selbst als „das weltweit führende Unternehmen für Physical AI“. Vor dieser Finanzierungsrunde hatte das noch nach Marketing geklungen. Jetzt ist der Konzern diesem Ziel einen großen Schritt nähergekommen. Der Konzern überträgt seine Expertise bei Chips, KI-Modellen, Lieferketten und der eigentlichen Fertigung aus dem Autogeschäft auf die Produktion humanoider Roboter.

Ich glaube, dass Xpeng nicht nur eines der wertvollsten Robotik-Unternehmen Chinas aufbauen, sondern auch zu einem globalen Marktführer bei physischer KI aufsteigen und die großflächige Einführung und Kommerzialisierung fortschrittlicher humanoider Allzweckroboter und autonomer Fahrtechnologien in China und Übersee anführen wird.

He Xiaopeng, Founder of Xpeng

„Ich glaube, dass Xpeng nicht nur eines der wertvollsten Robotik-Unternehmen Chinas aufbauen, sondern auch zu einem globalen Marktführer bei physischer KI aufsteigen und die großflächige Einführung und Kommerzialisierung fortschrittlicher humanoider Allzweckroboter und autonomer Fahrtechnologien in China und Übersee anführen wird“, schrieb der Gründer He Xiaopeng.

Es wäre viel zu kurz gegriffen, das alles nur durch die Brille internationaler Rivalität oder des „KI-Wettrennens“ zu sehen. Es ist aber eine Tatsache, dass auch Tesla große Ambitionen auf diesem Gebiet hat. Etwas später als XPeng hatte der US-Autobauer im Januar angekündigt, dass er sich ebenfalls von einem hardwarezentrierten Konzern in ein Unternehmen für physische KI verwandeln will.

XPengs frischer Zugang zu Kapital und seine internationalen Ambitionen setzen Tesla unter Druck. Die Amerikaner haben von ihrem humanoiden Roboter Optimus Medienberichten zufolge bislang kein einziges Stück verkauft.

Tesla-Chef Elon Musk, bekannt für seine direkte Art zu reden, hat XPengs Vorzeigeroboter IRON in seinen Posts in den sozialen Medien gelobt, obwohl der chinesische Roboter ein ernstzunehmender Konkurrent seines eigenen Optimus ist. Musk sagte eine Zukunft voraus, in der chinesische Unternehmen Seite an Seite mit Tesla den globalen Robotikmarkt dominieren.

XPeng peilt bis zum Jahresende eine Monatsproduktion von 1.000 Stück seines humanoiden Roboters IRON an. Der erste Einsatz ist in den eigenen Läden der Autofirma und auf den eigene Werksgeländen geplant, berichtete Reuters.

Die ersten Maschinen werden wohl als Verkaufsassistenten in XPengs chinesischen Showrooms arbeiten.

Kommerzielle Verkäufe in nennenswertem Umfang in China und Übersee sollen dann 2027 beginnen. He Xiaopeng hat im Juni angekündigt, das Robotikgeschäft persönlich zu führen.

Als IRON beim XPeng Tech Day 2025 zum ersten Mal über einen „Catwalk“ lief, waren die Zuschauer von seinem sehr natürlichen Aussehen und seinem geschmeidigen Gang verblüfft. XPeng ließ den Roboter später demonstrativ aufschneiden, um zu beweisen, dass kein menschlicher Statist unter der Hülle steckte.

Die aktuelle IRON-Generation hat Firmenangaben zufolge 76 Freiheitsgrade am Körper und 21 in jeder Hand, verpackt in eine vollständig geschlossene, flexible Gitterstruktur. Drei von XPeng selbst entwickelte Turing-KI-Chips geben dem Roboter eine Rechenleistung von bis zu 2.250 TOPS. Das ist genug, um das hauseigene Basismodell für physische KI direkt auf der Maschine laufen zu lassen.

Solche Details sind wichtig, denn die Humanoiden sollen ja im Alltag künftig komplexe Aufgaben ohne Fernsteuerung erledigen und dabei auch mit seltenen „Long-tail“-Ausnahmesituationen fertig werden. „Wir haben den Ehrgeiz, dass IRON ein vertrauenswürdiger Partner für die Menschen und ein sinnvoller Teil von Arbeit und Alltag wird“, erklärte He Xiaopeng in einer Pressemitteilung.

Der XPeng-Gründer ist alles andere als ein Skeptiker, wenn es um humanoide Roboter und fliegende Autos geht, die beiden prominentesten kommerziellen Anwendungsfälle der physischen KI. Er war schon 2020 in das Geschäft mit Laufrobotern (erst Vier-, dann Zweibeiner) eingestiegen. Im vergangenen Herbst sagte der XPeng-Gründer, sein Unternehmen werde in den nächsten zehn Jahren mehr Roboter verkaufen als Autos.

