Chinas „kleine Nvidias“ und ihre rasanten Börsenstarts
Nach Moore Threads hat sich jetzt auch MetaX mit einigen hundert Millionen Dollar für seine Chipfertigung eingedeckt
Published on Dec 17, 2025

"Four Little Dragons" of GPU startups, One Mountain
Um rund 600 bis 700 Prozent ist der Aktienkurs von MetaX am heutigen Mittwoch bei seinem Börsenstart in Shanghai gestiegen.
Der chinesische Hersteller von KI-Chips profitiert wie schon sein Konkurrent Moore Threads von der leicht verfrühten Erwartung, dass China eines Tages viel weniger Halbleiter von Nvidia oder AMD brauchen wird. Das wird zwar noch eine ganze Weile dauern, wird aber von vielen Beobachtern langfristig als mögliche Entwicklung gesehen.
Die „lokale Substitution“, also das erklärte Ziel Chinas, eigene Lieferketten für GPUs und andere Chips aufzubauen, ist unabhängig von dieser Timeline und realistischen Prognosen einer der Hauptgründe für den rasanten Kursgewinn beim heutigen Börsenstart.
Der Preis für die Aktien von MetaX stieg innerhalb von Stunden nach dem IPO zu einem bestimmten Zeitpunkt von 104,66 auf 835 Yuan, ein Zugewinn von 697 Prozent.
Der Enthusiasmus der Anleger erklärt sich auch aus der Einschätzung, dass das chinesische Unternehmen in den kommenden Jahren großes Wachstumspotenzial hat, egal wie sich das Verhältnis zwischen den USA und China entwickelt.
Und für einen Hersteller von KI-Chip gibt es ohnehin kaum ein besseres Timing, als genau auf dem Höhepunkt einer neuen Welle der KI-Begeisterung an die Börse zu gehen. Da spielen die Nationalität und Rivalitäten zwischen Regierungen fast eine untergeordnete Rolle.
Der Markt für Halbleiter in China ist übrigens so groß und wächst wegen der raschen Einbettung der Künstlichen Intelligenz in sämtliche Industrien des Landes so schnell, dass darin genügend Platz für Nvidia und andere Hersteller ist.
Das ist ganz sicher richtig für Neulinge wie MetaX, das einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters momentan einen Anteil von rund einem Prozent am chinesischen Markt für KI-Chips hat.
MetaX gehört gemeinsam mit Moore Threads, Biren Technology und Enflame zu den „vier kleinen GPU-Drachen“ aus China. Moore Threads, dessen Börsenstart Anfang dieses Monats von einer Kurssteigerung von mehr als 400 Prozent begleitet war, wird darüber hinaus auch manchmal das „kleine Nvidia“ genannt.
Der letztere Vergleich sollte dem Management von Moore Threads eher Unbehagen bereiten, denn Nvidia und sein CEO Jensen Huang sind nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch zum Spielball der machtpolitischen Querelen zwischen Washington und Peking geworden.
Die US-Regierung verbietet den Verkauf der leistungsstärksten KI-Chips von Nvidia nach China. Am 8. Dezember hatte US-Präsident Donald Trump dann aber grünes Licht für den Export des H200, also zweitschnellsten KI-Chips von Nvidia nach China erteilt.
Kurz darauf lud das Industrieministerium MIIT in Peking zu einer Krisensitzung, berichtete das Online-Portal Kuai Keji. Eingeladen waren neben Beamten der mächtigen National Development and Reform Commission (NDRC), der obersten Planungsbehörde des Landes, auch Firmenvertreter der größten KI-Unternehmen des Landes Alibaba, ByteDance und Tencent.
Was genau besprochen wurde, ist nicht bekannt, doch seither kursieren Gerüchte, dass die chinesische Regierung möglicherweise gar keine Genehmigungen für den Import des H200 erteilen wird. Wahrscheinlicher, wenn auch immer noch spekulativ, ist die Annahme, dass Peking die großen Datenzentren-Betreibern aufgefordert hat, nach Möglichkeit KI-Chips aus heimischer Fertigung zu kaufen und keine aus den USA.
Es handele sich bei den Nvidia-Chips um „mit Zuckerguß glasierte Gewehrkugeln“ (tang yi pao dan), schrieben chinesische Kommentatoren. So hatte Mao Tsetung einst die verführerischen Taktiken der gegnerischen „Kapitalisten“ genannt. Gemeint ist damit die Gefahr, China könne durch weiteren Zugang zu Nvidia-Chips die Dringlichkeit seiner Emanzipation von Nvidia und AMD aus den Augen verlieren.
Das ist allerdings kaum zu befürchten. China hatte schon im Jahr 2014, also lange vor den US-Boykotten von leistungsstarken Chips, Software und Ausrüstungen zur Herstellung von Halbleitern mit seiner Strategie der lokalen Substitution (国产替代) begonnen. Diese Anstrengungen sind wegen des „Chip War“ nur stark intensiviert worden.
Huawei hat bereits KI-Chips entwickelt, die zwar von der Leistung her noch nicht ganz mit dem H200 von Nvidea (oder gar dem noch immer für China verbotenen Blackwell) gleichziehen konnten, aber auch nicht mehr sehr weit entfernt sind. Mit dem 910 C von Huawei lassen sich so gut wie alle Aufgaben erledigen, für die früher automatisch Nvidia-Chips eingekauft worden wären.
Huawei kann davon nur noch nicht die Stückzahlen liefern, mit denen es die Nachfrage auf dem chinesischen Markt befriedigen könnte. Es hat angekündigt, seine Kapazitäten bis zum kommenden Jahr mindestens zu verdoppeln.
Während chinesische Hersteller also bei den fortschrittlichsten KI-Chips noch immer aufholen, sieht es in anderen Segment schon ganz anders aus. Bei Autochips und Memory Chips, bei Legacy-Chips ab 22 Nanometern und darüber hat die chinesische Substitutionspolitik schon recht gute Fortschritte gemacht. Auch bei den Autochips gibt es noch Nischen, etwa bei sicherheitsrelevanten Autochips, wo der Markt beinahe zu 100 Prozent den Europäern und Japanern gehört, doch diese Nischen werden immer kleiner.
Gleichzeitig gibt es im chinesischen KI- und Halbleitermarkt neue Trends, der die ganzen Vergleiche zwischen China und den USA vielleicht schon sehr bald obsolet machen könnten. Einer davon ist, dass chinesische Unternehmen zunehmend auf Open-Source-Lösungen setzen, sowohl was große KI-Modelle angeht (Alibaba ist da ein Beispiel), als auch was Chip-Architekturen betrifft (Risc-V).
Die traditionellen „Moats“, die ausländischen Chipherstellern lange Zeit einen guten Marktanteil in China gesichert hatten, wie bespielsweise CUDA für Nvidia, bröckeln immer schneller. Wenn chinesische KI-Unternehmen wie Alibaba im Geschäftskunden bereich mit Open-Source-LLM erfolgreich sein können, dann werden mittelfristig die Karten im chinesischen Halbleitermarkt neu verteilt.
