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CHINA AI2X BRIEFING

How AI is reshaping China’s Industries


➤ Deep Dive

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Europa verkauft die Schaufeln für Chinas KI-Goldrausch

Siemens, Schaeffler, ABB und Zeiss helfen beim Aufbau von Chinas KI-Infrastruktur. Für Europa gibt es keinen Grund, sich auf eine Seite zu schlagen.

Published on Sep. 28, 2026

US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping hatten in Washington Gelegenheit, über künstliche Intelligenz zu reden. Trump, stets auf Konfrontation aus, war so deutlich wie immer. „Wer bei KI gewinnt, GEWINNT!“ erklärte er.

Xi Jinping, der nicht gerne frei spricht, veröffentlichte kurz nach seiner Ankunft eine Erklärung. Die war diplomatischer. Beide Länder sollten „eher Partner als Rivalen“ sein, schrieb der chinesische Staats- und Parteichef. Er reagiert aber auf Washingtons Feindseligkeiten mit ähnlich harten Maßnahmen.

Die unterschiedliche Wortwahl kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Washington und Peking in einen KI-Wettlauf verstrickt haben, der zunehmend an den Kalten Krieg erinnert. Für die Industrie ist es wichtig zu wissen, dass Xis Angebot einer Partnerschaft an Trump auch für europäische Unternehmen gilt.

Wer sich nicht von Ideologie leiten lässt und die chinesischen Fabriken betrachtet, findet chinesische Roboterhersteller und Betreiber von Rechenzentren, die europäische Partner willkommen heißen.

Siemens liefert digitale Zwillinge und andere Software für Fabriken. Schaeffler verbaut mit einem chinesischen Partner Wälzlager, Gewindetriebe und Präzisionsgetriebe für die Gelenke in Robotern. ABB verkauft Antriebe und Steuerungen für Kühltürme und Pumpen, die für Rechenzentren gebraucht werden. Sie alle sind Teil des industriellen Wandels, den KI in China gerade beschleunigt.

Die Zusammenarbeit beginnt beim Bau der benötigten Fabriken. In Liuzhou in der südchinesischen Region Guangxi haben Siemens und UBTech ein digitales „intelligentes Gehirn“ in Betrieb genommen, das die Produktion humanoider Roboter steuert.

In Liuzhou waren es „Roboter, die Roboter bauen“, die Schlagzeilen für UBTech generiert haben. Doch während Humanoide, die im Lager arbeiten oder Teile an die Produktionslinie tragen, für die Medien und die Öffentlichkeit interessant sind, ist der gemeinsam mit Siemens entwickelte digitale Zwilling der folgenreichere Einsatz von Technik in diesem Fall. KI trifft auf reife industrielle Simulationslösungen, um die Kommerzialisierung der physischen KI zu ermöglichen.

Das dort entwickelte „Manufacturing Operations Management System“, kurz MOM, schließt einen digitalen Regelkreis von der Auftragsplanung über die Logistik bis hin zur Qualitätskontrolle. Jeder Roboter kommt mit einer eigenen Seriennummer zur Welt, sodass er über den ganzen Produktionsprozess hinweg verfolgt werden kann, so UBTech.

Für Berichterstatter sind solche Fertigungsdetails weniger aufregend als Humanoide in der Fertigung oder die ehrgeizige Kapazität von 10.000 humanoiden Robotern der Baureihen Walker S und Cruzr pro Jahr. Für die Steigerung der Produktivität sind sie aber das, was den wirklichen Unterschied macht.

Schaeffler, der große Zulieferer aus dem bayerischen Herzogenaurach, liefert Wälzlager, elektrische Antriebe und andere Komponenten. Im März ging der Automobilzulieferer, der sich neuerdings geschickt als „Motion Technology Company“ bezeichnet, eine Partnerschaft mit Leju Robotics ein, einem weiteren aufstrebenden Robotikhersteller in China.

Dies ist Schaefflers erste strategische Kooperation mit einem chinesischen Hersteller von Humanoiden, und der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein. Während die Automobil- und Robotikindustrien konvergieren und durch KI beschleunigt werden, ist hier eine Chance erkannt und beim Schopf gepackt worden. Es gibt kein besseres Gegengift gegen deutsche KI-Ängste oder Weltuntergangsphantasien.

Schaeffler hat gerade in China ein eigenständiges Unternehmen für die Herstellung von Humanoiden gegründet. Die Bayern bringen acht Produktfamilien mit, von Wälzlagern, Gewindetrieben und Präzisionsgetrieben bis zu Motoren, Sensoren, Thermomanagement und dem Batteriemanagement.

Das deckt so ziemlich alles ab, was ein chinesischer Roboter für seine Aktuatoren, Sensorik, Bewegungssteuerung und seinen Energiehaushalt braucht.

