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CHINA AI2X BRIEFING

How AI is reshaping China’s Industries


➤ Deep Dive

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China will KI in der Fabrik, nicht als Börsenblase

Pekings neue Leitlininen gegen Investionsblasen

Published on Oct. 21, 2026

Infographic: Asia Waypoint

„Mein größter Fehler in den vergangenen rund zehn Jahren war, nicht genug an KI zu glauben“, sagte Wang Xingxing, Gründer und CEO von Unitree Robotics, dem wohl bekanntesten chinesischen Hersteller humanoider Roboter.

Er sagte das während einer Podiumsdiskussion auf der China International Industry Fair in Shanghai am 12. Oktober 2026, berichtete das chinesische Finanznachrichtenportal Kechuangban Ribao (auf Chinesisch).

Für die Aktionäre von Unitree war es eine weitere Überraschung in turbulenten Zeiten. Seit dem Börsengang an Shanghais STAR Market am 19. August ist der Börsenwert des Unternehmens zeitweise um mehr als 281 Milliarden Yuan (ungefähr 37,3 Milliarden Euro) abgestürzt. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Höchststand nach dem Börsengang.

Solche Berg- und Talfahrten bei der Bewertung von Start-ups sind ein typisches Warnsignal für eine Börsenblase. Unitree war kein Einzelfall, nur ein besonders auffälliger. Die Volitalität an den Finanzmärkten ließ in Peking die Alarmglocken schrillen.

Nur drei Tage vor Wangs Rede hatten das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und der Staatsrat neue Leitlinien zur Entwicklung von KI und anderen „Produktivkräften neuer Qualität“ veröffentlicht. Darin warnten sie vor jener blinden Begeisterung, die auch den Kurs der Unitree-Aktie aufgepumpt hatte.

„Wir dürfen uns nicht von der Realwirtschaft abwenden und nur noch auf die virtuelle Wirtschaft bauen, blindlings auf unbegründetes Größenwachstum und uferlose Diversifizierung setzen oder Wirtschaftsblasen schaffen“, heißt es in dem Dokument. Funktionäre auf allen Ebenen, die durch blinde Investitionen große Verluste verursachten, würden streng zur Verantwortung gezogen, wird gewarnt. Das Originaldokument ist vom Informationsbüro des Staatsrats veröffentlicht worden (auf Chinesisch).

So wirksam das chinesische System seine Industriepolitik langfristig verfolgt, so deutlich sind auch seine Schwächen, die hier relativ deutlich angesprochen werden. Eine davon ist der Wettbewerb zwischen den Lokalregierungen. Die stimmen sich oft kaum oder gar nicht ab und schaffen so zeitweise unnötige Überkapazitäten.

„Die Berge sind hoch, und der Kaiser ist weit“, lautet ein chinesisches Sprichwort. In einem Land von kontinentalen Ausmaßen ist es keine kleine Aufgabe, die Macht der Zentrale von der Hauptstadt aus durchzusetzen. Das ist seit Jahrtausenden so. Heute lässt sich in Echtzeit beobachten, wie diese alten Reibungen bei der verkörperten KI wieder auftreten.

Lokalregierungen haben sich mit derselben Begeisterung auf Roboter und KI gestürzt wie Privatanleger. Einige Regionen hätten ähnliche Projekte für aufstrebende Technologien verfolgt, ohne ihre jeweiligen industriellen Stärken zu berücksichtigen, erklärte die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) am 9. Oktober in ihren begleitenden Erläuterungen zu den Leitlinien. Sie warnte vor „blinden Investitionen“ und „leichtfertigen Ausgaben“ für den „Aufbau redundanter Kapazitäten“.

Der Kampf gegen KI-Blasen ist hier allerdings nicht alles. Die Leitlinien betonen zwei Schwerpunkte, denen gleich viel Raum eingeräumt wird. Spekulative und verschwenderische Investitionen sollen eingedämmt werden. Gleichzeitig wird die weitere Förderung der industriellen KI betont. In der Realwirtschaft will Peking die Entwicklung physischer KI und ihren Einsatz in der Fertigung weiter vorantreiben.

Punkt 10 derselben Leitlinien fordert, traditionelle Industrien mithilfe von KI zu modernisieren und humanoide Roboter in mehr Bereichen einzusetzen. Hinzu kommen Forderungen nach mehr Forschung an Schlüsseltechnologien, dem Aufbau von mehr Rechenleistung und mehr KI-Pilotzentren sowie nach besseren Safeguards für einen sicheren Einsatz der KI.

Mehr Investitionen in KI werden ausdrücklich gut geheißen. Die Leitlinien betonen dabei unter anderem den Einsatz von Risikokapital, staatliche Investmentfonds, Technologieanleihen und mehr Börsengänge. Peking will dabei sicherstellen, dass „diszipliniertes Kapital“ produktive KI-Anwendungen unterstützt.

Die chinesische Regierung hat also gerade Nein zu KI-Spekulationen gesagt, aber ihr Bekenntnis zu „KI Plus“ erneuert.

Traditionelle Branchen wie Maschinenbau, Chemie, Textilindustrie und Schiffbau sollen mithilfe von von KI modernisiert werden. In der Robotik und anderen aufstrebenden Industrien soll Qualität vor Quantität gehen.
Die meisten dieser politischen Instrumente gab es schon vor Oktober. Was wir beobachten, ist eine Neujustierung.

Die Zentralregierung will ab jetzt eine größere Rolle bei der Entwicklung neuer Branchen, beim Aufbau von Testumgebungen und bei der Bereitstellung von Rechenleistung spielen. So sieht staatlich gelenkte KI-Adoption in der Praxis aus.

Auch Wang XingXing will KI künftig noch stärker einsetzen als bisher, etwa in der Forschung und Entwicklung. Unitree habe vor einigen Monaten einen Entwicklungsprozess vorgeschlagen, bei dem die KI Code schreibe, Modelle trainiere und helfe, sie an physischen Robotern zu testen. Rückmeldungen von Menschen seien dabei weiterhin erforderlich. „Mein Glaube an KI wächst täglich“, sagte er bei der Podiumsrunde in Shanghai.

Vor kurzem durchgeführte Tests mit GPT-6 haben den Roboterhersteller seinen eigenen Worten zufolge beeindruckt. Noch im August hatte Wang einen Durchbruch in der Robotik frühestens in zwei bis drei Jahren erwartet.

Nun hält er ihn innerhalb von ein oder zwei Jahren für möglich. Es könnte sogar schon einen Durchbruch im Jahr 2027 geben. „Wenn nächstes Jahr GPT-7 erscheint, könnte es die Probleme der verkörperten Intelligenz direkt lösen“, sagte er.

Sowohl der Robotikunternehmer Wang als auch die chinesische Regierung sind von der Zukunft der industriellen KI überzeugt. Und beide sind sich einig, dass die physische KI durch gezieltere Investionen näher an einen nützlichen Einsatz in der Fabrik geführt werden muss.