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China will KI-Exporte strenger kontrollieren
Die neue Lizenzpflicht bedeutet kein Verbot des Auslandsgeschäfts
Published on Oct. 21, 2026

Infographic: Asia Waypoint
Peking will besser kontrollieren, welche Technologien ausgeführt werden dürfen, ohne das Auslandsgeschäft seiner KI-Unternehmen zu gefährden.
Am 16. Oktober 2026 schlugen das Handelsministerium (MOFCOM) und das Ministerium für Wissenschaft und Technologie vor, 23 ausgewählte KI-Technologien in den Technologieexportkontroll-Katalog des Landes aufzunehmen. Dazu zählen bestimmte große Modelle, KI-Agenten und Rechencluster.
Der Entwurf unterscheidet zwischen dem Verkauf von KI-Kerntechnologien und der Nutzung von KI-Diensten. „Der Kreis der KI-Technologien, die der Kontrolle unterliegen, ist präzise definiert und begrenzt. Nach Inkrafttreten der Regeln können die meisten KI-Technologien weiterhin frei exportiert werden“, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua (auf Chinesisch).
China aktualisiert seinen Exportkontrollkatalog in gewissen Abständen. Nur für einen Teil der darin aufgeführten Technologien gilt ein Exportverbot, weil ihre Ausfuhr als schädlich für die nationale Sicherheit oder die Interessen des Landes eingestuft wird. Bei anderen Einträgen müssen Exporteure vor der Ausfuhr eine Genehmigung beantragen.
Einige KI-Technologien, die als Gefahr für die nationale Sicherheit gelten, dürften nach der Aktualisierung nicht mehr exportiert werden. Das betrifft etwa Technologien, die Software für Angriffe auf kritische Infrastruktur erzeugen oder verändern können. Defensive Cybersicherheits-Technologien wie KI-gestützte Tools zur Suche nach Sicherheitslücken würden dagegen lediglich „beschränkt“. Ihre Ausfuhr wäre nicht verboten, sondern nur lizenzpflichtig.
Die Auswahl der KI-Technologien, die dafür vorgeschlagen werden, richtet sich nach der Sensibilität ihrer Daten. Dem detaillierten Anhang zum Entwurf des Handelsministeriums zufolge wären Modelle, die mit „Kerndaten“ trainiert worden sind, vom Export ausgeschlossen. Für Modelle, die mit „wichtigen Daten“ trainiert worden sind, wären klar definierte Beschränkungen vorgesehen.
Auch Modelle, die besonders leistungsfähig sind, sollen besser kontrolliert werden. Die Kerntechnologie von Modellen soll in den Katalog aufgenommen werden, wenn mindestens eines von drei Kriterien erfüllt ist. Maßgeblich sind mindestens 10²⁶ Gleitkommaoperationen (FLOPs), mindestens zwei Billionen Parameter oder weltweit führende Fähigkeiten, definiert durch Platzierungen unter den besten zehn.
Die Parameterzahl misst die Größe eines Modells, nicht den Umfang seiner Trainingsdaten. Die Leistungsfähigkeit der KI-Technologie wird unabhängig davon bewertet. Ein kleineres Modell könnte demnach aufgrund der verwendeten Trainingsdaten unter die Kontrollen fallen oder weil seine Fähigkeiten als weltweit führend eingestuft werden.
Die Kontrollen zielen auf Modellgewichte, Quellcode, Architektur und Trainingsverfahren. Auch neue Veröffentlichungen chinesischer Entwickler mit offen zugänglichen Modellgewichten würden eine Exportgenehmigung benötigen, sofern sie beschränkte Technologien umfassen. Solche Veröffentlichungen gehören zu Chinas größten internationalen Erfolgen der jüngsten Zeit. Ein Sprecher des Handelsministeriums deutete allerdings an, dass die Genehmigungen voraussichtlich nach dem Prinzip „melden und exportieren“ erteilt würden.
Open-Source-KI und wissenschaftliche Arbeiten, die bereits veröffentlicht sind, wären ausgenommen. Unternehmen, die Modelle mit offen zugänglichen Gewichten ins Ausland transferieren wollen, könnten die Genehmigung „automatisch“ erhalten, erklärten die Behörden. Wie diese Genehmigungspraxis genau funktionieren soll, ist derzeit allerdings unklar.
Moonshot AI und Z.ai gehören zu den chinesischen Entwicklern, die Deals mit ausländischen Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services haben, um Modelle mit offen zugänglichen Gewichten anzubieten. Da dabei Modellgewichte übertragen würden, könnten die neuen Compliance-Vorschriften diese Vorhaben verzögern, zitierte die South China Morning Post Alex Colville, einen auf chinesische KI spezialisierten Analysten am „Australian Strategic Policy Institute“. Er betonte gleichzeitig, wie flexibel Peking seine KI-Regulierung an technische Veränderungen anpasse. Es sei zu früh, um zu beurteilen, wie Peking die neuen Exportregeln tatsächlich umsetzen werde.