Die Chinesen und ihre deutschen Partner wollen Humanoide in der Fabrikinspektion, bei der Unterstützung des Anlagenbetriebs, in der Logistik und in der Mensch-Roboter-Kollaboration einsetzen und dann Daten für die Weiterentwicklung ihrer Modelle sammeln.

„Mit Leju Robotics gewinnen wir einen starken, innovativen Partner in einem der dynamischsten Wachstumsmärkte für Humanoide“, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Bis 2035 will Schaeffler eine mittlere vierstellige Zahl von Humanoiden in die eigene Produktion integrieren.

Hardware der Spitzenklasse „made in Germany“ für die industrielle Bildverarbeitung, mit der die Integration von KI in chinesische Fabriken überhaupt erst möglich wird, ist ein weiteres gutes Beispi Foxconn, der Elektronikhersteller aus Taiwan mit viel Produktion auf dem chinesischen Festland, nutzt Bildgebungssysteme von Zeiss, um Defekte im Mikrometerbereich zu erkennen.

Dieser Prozess ist inzwischen vollständig automatisiert, sagte Shi Zhe, Chief Digital Officer der Foxconn-Gruppe. Er lobte kürzlich in einer Festrede die mehr als zwanzigjährige Zusammenarbeit beider Unternehmen. Zeiss habe den gemeinsamen Fortschritt bei „KI + optischer Inspektion“ vorangetrieben, sagte er.

Zeiss aus Oberkochen in Deutschland, das sich selbst als „international führendes Technologieunternehmen in den Bereichen Optik und Optoelektronik“ bezeichnet, habe sich vom Lieferanten optischer Geräte zu einem Technologie-Enabler und Mitentwickler von Standards gewandelt, so der Manager. Gemeinsam versuchen beide Unternehmen gerade, die Erfahrung von Ingenieuren in der Fertigung durch KI-gestützte Intelligenz zu erweitern.

Das macht viel Sinn. Die Effizienz eines Bildverarbeitungsmodells hängt von seinen Trainingsbildern und den Bildern an der Produktionslinie ab. Zeiss liefert Optik und Auflösung, während der chinesische Partner KI-Modelle, Datenpipelines und ausreichend große Serien beisteuert.

Die chinesische Zeitung Kechuangban Ribao schrieb über die Chinastrategie von Zeiss, dass die Deutschen dort nicht mehr lediglich Produkte verkaufen, sondern am „Aufbau eines Ökosystems“ teilnehmen.

So etwas geht nicht über Nacht. Schon seit 2021 ist China durchgehend der größte Einzelmarkt für Zeiss. Trotz Herausforderungen wie der chinesischen Beschaffungspolitik und eines sich stetig verschlechternden geopolitischen Umfelds investiert die Firma weiter in China.

Zeiss hat zwei Hubs im Jangtse-Delta und in der Greater Bay Area rund um Hongkong und Shenzhen. Eine Greater-China-Zentrale ist im Bau, um China zu einem weltweit wichtigen „Fertigungs- und Innovationszentrum“ für Zeiss zu machen.

KI werde die Transformation von Zeiss beschleunigen, sagte Martin Fischer, President und CEO von Zeiss Greater China, bei einer Feier zum 180-jährigen Bestehen des Unternehmens.

Dasselbe, das mit der KI und der Transformation und der Beschleunigung, lässt sich auch über die Fertigungsindustrie in China insgesamt sagen, und genau deshalb ist diese Partnerschaft klug. Ihre Erfolgschancen überwiegen die Risiken.

Dann ist da die Energiewirtschaft. Die neue industrielle Revolution durch KI hat in China eine Art „Elektrizitäts-Goldrausch“ ausgelöst. Hier werden die Zahlen, und damit zugleich auch die Geschäftschancen, noch größer.
Bis Ende 2025 hatte China bereits 42 Rechencluster mit jeweils 10.000 oder mehr GPUs gebaut. Die Rechenzentren verbrauchten in jenem Jahr 170 Milliarden Kilowattstunden, 1,6 Prozent des nationalen Gesamtverbrauchs, so die Nationale Energiebehörde.

Bis 2030 werden Rechenzentren voraussichtlich 800 Milliarden Kilowattstunden beziehen, rund 6 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in China. Es war das Schweizer Unternehmen ABB, das diese Zahlen kürzlich auf der Apsara-Konferenz von Alibaba Cloud in Hangzhou nannte. Das war kein Zufall.

Chinas zentrale Planer verfolgen eine neue Strategie namens „suandian xietong“ (算电协同), die Koordination von Rechenleistung und Strom. Für Rechenzentren braucht man Energie. Sehr viel davon. Weil die herkömmliche Niederspannungsverteilung zu viel Energie verliert, stellen chinesische Rechenzentren auf 800 Volt oder sogar 1.500 Volt Gleichstrom um.

