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Published on Mar. 30, 2026
➤ Fertigung: Chinas erster verkörperter KI-Agent für industrielles Schweißen

Photo credit: Pixabay / Kreanimo
Das Pekinger Unternehmen Botsing Technology (Boqing) hat nach eigenen Angaben den ersten KI-Agenten für die Schweißtechnik in Industriequalität vorgestellt.
Damit werde intelligentes Schweißen von der „mechanischen Ausführung“ in die Phase der „intelligenten Entscheidungsfindung“ überführt, berichtete die Zeitung Xin Jingbao am 6. Februar 2026 (auf Chinesisch).
„Wenn traditionelle Schweißroboter die ‘Gliedmaßen’ sind, dann stattet ein verkörperter KI-Agent sie mit einem ‘Gehirn’ und einem ‘Nervensystem’ aus“, sagte Botsing-Vorstandschef Feng Xiaobing. Das System kombiniert einen schienenlosen, frei kletternden Schweißroboter und ein auf das Schweißen spezialisiertes, proprietäres KI-Großmodell namens „Jiluan“.
Das Modell „Jiluan“ ist in Zusammenarbeit mit dem Institut für Elektrotechnik der Tsinghua-Universität entwickelt worden. Es basiert auf einem Wissensgraphen mit Millionen von Schweißeinträgen und Dutzenden Millionen Trainingsdatenpunkten. Es kann Schweißnähte für über 95 Prozent der gängigen Metallwerkstoffe eigenständig lokalisieren und schweißen, darunter Kohlenstoffstahl und Titanlegierungen.
Die Benennung des Schweißmodells als „Jiluan“ ist eine Verbeugung vor dem verstorbenen Professor Pan Jiluan, der Chinas ersten Kletterroboter für schwierige Einsatzszenarien erfand, etwa in großen Tanks in Chemiefabriken. Er wird in Chinas Schweiß-Community bis heute ehrfurchtsvoll als „Iron Man“ bezeichnet. Feng Xiaobing, der Gründer von Botsing, hat bei Professor Pan Jiluan promoviert.
Einsätze in der Praxis sollen gezeigt haben, dass das System die Entwicklungszyklen beim Schweißen um 60 Prozent kürzen und die Produktionskosten insgesamt um mehr als 40 Prozent senken kann.
Das KI-System wird bereits in Öl- und Gasspeichertanks, im Schiffbau und bei Kernkraftwerksausrüstung eingesetzt. Botsing exportiert die Technologie auch bereits nach Japan und Südkorea.
Why this matters
Unabhängige Untersuchungen zeigen, dass der Automatisierungsgrad beim Schweißen in China bei rund 30 Prozent liegt. Das ist noch relativ wenig, obwohl Schweißen ein grundlegender Prozess in Schiffbau, Energiewirtschaft und Schieneninfrastruktur ist.
Der Mangel an Schweißern in China wurde bis 2025 auf mehr als fünf Millionen beziffert. Weniger als sieben Prozent der jungen Menschen sind angeblich bereit, diesen Beruf zu ergreifen. Diese Lücke soll bis 2035 auf 10 Millionen anwachsen. Verkörperte KI-Agenten für das Schweißen werden in China also zu einer Notwendigkeit.
➤ Automobil: KI verändert die Reifenentwicklung bei Zhongce Rubber
Zhongce Rubber Group, einer der größten Reifenhersteller Chinas mit Sitz in Hangzhou, hat seit Juni 2025 insgesamt 18 KI-Agenten entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette im Einsatz, die Forschung und Entwicklung, Produktion und Tests abdecken. Das Unternehmen gibt an, dass die Transformation die Entwicklungszyklen für Reifen um 50 Prozent verkürzt und die Produktionseffizienz um 50 Prozent gesteigert habe.
Das Ausmaß der KI-Integration habe Zhongce dabei geholfen, mit zwei seiner ARISUN-1-EV-Star-Reifen als Ausrüster für den AITO M6 ausgewählt zu wurden, das neueste Fahrzeug der von Huawei unterstützten Marke, berichtete Meiri Jingji Xinwen am 23. März 2026 (auf Chinesisch).
KI-gestützte Fabrikplanung habe die Zahl der benötigten Arbeitskräfte an mehreren Produktionslinien von 10.000 auf 2.000 reduziert, berichteten chinesische Reporter nach einem Besuch in der Fabrik. Der Reifenhersteller habe mithilfe des KI-Einsatzes seine Effizienz verfünffachen und gleichzeitig den Energieverbrauch senken können, hieß es.
„Unsere Fabrik ist in der ‘Cloud’. Man sieht die KI vielleicht nicht, aber sie ist überall“, sagte Zheng Li, geschäftsführender stellvertretender Generaldirektor von Zhongces Linjiang-Produktionswerk.
Why this matters
Wenn sich ein traditioneller Reifenhersteller über KI neu definiert, zeigt das, wie tief agentische KI in die chinesische Industrie vordringt, weit über den Technologiesektor hinaus.
Nicht nur High-Tech-Betriebe, sondern auch mehr und mehr seit Jahrzehnten etablierte Fertigungsbetriebe in China befinden sich derzeit im Wandel von traditioneller zu daten- und KI-getriebener Fertigung.
