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KI-Agenten verändern das Smartphone
Huawei, Xiaomi und Apple haben innerhalb von drei Tagen drei faltbare Smartphones vorgestellt und dabei neue KI vorgestellt.
Published on Sep. 18, 2026

Künstliche Intelligenz verändert den Wettbewerb in der Smartphone-Branche. Das zeigte sich im September, als Huawei, Xiaomi und Apple innerhalb von 72 Stunden drei neue Premium-Handys vorstellten.
Die Schlagzeilen machte vor allem die Hardware. Am 7. September stellte Huawei sein dreifach faltbares Mate XT 2 vor, das sich zu einem Bildschirm in Tablet-Größe aufklappen lässt und ab 19.999 Yuan (rund 2.560 Euro) kostet.
Wenige Stunden später brachte Xiaomi das Xiaomi 18 Fold ab 10.999 Yuan (rund 1.410 Euro) heraus. Dann folgte Apple mit dem iPhone Duo, seinem ersten faltbaren iPhone, das in China ab 15.999 Yuan (rund 2.050 Euro) zu haben ist. Damit traten die drei Branchenriesen erstmals mit Faltgeräten im selben Premium-Preissegment direkt gegeneinander an.
Alle drei Unternehmen rückten in ihren Präsentationen die KI in den Vordergrund. „Die Neuvorstellungen dieser Saison zeigen, dass die führenden Smartphone-Hersteller den Wettbewerb inzwischen auf die ‚Systemebene‘ aus Faltdesign, eigenen Chips und KI-Agenten gehoben haben“, schrieb die Wirtschaftszeitung Jingji Cankao Bao am 11. September. (auf Chinesisch)
Journalisten der chinesischsprachigen Website der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei sehen Chinas Handyhersteller bei der KI im Vergleich zu amerikanischen Konkurrenten führen. Huaweis Agenten übernähmen per Sprachbefehl Aufgaben wie Übersetzungen, Bildbearbeitung und Restaurantreservierungen, berichtete das Handyportal CNMO Keji unter Berufung auf Nikkeis chinesische Website. (auf Chinesisch)
Apple kann Apple Intelligence auf iPhones in China dagegen noch nicht anbieten. Für das Publikum im Rest der Welt präsentierte der neue Apple-Chef John Ternus das iPhone in seiner Keynote aber auch als „intelligenten persönlichen Hub“.
Für die Nutzer versprechen KI-Handys vor allem Bequemlichkeit. Sie können einen Warenkorb mit Geschenken füllen und dabei auf gespeicherte Angaben über die Beschenkten zurückgreifen. Sucht ein Vater oder eine Mutter ein Geschenk für die Tochter, erinnert das Handy etwa an deren Alter und Vorlieben.
Manche Funktionen erhöhen auch die Sicherheit. HarmonyOS 7 erkenne mit KI veränderte Stimmen und betrügerische Websites, teilte Huawei mit. Auch einige betrügerische Anrufe könne das System erkennen.
Ein vollständig autonomes Handy gibt es allerdings noch nicht. „Agenten werden die größte Triebkraft des künftigen Handymarktes sein, aber die Unsicherheit ist noch enorm“, sagte Gong Chao von der Tongji-Universität in Shanghai der Jingji Cankao Bao. Die Marken tasteten sich erst vorsichtig voran, weil die Sicherheitsstandards noch unvollständig seien.
Die Neuvorstellungen dieser Saison zeigen, dass die führenden Smartphone-Hersteller den Wettbewerb inzwischen auf die ‚Systemebene‘ aus Faltdesign, eigenen Chips und KI-Agenten gehoben haben.
Zwei Strategien zeichnen sich aber schon deutlich ab. Bei der ersten läuft der Agent eines KI-Unternehmens auf dem Handy eines Partners, so wie der Assistent von ByteDance auf dem Nubia NaviX Ultra von ZTE, das in Kürze auf den Markt kommt.
Bei der zweiten steckt der Agent direkt im Betriebssystem. Honors MagicOS 11 werde als erstes Handybetriebssystem eine echte Agent-Harness-Schicht auf Systemebene einsetzen, teilte Honor mit. Apple, Xiaomi und Huawei gehen ähnliche Wege.
Sprachmodelle sind zwar auch auf dem Smartphone gut für Chats. Um aber auch handeln zu können, braucht die KI aber einen „Harness“. Zum Buchen oder Bestellen ist Software nötig, die dem Agenten ein Gedächtnis, Werkzeuge und Berechtigungen zur Verfügung stellt. Das Betriebssystem verwaltet all das, weil es den Bildschirm sieht, Benachrichtigungen empfängt, Inhalte indexiert und die Aktionen der Apps steuert.
Das Harness bestimmt, wie ein KI-Agent mit den Apps umgeht. Der Assistent von ByteDance ahmt menschliches Tippen nach und funktioniert mit jeder App, die dabei keinen Sicherheitsalarm auslöst. Das ist wohl der einfachste Weg, KI auf ein Handy zu bringen.
Apple und Huawei lassen die Apps selbst festlegen, welche Aktionen ein Agent ausführen darf. Dieser Ansatz soll angeblich stabiler sein. Unter HarmonyOS lässt die Video-App von Tencent beispielsweise Huaweis Agenten neue Anfragen an die KI der App weiterreichen.