Hier sitzt ABB, der Schweizer Elektrifizierungs- und Automatisierungskonzern, mit seiner fortschrittlichen Hardware und seinen Lösungen in einem „Sweet Spot“. In Hangzhou zeigte ABB eine reine Gleichstrom-Verteilungslösung mit 800 Volt.

ABB stellte auch SACE Infinitus vor, seinen nach IEC 60947-2 zertifizierten Halbleiter-Leistungsschalter. Kurzschlüsse eliminiert er nach Angaben des Unternehmens 1.000-mal schneller als ein mechanischer Schalter.
Und dann ist da noch die Kühlung, der zweitgrößte Stromverbraucher in einem Rechenzentrum. Die oberschwingungsarmen Frequenzumrichter von ABB für Kältemaschinen, Kühltürme und Pumpen halten die Stromverzerrung ohne externe Filter unter 3 Prozent.

Die Steuerung AC500 fasst Kühlung, Batteriespeicher, Gebäudemanagement und Notstromversorgung in einem System zusammen, das dem Cybersicherheitsstandard IEC 62443 entspricht.

Ein einzelnes Rack in einem großen Rechenzentrum kann mehr als 100 Kilowatt ziehen. Jemand muss diesen Strom liefern und diese Wärme abführen.

Mehr und mehr wird KI auch dazu genutzt, jene Rechenzentren zu optimieren, in denen KI-Rechenleistung bereitgestellt wird. KI-Agenten koordinieren Photovoltaik- und Speichersysteme, sodass „der Strom der Rechenlast folgt, während die Rechenlast sich dem Stromangebot anpasst“, erklärt ABB auf seiner chinesischsprachigen Website.

Hardware und Software, die das chinesische Konzept der Koordination von Rechenleistung und Strom für die Modernisierung der heimischen Industrie mit KI erst möglich machen, sind genau die Art von Produkten und Dienstleistungen, mit denen ABB glänzt.

Und China fängt ja mit alldem gerade erst an. Um sowohl seine Klimaziele als auch den Energiebedarf seiner Rechenzentren zu erfüllen, fördert Peking neue KI-Rechenanlagen, die direkt mit grünem Strom aus Sonne und Wind versorgt werden.

Der chinesische Energiekonzern Envision hat kürzlich seinen neuen „Galaxy Campus“ in Ulanqab in der nordchinesischen Region Innere Mongolei in Betrieb genommen. Er ist derzeit die weltweit größte einzelne KI-Rechenanlage.

Das Rechenzentrum hat eine geplante Kapazität von zwei Gigawatt und einen außergewöhnlich hohen Anteil an direkt geliefertem grünem Strom, berichtete das Energieportal Beijixing Dianli Wang am 23. September und nannte die Anlage einen „Flugzeugträger“ der Koordination von Rechenleistung und Strom. (auf Chinesisch)

Hu Xingzan, Chief Technology Officer des Konzerns für KI-Rechenzentren, will solche Rechenzentren künftig vollständig mit erneuerbarer Energie und eigenen Stromsystemen laufen lassen. „Das Tempo des Netzausbaus hält mit der Geschwindigkeit, mit der sich AIDC heute entwickelt, tatsächlich nicht Schritt“, sagte er. AIDC ist das Branchenkürzel für KI-Rechenzentren.

Die nutzbare Leistung von Wind und Sonne schwankt auf der einen Seite, die Rechenlasten auf der anderen. Das generiert nicht nur Nachfrage nach fortschrittlichen KI-Modellen und Agenten, sondern auch nach einer Menge Hochtechnologie aus Deutschland, der Schweiz oder Schweden.

Die chinesisch-ausländischen Partnerschaften, die da gerade entstehen, sind nicht nur für Orte wie Guangxi oder die Innere Mongolei gedacht. Sie haben das Potenzial, um die Welt zu reisen und chinesische Technologieunternehmen bei ihrer Expansion ins Ausland zu begleiten.

Alibaba Cloud wird im Oktober ein Rechenzentrum in den Niederlanden eröffnen. Finnland und die Türkei sollen folgen, sagte Li Feifei, President des internationalen Geschäfts, auf der schon erwähnten Konferenz in Hangzhou. Auch diese Standorte werden Stromverteilung, Kühlung und Inspektion brauchen.

Washington und Peking werden weiter konkurrieren und sich möglicherweise auch weiter gegenseitig das Leben schwer machen. Europas Industrieunternehmen sollten sich davon nicht ablenken lassen.
Sie sind in Liuzhou, in Hangzhou und in Ulanqab, und sie werden in den Niederlanden sein, wenn Alibaba dort sein erstes Rechenzentrum hinstellt. Die beiden Präsidenten sollen gerne reden. Jemand muss die Schaufeln für den KI-Goldrausch verkaufen.