„Die Verkörperung von KI zum Wohle der Menschheit“ – Brain-Computer-Interfaces geben chinesischen Patienten neue Hoffnung
Ein chinesischer Unternehmer hat ein BCI-Startup gegründet, das mit denen von Elon Musk und Sam Altman konkurrieren will
Published on Jan. 09, 2026

Die Gestala (Chengdu) Technology Co., Ltd. ist am 31. Dezember 2025 in der westchinesischen Provinz Sichuan gegründet worden. Es ist das erste chinesische Startup, das Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) auf der Basis von Ultraschall entwickelt.
Die meisten aktuellen Ansätze, Gehirnwellen mit Computern und Geräten wie Rollstühlen zu verbinden, beruhen auf implantierten Elektroden im Gehirn der Patienten.
Ein Beispiel dafür sind klinische Studien in den Vereinigten Staaten, bei denen Elon Musks Unternehmen Neuralink bis September 2025 Geräte bei zwölf Probanden implantiert hatte, berichtet Huaerjie Jianwen.
Der Einsatz von Ultraschall anstelle elektrischer Signale biete mehrere Vorteile, sagen Forscher und Gründer in China und einige Herausforderer von Neuralink in den USA. Zum einen ist das neue Verfahren nicht invasiv. Zukünftige Geräte könnten lediglich aus einem Hightech-Helm bestehen, den Patienten tragen, um Rollstühle, Exoskelette oder andere Geräte allein mit ihren Gedanken zu steuern.
Die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns mit Ultraschall außerdem effizienter erfassen, argumentiert Peng Lei. Die derzeitige „punktuelle Überwachung“ elektrischer Signale kann nur einige Tausend Neuronen abdecken – das entspricht lediglich 0,13 Prozent der Großhirnrinde.
Mit Ultraschalltechnologie hingegen lassen sich ganze Hirnregionen überwachen. „Aus diesem Grund glauben wir, dass ultraschallbasierte, im gesamten Gehirn les- und schreibbare BCIs die nächste technologische Hauptrichtung sind“, sagte Peng Lei auf der GeekPark Innovation Conference 2026. Im Verlauf des vergangenen Jahres hätten es dafür neue wissenschaftliche Beweise gegeben.
Je mehr Daten die Forscher erfassen können, desto enger lässt sich ihre Arbeit mit Künstlicher Intelligenz verknüpfen. „Auf Daten- und KI-Ebene bauen wir eine ,Ultraschall-Gehirnbibliothek‘ auf, in der Signaldaten aus Bereichen wie Sprache, Sehen, Gedächtnis, Motorik und anderen kognitiven Prozessen unter verschiedenen menschlichen Verhaltensbedingungen erfasst werden“, erklärte Peng in seiner Rede.
Langfristig hoffen die Wissenschaftler, dass diese Daten als „Foundation Model“ für die Erforschung des menschlichen Gehirns dienen können, analog zu den großen KI-Grundmodellen. Beides sind „zwei Seiten derselben Medaille, die sich gegenseitig erklären können“, sagen die Wissenschaftler.
„Während KI Maschinen immer menschenähnlicher macht, gibt es parallel Bestrebungen, den Menschen maschinenähnlicher zu machen“, schreiben die Autoren eines aktuellen Berichts von Morgan Stanley mit dem Titel „Neuralink: AI in the brAIn“, der am 8. Oktober 2025 veröffentlicht wurde.
„Da KI zunehmend in die physische Welt vorgedrungen ist, von Robotaxis über humanoide Roboter bis hin zu autonomen Waffensystemen, empfehlen wir, die Entwicklungen im Bereich der Gehirn-Computer-Schnittstellen genauer zu verfolgen“, heißt es in dem Bericht.
Das ist im wahrsten Sinne des Wortes die Verkörperung von KI zum Guten.
Startup-Gründer weltweit sehen das ähnlich. So wurde das BCI-Unternehmen Merge Labs, das von OpenAI-CEO Sam Altman mitbegründet wurde, im vergangenen Jahr als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. Medienberichten zufolge will Merge Labs bis zu 250 Millionen US-Dollar einwerben, bei einer Bewertung von rund 850 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen experimentiert Medienberichten zufolge ebenfalls mit der Kombination von BCI und Ultraschall.
Das Interesse von Investoren und das weltweite Marktpotenzial für neue BCI-Technologien sind ebenso groß wie die Erwartungen innerhalb der medizinischen Gemeinschaft.
Weltweit leiden rund 50 Millionen Menschen an einer Querschnittslähmung. Millionen weitere sind von Erkrankungen wie Amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder ähnlichen neurodegenerativen Krankheiten betroffen. Laut Olivier Oullier, Mitbegründer des französischen Startups Inclusive Brains und Professor für Neurowissenschaften, sei BCI „im wahrsten Sinne des Wortes die Verkörperung von KI zum Wohle der Menschheit“.
Chinesische Neurowissenschaftler sind auf diesem Gebiet bereits seit einiger Zeit sehr aktiv. Am 15. Dezember 2025 erreichte das Startup NeuroXess einen Meilenstein mit dem ersten in China implantierten BCI-System mit integrierter Batterie, berichtete das Nachrichtenportal Yicai.
Bereits einen Tag nach der Operation konnte der 28-jährige Patient, der aufgrund einer Rückenmarksverletzung ab den Schultern gelähmt ist, mit seinen Gehirnwellen einen Computer-Cursor steuern, meldete eine chinesische Fachzeitschrift. Kurz darauf lernte er, einen Rollstuhl und einen Roboterarm zu bedienen.
Der Eingriff wurde am Huashan-Krankenhaus in Shanghai durchgeführt, einer der führenden neurologischen Kliniken Chinas, in der jährlich rund 20.000 neurochirurgische Eingriffe vorgenommen werden.
In unmittelbarer Nähe des Krankenhauses entsteht derzeit ein neuer „BCI-Industriepark“, in dem sich Neurologen, Informatiker und Unternehmer niederlassen. Auch Gestala ist dort eingezogen.