Weil Speicherchips derzeit knapp sind, erwartet das Marktforschungsunternehmen IDC für 2026 einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen um 16,7 Prozent gegenüber 2025. In diesem Umfeld entwickeln sich Faltgeräte zu einem der wenigen Lichtblicke.
Sie gehören jedenfalls zur kleinen Gruppe Smartphones, die sich für mehr als 10.000 Yuan (rund 1.280 Euro) verkaufen lassen. „Die jüngsten Neuvorstellungen rund um Faltgeräte, Chips und Agenten zeigen, dass sich der Wettbewerb vom Preis-Leistungs-Verhältnis zur Innovation verlagert hat“, zitierte die Zeitung Jingji Cankao Bao Pan Helin, Mitglied eines Expertenausschusses des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie in Peking.
Ein größerer Bildschirm allein, ob faltbar oder nicht, rechtfertigt auf Dauer keine exorbitanten Preise. „Ein großer Bildschirm bietet mehr Platz, um Informationen darzustellen, und KI kann die Bedienschritte der Nutzer verringern. Erst wenn beides zusammenkommt, können Faltgeräte wirklich zu einem neuen Typ von Computer werden“, schrieb das Nachrichtenportal Pengpai Xinwen. (auf Chinesisch)
Dafür braucht es leistungsstarke Chips. „Wir haben starke CPUs, GPUs und NPUs für KI direkt auf dem Gerät“, sagte Richard Yu, Vorsitzender von Huaweis Endgerätesparte, bei der Vorstellung des Kirin 9050 Pro, des neuen Flaggschiff-Chips für die Smartphones des Konzerns.
Eine NPU (Neural Processing Unit, also ein neuronaler Prozessor) ist auf KI-Berechnungen spezialisiert. KI-Aufgaben laufen damit schneller direkt auf dem Gerät, die Daten bleiben auf dem Handy, und eine Netzverbindung ist nicht für alle Aufgaben nötig.
Auf seinem Kirin 9050 Pro laufe ein Modell mit 30 Milliarden Parametern, von denen jeweils nur 2 Milliarden aktiv seien, sagt Huawei. Xiaomi hat seit Anfang 2021 insgesamt 21 Milliarden Yuan (rund 2,7 Milliarden Euro) in eigene Chips gesteckt. Chips bestimmen immer stärker, wie Nutzer ihr Smartphone erleben.
Der chinesische Handyhersteller Honor hat die KI zu seiner zentralen Strategie gemacht. Im März 2025 kündigte das Unternehmen an, in den folgenden fünf Jahren mehr als 8,6 Milliarden Euro zu investieren, um vom Smartphone-Hersteller zu einem „Ökosystem-Unternehmen“ für KI-Geräte zu werden. „Es ist klar, dass die KI-Revolution das Paradigma der Geräteindustrie neu gestalten wird“, sagte Honor-Chef James Li damals in Barcelona.
KI-Agenten werden zum neuen „Super-Eingangstor“ (chaoji rukou) des mobilen Onlinehandels. In Chinas Internetbranche ist das die Stelle, an der Nutzer mit dem Suchen, Kaufen und Bezahlen beginnen. Ein Agent, der bucht oder bezahlt, entscheidet, welche App, welcher Händler und welcher Zahlungsdienst das Geschäft macht.
Chinas Super-Apps kämpfen derzeit verbissen um diese Entry Points. Als ByteDance im Dezember 2025 ein Testhandy mit Doubao und Agentenfunktionen vorstellte, wurden die Nutzer von WeChat ausgeloggt.
Auch Taobao, Meituan, Alipay, AutoNavi und JD.com sperrten damals die Anmeldung auf kommerziellen Seitn mithilfe von KI, schrieb Vivian Toh von TechTechChina für Nikkei Asia. Super-Apps verwalten Identitäten, Zahlungen und Daten und wehren sich gegen fremde Agenten. Ihr Motiv ist kommerziell. Die Sicherheit liefert ihnen dabei ein Argument, das sich schwer widerlegen lässt.
Alipay, eine der Apps, die Doubao blockierten, entwickelt derzeit einen eigenen KI-Agenten für die digitale Geldbörse. Der Handel über Agenten habe einen Wendepunkt erreicht, sagte Ant-Group-Chef Han Xinyi auf der Inclusion Conference on the Bund in Shanghai. Er sprach vom „ChatGPT-Moment“ des Agentenhandels.
Weil Sicherheit entscheidend ist, um das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen, haben sich kürzlich mehr als 50 Unternehmen und Institutionen, darunter Alibaba, Huawei, Xiaomi, Lenovo und Qualcomm, zu einer Arbeitsgruppe für vertrauenswürdige Agenten-Identitäten zusammengeschlossen.
Für Marken, Händler und Werbetreibende ändern sich die Regeln von Vertrieb und Marketing. Wenn ein Agent einkauft, müssen Produktdaten, Preise und Lieferbedingungen erst eine Software überzeugen, bevor ein Mensch sie zu sehen bekommt. Chinesische Verbraucher haben das zum Frühlingsfest erlebt, als die Qwen-App von Alibaba Bestellungen von Bubble Tea abwickelte, wie wir im Februar in diesem Briefing berichtet haben.
Wer den KI-Agenten auf dem Handy kontrolliert, entscheidet mit, wo Onlinekäufe beginnen.