Zu der Frage, warum die chinesische Regierung strengere Exportregeln für die 23 KI-Technologien vorgeschlagen hat, schrieb das Handelsministerium in einer eigenen Erklärung, dies sei „ein routinemäßiger Bestandteil des Managements von Technologiehandel“ und richte sich „nicht gegen ein bestimmtes Land, eine bestimmte Region oder einen bestimmten Akteur“. Ziel sei es, „das Risiko zu verringern, dass Technologien außer Kontrolle geraten oder sich in unangemessener Weise verbreiten, und zugleich den normalen internationalen Technologieaustausch und die Zusammenarbeit sicherzustellen“.
Einige Analysten sehen einen Zusammenhang zwischen den neuen Exportkontrollen und dem gescheiterten Versuch von Mark Zuckerbergs Meta, den chinesischen KI-Agentenentwickler Manus zu übernehmen. Dessen Muttergesellschaft Butterfly Effect war vor dem auf zwei Milliarden US-Dollar bezifferten Übernahmevorhaben von Festlandchina nach Singapur umgezogen. Das stieß bei der chinesischen Regierung offenbar auf wenig Gegenliebe. Sie stoppte die Transaktion aus Gründen der nationalen Sicherheit. Im September teilte Manus mit, wieder eigenständig zu arbeiten.
Die am 16. Oktober eingeführten vorläufigen Registrierungspflichten für solche KI-Exporte verschaffen Peking zwar früher Einblick, wenn an den erfassten Technologietransfers Eigentümer oder kontrollierende Akteure im Ausland beteiligt sind. Doch die lange Liste der Technologien, die nun in den Exportkatalog aufgenommen werden sollen, reicht bis in die Biomedizin und Solartechnik. Das macht es unwahrscheinlich, dass das Geschäft zwischen Meta und Manus die Überarbeitung der Regeln so stark beeinflusst hat. Es mag eine begrenzte Rolle gespielt haben. Die wesentlichen Gründe liegen jedoch anderswo.
Ein Grund dafür, dass China in der neueren Geschichte zurückfiel und Angriffen ausgesetzt war, war seine Rückständigkeit in Wissenschaft und Technik.
Die Beherrschung von Kerntechnologien ist seit Langem eine zentrale Forderung des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping. „Ein Grund dafür, dass China in der neueren Geschichte zurückfiel und Angriffen ausgesetzt war, war seine Rückständigkeit in Wissenschaft und Technik“, sagte er 2014 in einer Rede vor den chinesischen Wissenschaftsakademien. Das war drei Jahre vor Beginn der ersten Trump-Regierung und liegt zeitlich auch vor den meisten geltenden US-Exportkontrollen.
Schon vor Xi Jinping hatte Deng Xiaoping, der Architekt der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik, wissenschaftliche Modernisierung und eine bessere Landesverteidigung ausdrücklich mit dem Schutz vor ausländischer Aggression verknüpft. Das war 1978.
Chinas Streben nach technologischer Unabhängigkeit reicht allerdings noch weiter zurück. 1793 lehnte der Qing-Kaiser Qianlong Lord Macartneys Ersuchen um mehr Handel mit England und diplomatischen Zugang ab. „Unser himmlisches Reich besitzt alle Dinge in üppiger Fülle, und innerhalb seiner Grenzen fehlt es an keinem Erzeugnis“, erklärte Qianlong historischen Aufzeichnungen zufolge.
Später war das vergleichsweise isolierte China im Ersten Opiumkrieg von 1839 bis 1842 den britischen Dampfschiffen unterlegen, die besser manövrierfähig und bewaffnet waren. Es folgten die Kolonialisierung von Hongkong und zahlreiche weitere schmerzliche Erfahrungen, die im öffentlichen Bewusstsein Chinas bis heute sehr lebendig sind.
Wie der Historiker Julian Gewirtz 2019 über China schrieb, „stützte sich das Streben nach vollständiger Eigenständigkeit vor allem auf ausländische Technologie und Know-how“. Heute wäre diese Aussage präziser, wenn darin von „ausländischen und chinesischen Technologien und Know-how“ die Rede wäre.
Viel wird davon abhängen, wie Peking die neuen Exportkontrollen nach ihrem Inkrafttreten implementiert. China nutzt Technologie aber schon seit Langem als „Instrument für das Wiedererstarken der Nation“, wie der schwedische Politikanalyst Anton Irekvist Rehn kürzlich in einem Essay schrieb. Dieses Muster und die offiziellen Erklärungen sprechen dagegen, die neuen KI-Exportkontrollen ausschließlich durch das Prisma der Rivalität mit den USA zu betrachten.
Ausländische Unternehmen müssen die Regeln kennen und alle erforderlichen Formulare ausfüllen, um die Vorgaben einzuhalten. Anlass zur Panik besteht jedoch nicht. China will seine Schlüsseltechnologien kontrollieren. Zugleich will es „open for business“ bleiben.
