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CHINA AI2X BRIEFING

How AI is reshaping China’s Industries


Deep Dive

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Der leise, aber schnelle Aufstieg der KI-Agenten in Chinas Industrie

Chinas KI-Agenten kommen zur Arbeit, und der Weltuntergang muss warten

Published on Sep. 19, 2026

Ein mit Verspätung einlaufendes Containerschiff aktiviert einen Schwarm von KI-Agenten. COSCO Shipping hat sie genau für diesen Fall trainiert. Die Lastwagen zum Löschen der Ladung müssen getaktet werden. Zollabfertigung, Entladekräne, Lagerflächen und Liegeplätze für nachfolgende Schiffe müssen neu koordiniert werden.

Das neue System in Chinas Containerterminals liefert die Firma IROORTECH, früher Rotcloud. Das Unternehmen aus dem südchinesischen Guangzhou, liiert mit der SANY Group, begann als Betreiber einer IoT-Plattform und setzt nun auf industrielle KI, die zwischen verschiedenen Daten und Standards vermittelt.

Vor der Einführung der KI-Agenten glich die Logistik eher einer Kakophonie, als einer harmonischen Symphonie. „Automatisierung der Hafenlogistik scheitert nicht an Technikmodulen. Die Herausforderung besteht darin, dass Systeme vernetzt, aber nicht integriert sind. Ankunftspläne, Zollsysteme, Containerdisposition und Terminalbetrieb gehören verschiedenen Akteuren, folgen unterschiedlichen Standards und laufen auf verschiedenen Plattformen“, schreibt das Investmentportal Touzi Jie (auf Chinesisch).

IROOTECH dolmetscht zwischen den abgeschotteten Datensilos. Seine Agenten greifen auf alle Daten, Regeln und Zeitpläne zu und dirigieren über Befehle die Industrieroboter, die das Unternehmen ebenfalls selbst entwickelt hat.

Die neue Intelligenzschicht, die KI-Agenten da einführen, steht auf einem Fundament. Schweißroboter und automatisierte Kräne erledigen schon seit Jahren viele Routineaufgaben.

Doch jede Maschine folgte ihrem eigenen Programm, und die Systeme darüber tauschten kaum Daten aus. Jetzt koordinieren KI-Agenten diese Maschinen und schließen den Kreis von der Wahrnehmung bis zur Aktion.

Agenten überwachen mit Kameras und Sensoren. Sie vergleichen Informationen mit Produktionsregeln, Planungsdaten und Ingenieurwissen. Dann bestimmen sie den nächsten Schritt. Dabei haben sie nicht nur den einzelnen Prozeßschritt, sondern die Optimierung der gesamten Produktivität im Blick.

Sie erteilen Robotern und verschiedenen Systemen Anweisungen und prüfen die Ergebnisse. Je mehr Entscheidungen KI-Agenten treffen, desto autonomer arbeiten Fabriken oder Häfen. Ingenieure setzen Ziele und überwachen, greifen aber nur noch bei Bedarf ein.

Die Recherchefirma Frost & Sullivan präsentierte IROOTECH kürzlich in einem Whitepaper als Musterbeispiel für ein chinesisches KI-Unternehmen. Es stellte den aufstrebenden Komplettanbieter für agentische KI auf eine Stufe mit Siemens und Huawei.

Diese Einstufung klingt überraschend und könnte etwas voreilig sein. IROOTECH ist noch jung und scheint hauptsächlich für SANY-Partner zu arbeiten. So organisiere IROOTECH derzeit auch die Produktionsabläufe im Pekinger Werk für Spezialtiefbaumaschinen von SANY Heavy Industry neu, berichtet Touzi Jie.

Die Bedeutung dieser schnellen Integration von KI-Agenten in China sollte jedoch nicht an der Zukunft oder den Bilanzen eines einzelnen Unternehmens gemessen werden.Der Fokus der chinesischen KI-Industrie verlagert sich „vom Wettbewerb um große Modelle und Rechenleistung hin zum großflächigen Einsatz von Agenten und zur Monetarisierung von Anwendungen“, berichtet CCTV.

CCTV zitierte dabei aus dem „Forschungsbericht zur Entwicklung der KI-Infrastruktur im Zeitalter der Agenten (2026)“ des China Telecom Research Institute. Agenten seien „die dominante Form“ des Einsatzes von KI geworden, heißt es darin.

In der Folge steigere sich Chinas Bedarf nach KI-Rechenleistung in den nächsten zwei, drei Jahren jährlich um fast das Zehnfache, sagt das Institut voraus. Die Nachfrage nach Token explodiert.

„Der jährliche Token-Verbrauch in China wird 2026 auf 100 Billiarden steigen und 2030 mehr als 35 Trillionen betragen“, sagte Rao Shaoyang vom China Telecom Research Institute gegenüber CCTV. KI-Entwicklung bremsen? Nicht in China.

Chinas Technologiekonzerne investieren 2026 beinahe 600 Milliarden Yuan (77 Milliarden Euro) in KI, berichtete der staatliche Fernsehsender.