➤ Elektronik: Chinas erste agentische KI-Plattform für Chipdesign
Am 18. März 2026 hat das Unternehmen UniVista Industrial Software Group in Shanghai offiziell die zweite Generation seiner digitalen Design-KI-Plattform vorgestellt, den UniVista Design Agent (UDA) 2.0, berichtete die Wirtschaftszeitung Zhongguo Jingyingbao (auf Chinesisch).
Das Unternehmen beschreibt UDA 2.0 als Chinas erstes vollständig agentenbasiertes EDA-Werkzeug, das auf einer selbst entwickelten EDA-Architektur aufbaut. Ingenieure definieren Designanforderungen und geben Anleitungen. Anschließend kann die Software den gesamten Workflow eigenständig durchführen, einschließlich RTL-Design, Verifikation, Fehlerbehebung und Optimierung.
UniVista zufolge hat sich die Plattform von einem intelligenten Assistenten zu einem echten agentischen KI-System entwickelt. Es integriert aktive Planung mit eigenständiger Ausführung und Rückkopplungsschleifen mit iterativer Verbesserung und vollzieht so den Übergang von unterstützter Analyse zu autonomem Design.
Why this matters
EDA-Software ist ein kritischer Engpass in Chinas Halbleiterindustrie. Drei globale Konzerne, Synopsys, Cadence und Siemens EDA, halten zusammen mehr als 75 Prozent des Weltmarkts.
Im Mai 2025 wies das US-Büro für Industrie und Sicherheit (BIS) alle drei Unternehmen formell an, die Lieferung von EDA-Software und zugehöriger technischer Unterstützung nach China einzustellen.
Im Juli desselben Jahres machte Washington diese Entscheidung zwar wieder rückgängig. Solche Schwankungen verdeutlichen das potenzielle Risiko von Lieferunterbrechungen in Chinas Chipdesign-Softwaresektor. UniVista hat seine technologischen Durchbrüche folglich auf die Kernschwächen heimischer EDA konzentriert.
➤ Energie: Chinas erste KI-Plattform für Energiespeicher
Am 23. März 2026 nahm China Southern Power Grid in Guangzhou die landesweit erste eigenständig entwickelte großangelegte KI-Datenanalyseplattform für neuartige Energiespeicher in Betrieb, berichtete Keji Ribao am 24. März (auf Chinesisch).
„Neuartige Energiespeicher“ ist ein in China häufig verwendeter politischer Begriff, der alle modernen Speichertechnologien außer konventionellen Pumpspeicherkraftwerken umfasst.
Die neue KI-Plattform verbindet acht Pilot-Energiespeicherstationen in den Provinzen Guangdong, Yunnan und Hainan. Durch die Erfassung von Echtzeit-Betriebsdaten aus 2,38 Millionen Messpunkten über 300 Speichersysteme hinweg und unter Nutzung der Rechenleistung von mehr als 28.000 intelligenten Algorithmen in über 50 Algorithmmodulen kann sie Diagnosen des Speicherzustands auf Millisekundenebene durchführen.
„Erstmals in China ermöglicht die Plattform die großflächige und standardisierte Integration von Energiespeichersystemen verschiedener Kraftwerke, Hersteller und technischer Pfade. Sobald Datenanomalien erkannt werden, kann sie das Wartungspersonal automatisch anleiten, Probleme Schritt für Schritt nachzuverfolgen, von der Stationsebene bis hinunter zu einzelnen Batterie-Clustern“, sagte Liu Xuan, ein technischer Experte bei der Southern Grid Energy Storage Maintenance and Testing Company.
Why this matters
Nach einem Jahr Testbetrieb konnte mithilfe der Plattform die Ausfallrate der Geräte an den acht angeschlossenen Stationen um 34 Prozent gesenkt, der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix aber um rund 30 Prozent gesteigert werden. Chinas installierte Kapazität neuartiger Energiespeicher übersteigt inzwischen 130 Gigawatt. KI soll landesweit eingesetzt werden, um ihre Effizienz zu steigern.
➤ Gesundheit: AstraZeneca und Tsinghua-Universität bündeln Kräfte bei KI-gestützter Medikamentenentwicklung

AstraZeneca und die Tsinghua-Universität haben eine strategische Zusammenarbeit begonnen. Gemeinsam gründeten sie das „Tsinghua University (Institute for AI Industry Research) – AstraZeneca Joint Research Center for AI Drug Discovery“, berichtete die Wirtschaftszeitung 21 Shiji Jingji am 24. März (auf Chinesisch).
Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf KI-gestützte Medikamentenentdeckung, translationale Medizin und klinische Entwicklung. Forschungsergebnisse sollen schneller als bisher in klinische Anwendungen münden.
Weltweit haben schon alle 20 größten Pharmaunternehmen, darunter AstraZeneca, Pfizer, Johnson & Johnson, Sanofi und Novartis, eigene Partnerschaften mit KI-Unternehmen geschlossen.
China befinde sich im Übergang „von einem wichtigen Teilnehmer an globaler pharmazeutischer Innovation zu einer treibenden Kraft“, sagte He Jing, Executive Vice President von AstraZeneca und Leiterin der globalen Forschung und Entwicklung in China, bei der Eröffnungsveranstaltung.
Why this matters
Nach einer ersten Erkundungsphase 2025 hat für die KI-gestützte Medikamentenentwicklung in China gerade eine Phase schnellen Wachstums begonnen.