Genau diese frühe Wette auf die Konvergenz zweier Industrien haben die Investoren jetzt belohnt. Für Autohersteller versprechen Synergien zwischen dem intelligenten Fahren und Robotern neue Wachstumschancen. Sensorik, Software, Batterien und Lieferketten-Management ergänzen sich gegenseitig.

Analysten von Citi denken, dass der Autobauer XPeng seine Stärken bei Algorithmen, KI-Modellen und Chips auf humanoide Roboter übertragen kann „Automobile und Roboter wirken wie zwei verschiedene Kategorien, aber im KI-Zeitalter konvergiert ihre innere Logik“, schrieb das chinesische Technologieportal Jike Gongyuan (GeekPark).

„Die Industrie der verkörperten KI steht an einem entscheidenden Wendepunkt, am Übergang von technischen Durchbrüchen zu skalierbarer Fertigung und kommerzieller Anwendung“, erklärte der Leadinvestor IDG Capital. Er verwies ebenfalls auf Synergien zwischen XPengs Geschäft mit smarten E-Autos und dem autonomen Fahren und der neuen Robotik-Tochter.
Tencent und Alibaba bringen zusätzliche Vermögenswerte mit, die rein finanziellen Investoren fehlen. Roboter, die sich im Alltag bewähren sollen, brauchen Cloud-Computing, KI-Infrastruktur, Nutzer und echte Anwendungsszenarien wie Handel und Logistik.

Die existierenden Ökosysteme der beiden Internetkonzerne werden es XPeng ermöglichen, solche realen Szenarien für seine Roboter schneller zu finden als viele Konkurrenten. So entsteht für XPeng ein geschlossener Kreislauf aus Daten, KI-Modellen und Anwendungen.

Verkörperte Intelligenz braucht konkretes Handeln, Interaktionen mit Menschen und Maschinen sowie die daraus resultierenden Szenariodaten aus der realen Welt. Roboter, die in mehr Szenarien arbeiten, erzeugen mehr solcher Daten. Die Daten verbessern die KI-Modelle. Bessere Modelle wiederum lassen die Roboter dann immer komplexere Szenarien meistern. Wer früher in möglichst viele echte Szenarien vordringt, kann die eigenen KI-Modelle schneller weiterentwickeln.

Skeptiker fragen immer noch, ob humanoide Roboter je eine große Rolle in der Industrie oder in Haushalten spielen werden. Tatsächlich gibt es derzeit noch konkrete Probleme mit der Feinmotorik, mit der Batterielaufzeit, bei der Zuverlässigkeit, bei Sicherheit und Kosten. Einen erprobten Massenmarkt wie den für Smartphones oder E-Autos gibt es für Roboter noch nicht. Das ist allerdings immer so, wenn eine neue Technologie anklopft.

Zweifler können auch mit einiger Berechtigung darauf verweisen, dass XPeng Verluste schreibt. Am selben Tag, an dem die Nachricht von der Finanzierung für die Robotik-Sparte kam, meldete das Hauptquartier, sein Quartalsnettoverlust habe sich im Vergleich zum Vorjahr um 179 Prozent auf 1,34 Milliarden Yuan (rund 170 Millionen Euro) ausgeweitet. Der Umsatz stieg allerdings gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 19,7 Milliarden Yuan (rund 2,5 Milliarden Euro).

Ein großer Teil der Erlöse aus dem Dienstleistungsgeschäft von XPeng stammte aus Technologie-Lizenzen für Volkswagen. Dennoch fiel XPengs Aktienkurs nach dem Quartalsverlust zeitweise um mehr als neun Prozent.
Die Märkte preisen Zukunftsversprechen bekanntlich kräftig mit ein. Die Bewertung von XPengs jungem Robotikgeschäft erreiche bereits in etwa den rechnerischen Wert seines E-Auto-Geschäfts, der bei rund 6,5 Milliarden US-Dollar liegt, schrieben die Analysten von Citi.

Dieses Vertrauen für XPeng ist ein wichtiges Signal für die gesamte Robotikbranche. Kapital in dieser Größenordnung hilft der Konsolidierung von Lieferketten und zieht weitere Geldgeber an.

„Die humanoide Robotik bewegt sich über Demonstrationen von Beweglichkeit und Geschicklichkeit hinaus, hin zu verlässlicher Massenproduktion und greifbarer Wertschöpfung in realen Umgebungen“, erklärte der Investor Gaorong Ventures in XPengs Pressemitteilung. Schön formuliert.