In den USA und China sind damit momentan zwei unterschiedliche Schwerpunkte der KI-Entwicklung zu beobachten. Während KI-Entwickler wie Anthropic oder OpenAI immer leistungsfähigeren großen Modellen und sogar der allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI) nachjagen, dem heiligem Gral der Branche, bauen chinesische Hersteller still und leise praxistaugliche Agentenschwärme.

„Weil sich die führenden KI-Modelle in Bereichen wie allgemeiner Beantwortung von Fragen, dem Programmieren und dem multimodalem Verständnis immer weniger voneinander unterscheiden, priorisieren Unternehmenskunden zunehmend Inferenzkosten, Antwortzeiten, die Fähigkeit zum Aufruf externer Tools und die Anpassung an einzelne Branchen mehr als reine Benchmark-Ergebnisse,“ schreibt das Nachrichtenportal Zhongguo Jingji Wang.

Damit vollzieht sich ein Schwerpunktwechsel der KI-Entwicklung von generativ erzeugtem Content zum Erledigen von Aufgaben.

Der Wandel läßt sich daran messen, wie chinesische Unternehmen KI einsetzen. Vor zwei Jahren nutzten 80 Prozent aller chinesischen Unternehmen global entwickelte Closed-Source-Modelle, schreibt die Recherchefirma Gartner. Vor drei Monaten waren es 50, zuletzt nur noch 28 Prozent.

Das liegt zum Teil daran, dass chinesische KI-Modelle von DeepSeek, Alibaba oder Zhipu AI immer leistungsfähiger werden. Zum Teil liegt es aber auch daran, dass Unternehmen in China große Modelle zunehmend als Werkzeug für umfassendere Systeme mit KI-Agenten nutzen.

Firmen in China erwarten nicht mehr, dass große KI-Modelle jedes Problem lösen können und „behandeln sie nicht länger als einen Zauberspiegel, vor dem sie Wünsche aussprechen“, zitiert die Wirtschaftszeitung 21 Shiji Jingji Baodao den Gartner-Mitarbeiter Fang Qi.

Gartner sieht die agentische KI daher in seinem „Hype Cycle“ gerade an der generativen KI vorbeiziehen. Die Agenten hätten den „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ erreicht.

Dabei gilt festzuhalten, dass einzelne überzogene Erwartungen nicht den Trend negieren. Chinas Umarmung der agentischen KI ist keinesfalls ein kurzlebiger Hype. Die bereits bezifferten KI-Investitionen und der Fokus auf verkörperte KI und humanoide Roboter sprechen eine deutliche Sprache.

China hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von der billigen „Werkbank der Welt“ zu einem globalen Powerhouse der intelligenten Fertigung entwickelt.

Das Land exportiert heute nicht mehr nur Regenschirme oder Spielzeug, sondern auch CNC-Maschinen, intelligente E-Autos und Telekom-Ausrüstung.

In China treffen KI-Agenten auf vielfältige industrielle Lieferketten, in denen sie ihre integrative Kraft voll entfalten können. Die Agenten werden gerade zu einem der ersten Entwicklungsfelder der KI, in denen die Volksrepublik vom Verfolger zum Technologieführer aufsteigt.

Die Regierung in Peking sucht gerade nach neuen Wachstumsquellen, weil die chinesische Bevölkerung gleichzeitig altert und schrumpft. Arbeitskräfte werden knapper. Peking hat daher entschieden, dass die Aufwertung traditioneller Fertigungsindustrien genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie der Wettlauf um große Sprachmodelle.

Vor diesem Hintergrund hat das mächtige Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) in Peking seinen Aktionsplan „Künstliche Intelligenz + Fertigung“ vorgelegt.

„Industrielle Agenten sind die nächste Trumpfkarte der chinesischen Fertigung. Sie mögen zwar nicht die Breitenwirkung des Verbraucher-Internets und nicht den Show-Effekt von Elektroautos haben. Doch der Wandel vollzieht sich tief im Inneren der Fabrikhallen, zwischen Maschinen und Datenflüssen, leise, langsam, aber unumkehrbar“, schreibt Touzi Jie.

Viele Beobachter verweisen zu recht auf noch vorhandene Engpässe. Das ist in China genauso korrekt wie überall sonst. Systemarchitekturen sind zersplittert. Qualitativ hochwertige Industriedaten sind ein knappes Gut. Agenten haben Schwierigkeiten mit eigenständigen Entscheidungen, und ihre Zusammenarbeit ist oft noch schwerfällig.

Chinese Ingenieure arbeiten jedoch mit Hochdruck an der Beseitigung solcher Engpässe. Sie erproben KI-Agenten bie Schweißarbeiten, an den Produktionslinien von Autowerken und in Hafenterminals.

Sie krempeln die Ärmel hoch und packen die Probleme an. Sie sehen die künstliche Intelligenz als Werkzeug, nicht als Zauberstab.

Hersteller in Japan, Deutschland oder den USA können diesen Wandel ignorieren oder kleinreden. Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb tun sie das allerdings auf eigene Gefahr.